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Krumbach

13.04.2019

Künstlerinnen erringen in Krumbach Kunstpreise

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2 Bilder
Kunstpreisverleihung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach: Die Preisträgerinnen Hanna Sass (Mittelschwäbischer Kunstpreis) und Tanja Fender (Krumbacher Kunstpreis; mit Blumensträußen von links) stellten sich mit Stiftern zum Erinnerungsfoto. Dabei sind (von links) Lila Fogelstaller (Kult-Verein), Hubert Fischer (Bürgermeister), Hubert Hafner (Landrat) und Fenders Tochter Helena vor dem Werk „Schlaraffenland“.
Bild: Annegret Döring

Künstlerinnen erhalten Mittelschwäbischen und Krumbacher Kunstpreis. Was die Werke interessant macht.

Absolut vielfältig in künstlerischen Werken, deren Techniken und deren Farbigkeit und Form zeigt sich wieder die renommierte jährliche Kunstausstellung des Kult-Vereins Krumbach im Krumbacher Heimatmuseum.

Bei der Vernissage am Mittwochabend wurde wieder mit Spannung darauf gewartet, wer wohl mit welchen Werken die beiden mit 1500 Euro dotierten Kunstpreise erhalten würde, die bei der Eröffnung immer verliehen werden: den Mittelschwäbischen Kunstpreis, gestiftet vom Landkreis Günzburg, und den Krumbacher Kunstpreis, gemeinsam gestiftet vom Kult-Verein, von der Stadt Krumbach und privaten Sponsoren, unter anderem der Irsa GmbH. Die beiden Preisträgerinnen Tanja Fender (München, Krumbacher Kunstpreis) und Hanna Sass (Halle/Leipzig, Mittelschwäbischer Kunstpreis) haben vollkommen unterschiedliche Werke geschaffen, die dem Betrachter im individuellen Dialog einiges erzählen können. Laudator Marco Hompes half bei der Interpretation der Werke.

Der Sehnsuchtsort „Schlaraffenland“

Die 1973 in Kirgisien geborene Tanja Fender hat mit „Schlaraffenland“ eine sehr lustige Skulptur geschaffen. Drei vollgefressene weiße Mäuse in Übergröße lehnen sich rundrum rücklings an einen unangetasteten rosa Donutkringel, der ebenfalls übergroß ist. Wolfgang Mennel vom Kult-Verein bezeichnete das Werk gar als ein „süßes Stückle mit Widerhaken“. Das erklärt der Text von Jurorin Liv Reinacher, den Marco Hompes verlas. Die aus Gips, Draht und Silikon geschaffene Skulptur verdeutlicht den Sehnsuchtsort „Schlaraffenland“, wo Milch und Honig fließen und wo man sich nach Herzenslust den Bauch vollschlagen kann, ohne Sorgen vor aufkommendem Hunger haben zu müssen. Haltung und Mimik der vollgefressenen, erschöpften Mäuse, die sich ihre dicken Bäuche halten, verleiht den Tieren beinahe menschliche Züge. So wird das Tier Spiegelbild menschlichen Verhaltens. Im Gespräch mit der Preisträgerin verweist diese auf Anklänge zum berühmten Schlaraffenlandbild Pieter Brueghels des Älteren, wo drei Männer ob der Völlerei jegliche eigene Aktivität verloren haben und herumliegen. Dieses Bild habe sie auf die Idee zu ihrer Skulptur gebracht, sagt Fender. Ist das Schlaraffenland heute in der Überflussgesellschaft schon verwirklicht? Sind die fetten Mäuse auch eine Kritik an unserer heutigen Zeit? Bewachen die drei weißen Mäuse nicht auch den Donut, damit niemand anderes ihn haben kann, obwohl sie ihn im Moment nicht zum Essen brauchen? Die Jury sah in dem Werk eine kluge witzige und gleichzeitig gesellschaftskritische Metapher, die preiswürdig ist.

