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Krumbach

07.11.2017

„Kunst muss unter die Leut’“

Sigurd Rakel vor neuen Bildern, die in der Jubiläumsausstellung gezeigt werden. Er verweist auf einen kleinen Fleck, der große Bedeutung hat.
3 Bilder
Sigurd Rakel vor neuen Bildern, die in der Jubiläumsausstellung gezeigt werden. Er verweist auf einen kleinen Fleck, der große Bedeutung hat.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Seit 40 Jahren ist die Galerie Rakel ein kraftvoller Mittelpunkt der heimischen Kunstszene.

Das gelbe DHL-Päckchen liegt auf dem Lederpolster des edlen Stuhls, von dem Sigurd Rakel einmal sagte, das sei der Thron für seine Gäste. Das Päckchen liegt absichtlich da, denn es birgt einen Schatz: Dokumente, Fotos, Briefe, Zeitungsartikel über die Galerie Rakel seit ihrer Gründung vor 40 Jahren. Eine Galerie in der Provinz, das ist eher selten. Eine Galerie, gegründet und vier Jahrzehnte erfolgreich geführt von einem Künstler, der in einer Person zudem Kunstlehrer und Kaufmann ist, das dürfte einmalig sein, meint Sigurd Rakel.

Innige Verbindung der Galerie mit der Krumbacher Öffentlichkeit

Der Inhalt des Päckchens wirkt hierzu wie ein Beleg und weitschweifiger Kommentar. Es zeigt die innige Verbindung der Galerie mit der Krumbacher Öffentlichkeit und der kommunalen Politik. Und weil im Landkreis Günzburg viele Jahre der bayerischen Kultusminister Hans Maier wohnte, reicht die Strahlkraft der Galerie bis ins Herz der bayerischen Kulturpolitik, wo übrigens auch ein Gemälde von Sigurd Rakel hängt.

Dokumentiert wird, dass der Galerist Rakel sich weder einer künstlerischen Richtung noch dem Diktat des Geldes beugen wollte. Rakel holte Künstler mit klingenden Namen nach Krumbach, beispielsweise Friedrich Hechelmann, Josef Oberberger, Lothar Fischer, Otto Dix und Doris Schilffarth. Eugen Gomringer, Begründer der Konkreten Poesie und Professor für Ästhetik, reiste von Düsseldorf an die Kammel, um einer Ausstellungseröffnung ein ungewöhnliches intellektuelles Flair zu geben.

Rakel bot der regionalen Kunstszene ein Forum, und zwar sowohl den arrivierten Künstlern wie auch denen, die ein vielversprechendes Potenzial zeigten. Der Inhalt des gelben Päckchens macht deutlich, dass die Ausstellungen und insbesondere die Vernissagen mehr sein sollten als nur eine Schau von Gemälden. Mit den Ausstellungen verbanden sich Theater, Performance, Pantomime, Feuerwerk, musikalische Improvisation, Oper, Dichterlesung.

Für lange Zeit wurde die Steiger-Villa ein Zentrum der Kunstszene in Schwaben

Wenn Sigurd Rakel von den 40 Jahren als Galerist erzählt, kommt das Wort Freiheit auffallend häufig vor. Rakel hatte Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts das Tor zu einer Karriere als Professor an der Akademie der bildenden Künste schon weit aufgestoßen gehabt. Krumbach sollte nur eine Art von Zwischenspiel werden, um dem akademischen Beruf ein solides Unterfutter zu verschaffen. Aber dann sei in Krumbach die Steiger-Villa zu kaufen gewesen und der Künstler sah die einmalige Gelegenheit, an so einem herausragenden Ort nicht nur Kunst zu machen, sondern auch Kunst unter die Leute zu bringen, wie es sein akademischer Lehrer Professor Josef Oberberger immer gefordert hatte.

Landrat Dr. Georg Simnacher und Sparkassendirektor Hubert Schneider hätten damals die finanziellen Hindernisse beiseite geräumt, seine Frau Wiltrud habe ihm all die Jahre den Rücken freigehalten, damit er seine Ideen und Impulse zur Kunstwelt habe umsetzen können, erklärt Rakel.

Für lange Zeit wurde die Steiger-Villa ein Zentrum der Kunstszene in Schwaben, bis der Künstler sich auf dem Lettenberg einen selbst entworfenen Kubus baute und die neuen Freiheiten dort zu einem Aufbruch in neue Gefilde der Malerei nutzte.

Die Jubiläumsausstellung, die am 12. November um 11.30 Uhr eröffnet wird, zeigt die jüngsten Versuche des Künstlers über „Natur und Mensch“. Es sind Bilder, die von dem Ringen zeugen, weit hinter die gängige Oberfläche der Dinge vorzudringen.

Ebenfalls präsent sind die Künstlerin Doris Schilffahrth mit Arbeiten zu Theater und Ballett und Kurt Armbruster mit bildhauerischen Werken. Den musikalischen Akzent setzt Robert Sittny & Band, den kulinarischen Johannes Diem. Die Laudatio spricht MdB Dr. Georg Nüßlein.

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