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Fridays for Future

12.04.2019

Krumbachs Schüler demonstrieren für das Klima

Mit selbst gestalteten Bannern und lautstarken Parolen zogen rund 150 Schüler durch den Krumbacher Stadtkern. In Krumbach war es die erste Demonstration dieser Art.
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Mit selbst gestalteten Bannern und lautstarken Parolen zogen rund 150 Schüler durch den Krumbacher Stadtkern. In Krumbach war es die erste Demonstration dieser Art.
Bild: Christian Gall

Zum ersten Mal protestieren auch im südlichen Landkreis Günzburg Jugendliche gegen die Klimapolitik. 150 Schüler verschiedener Schulen ziehen gemeinsam durch die Stadt.

Die Protestwelle der Schüler ist nun auch in den südlichen Landkreis Günzburg übergeschwappt. Rund 150 Jugendliche trafen sich im Krumbacher Stadtkern, um für Änderungen in der Klimapolitik zu demonstrieren. Die „Fridays for Future“-Bewegung, die weltweit Schüler auf die Straßen bringt, zog bereits früher im Landkreis ein. In Günzburg demonstrierten die Schüler erstmals Anfang Februar.

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Drei Schüler des Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasiums (SKG) stellten die Veranstaltung auf die Beine: Emilie Schreiber, Britta Pfister und Max Kößler, alle 16 Jahre alt. Wie Max erklärte, entstand die Idee zu einer Demonstration in Krumbach recht spontan: „Wir wollten uns schon davor einer der Demos anschließen, doch in der näheren Umgebung fand nichts statt. So kamen wir auf den Gedanken, selbst etwas auf die Beine zu stellen.“ Er finde es wichtig, dass nicht nur in Großstädten demonstriert wird: „Wenn so etwas vor der eigenen Haustüre stattfindet, hat das wesentlich mehr Effekt.“ Bei ihren Eltern stieß die Idee auf positive Resonanz: „Sie fanden unseren Vorschlag super und haben und ihre Unterstützung angeboten“, sagte Max.

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Gemeinsam riefen die Organisatoren Mitschüler am Gymnasium zur Teilnahme auf. Auch an anderen Schulen verbreiteten sie ihren Aufruf – mit Erfolg. Schüler der Krumbacher FOS/BOS und der Realschule schlossen sich an. Wie der Schülersprecher der Berufsoberschule, Leopold Jäckle erklärt, habe man an seiner Schule auch eine Demonstration anstoßen wollen: „Als die Anfrage der SKG-Schüler kam, haben wir uns kurzerhand angeschlossen.“

Krumbachs FOS/BOS-Schüler schließen sich der Demonstration an

Rund 150 Schüler kamen so auf der Karl-Mantel-Straße zusammen. Laute Musik aus einem Lautsprecher beschallte die Stadt, Pfeifen und Glocken machten zusätzlich Lärm. Mit kreativ gestalteten Plakaten warben die Schüler für ihre Sache, die Sprüche reichten von „Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit“ bis zu „Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi“. Mehrere Jugendliche hielten kurze Reden, um ihren Standpunkt anschaulich zu machen. Dabei kamen sie auf verschiedene Themen zu sprechen, etwa den Energieverbrauch, Verkehr, Recycling und Mikroplastik. Neben der Forderung, dass die Politik in Klimafragen umdenken muss, regten sie auch zum persönlichen Einsatz an. Jeder Einzelne könnte etwas für die Umwelt tun, etwa indem er verstärkt das Fahrrad nutzt oder nicht nur zuhause, sondern auch in der Schule auf Mülltrennung achtet.

Mehrere erwachsene Beobachter scharten sich um die Menge der Schüler, um die Veranstaltung zu verfolgen. Viele von ihnen äußerten sich positiv gegenüber der Demonstration und begrüßten die Initiative der Jugendlichen. Einige setzten sich eine grüne Schirmmütze auf den Kopf, die die Schüler als Erkennungszeichen für einen Unkostenbeitrag verkauften.

Doch die „Fridays for Future“-Bewegung hat auch viele Kritiker. Ein typisches Argument gegen die Schülerproteste ist, dass die Schulkinder nur den Unterricht schwänzen wollen. In Krumbach lässt sich dieses Argument weitgehend entkräften. Die Demonstration war um 11.30 Uhr angesetzt, der Großteil der Schüler hatte an dem Freitag vor den Osterferien bereits keinen Unterricht mehr.

Schulen zeigen Verständnis für die Sache der Schüler

Schulschwänzer gab es daher kaum zu vermelden. Im Simpert-Kraemer-Gymnasium wurde der Unterricht vor der Demonstration beendet. Bei den Schülern der FOS/BOS entfiel am Freitag die sechste Schulstunde, daher konnten sie leicht verspätet zur Demo hinzustoßen. Ein Sonderfall herrschte bei der Krumbacher Mittelschule. Da die zehnten Klassen derzeit auf Abschlussfahrt sind, konnten sie an der Demonstration nicht teilnehmen. Dem Sekretariat waren am Freitag keine abgängigen Schüler bekannt.

Die Organisatoren der Demonstration in Krumbach (von links): Britta Pfister, Emilie Schreiber und Max Kößler vom Simpert-Kraemer-Gymnasium.
Bild: Christian Gall

Die Jugendlichen an der Realschule wurden nicht von der Schule befreit. Wie der Konrektor Hermann Bicker sagte, erwarte die Schüler, die dennoch zur Demonstration gehen, keine drastischen Maßnahmen. „Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine gute Sache, daher wollen wir nachsichtig damit umgehen.“ Wie er erklärte, setze seine Schule auf Klimaprojekte im Unterricht – ein Projekt etwa dreht sich um Müll, der an der Schule anfällt, und die Frage, wie sich dieser vermeiden lässt. „Am Freitag blieben in der Realschule alle Automaten, etwa für Chips oder Tetrapacks, ausgeschaltet. Die Müllervermeidung war enorm“, sagt er. Auch der Schulleiter des SKG, Norbert Rehfuß, möchte Umweltthemen und Eigenverantwortung im Unterricht verstärkt aufgreifen.

In Günzburg demonstrierten am Freitag ebenfalls Schüler. Bei vergangenen Protesten kamen dabei mehr als 300 Jugendliche zusammen.

Lesen Sie dazu den Kommentar:
Es ist an der Zeit, die Schüler ernst zu nehmen

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Die Diskussion ist geschlossen.

15.04.2019

Interessant!
Lehrer unterteilen in gute und schlechte Schwänzer !

Ist es etwa doch eine von Lehrern kreierte Aktion?

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15.04.2019

(edit/mod)

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