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Der preiswürdige Holzschnitt von Hanna Sass 13/2/19.
Bild: Annegret Döring

Den Mittelschwäbischen Kunstpreis erlangte ein Werk, das mit den Maßen 160 auf 120 Zentimeter sehr groß ist, sich aber in seiner zurückgenommenen Farbigkeit dem Betrachter in keinster Weise aufdrängt. 13/2/19, so der Titel, ist eine moderne Arbeit, geschaffen mit der uralten Technik des Holzschnitts. Der Titel bezeichnet ein Datum, erklärt die 1985 geborene Künstlerin Hana Sass, die 2017 ihr Studium an der Burg Giebichstein, Kunsthochschule in Halle, abgeschlossen hat. Das mit mehreren Platten gedruckte Werk in matten Blau-Grau-Tönen ist zum einen technisch meisterlich umgesetzt mit seinen übereinanderliegenden Farbschichten. Zum anderen ziehen die sich kreuz und quer in alle Richtungen und in unterschiedlichen Stärken über das Papier ziehenden Linien den Betrachter in den Bann. Was sollen sie darstellen? Schilf, das sich im Wind wiegt und Schatten wirft? Wege, die sich kreuzen? Bruchlinien zersplitterten Glases oder Kratzspuren und Messerschnitte? Alles Fragen, die Laudator Marco Hompes stellte. Die Künstlerin spiele in dem Werk sowohl farblich als auch in der Form mit den Gegensätzen Sanftheit und Härte, dem maskulinen und dem femininen und lässt dem Betrachter breiten Raum zur Interpretation und die Möglichkeit, diese Gegensätze in einem kohärenten Ganzen zu erleben.

Holzschnitte mit Flex und Kreissäge

Im Gespräch erzählt Hanna Sass, dass sie als Gasthörerin der Hochschule noch die Werkstatt inklusive der großen Presse nutzen kann für die Herstellung von Holzschnitten solch großen Ausmaßes. Sie fertigt stets Unikate, keine Serien, arbeitet mit mehreren Platten und auch mit sogenannten „verlorenen“ Platten, sodass kein Druck wiederholbar ist. Für die Bearbeitung des Holzes benutzt die ursprünglich gelernte Tischlerin auch moderne Werkzeuge wie Flex oder Kreissäge.

Natürlich kamen bei der Preisverleihung auch die offiziellen Redner zu ihrem Auftritt, allen voran Museumsleiterin und Gastgeberin Anita Roth, die erzählte, dass durch die neue Beurteilung der Hängesituation der einzelnen Werke in dieser Ausstellung weniger Ausstellungsstücke als bisher gezeigt werden.

Landrat Hubert Hafner freute sich über die Schirmherrschaft und sei froh, nicht in der Jury gesessen haben zu müssen, um die Auswahl „aus all den wundervollen Kunstwerken“ treffen zu müssen. Mit einem Zitat von Heinz Rupp „Unsichtbares sichtbar zu machen. Vergessenes aus der Fantasie hervorzubringen und in eine Welt einzutauchen, wie sie nur die Kunst hervorbringen kann“, wünschte er erkenntnisreiche Stunden durch das Sichtbarwerden anderer Welten im Heimatmuseum.

Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer freute sich über die Anziehungskraft dieser Ausstellung. Mit dem Heimatmuseum könne man den Künstlern eine Plattform bieten, um ihre Werke in der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Lila Fogelstaller vom Kult-Verein Krumbach, der die Ausstellung federführend organisiert, richtete Danksagungen an die Jury für ihre schwierige Arbeit, Museumsleiterin Anita Roth, Wolfgang Mennel für das Erstellen aller Druckprodukte für die Ausstellung und an die Musiker, die die Veranstaltung musikalisch umrahmten. Dies war die Gruppe Enzo & Friends mit Peter Henzler (Trompete), Jürgen Volz (Cajon) und Georg Drexel (Gitarre). Fogelstaller übergab die Preisurkunden und Blumensträuße an die Preisträgerinnen.

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