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Winzer

02.03.2020

Landfrau Gabriele Strobel aus Winzer und ein besonderes Rezept

Landfrau Gabriele Strobel aus Winzer  präsentiert ihre Suppe.
Bild: Alina Heindl

Plus Gabriele Strobel macht Suppe und erzählt, was sich für Bäuerinnen in der Region verändert hat. Eine kleine Serie zum Landfrauentag.

In Gabriele Strobels Küche duftet es lecker nach deftigem Mittagessen. Auf einem Herd in der Küche steht ein Topf, in dem sie eine Suppe aufgesetzt hat. In Vorbereitung auf den Landfrauentag am 6. März kochen bis zu der Veranstaltung drei Landfrauen aus verschiedenen Teilen des Landkreises Günzburg für unsere Zeitung traditionelle regionale Rezepte und erzählen, was sich für sie in den vergangenen Jahren geändert hat. Den Anfang macht Gabriele Strobel in Winzer mit einer Vorspeise.

Sie bereitet eine Rindfleischbrühe mit Brandteigknödeln zu. Das Gericht kenne sie durch ihre Schwiegermutter. Die habe gesagt, dass gebackene Knödel in Suppe früher zu jedem Fest gehörten, erzählt sie. Das Rezept für den Teig hat Strobel aus einem schwäbischen Kochbuch, das sie von ihrer Oma kennt. Die musste den Teig dafür noch selbst schlagen. Der Brandteig sei aber schwer zu rühren und damit sehr mühsam per Hand zuzubereiten, erklärt die junge Mutter. Sie benutzt deshalb eine moderne Küchenmaschine. Anschließend backt sie die Knödel in kochendem Fett aus.

Während der Teig in der Fritteuse langsam goldbraun wird, wendet sie sich zur Brühe auf dem Herd. Der wird noch ganz klassisch mit Holz befeuert. Sie schöpft die Brühe aus dem großen Suppentopf, in dem ein großes Stück Fleisch und verschiedene Gemüsestücke schwimmen, in einen kleineren. Abgewogen hat sie die Zutaten nicht. „Ich hab’ halt einfach ein Stück Fleisch genommen, das wir noch in der Gefriertruhe hatten“, sagt sie lachend. Sie kocht oft nach Gefühl. Die älteren Bäuerinnen benutzten auch selten Rezepte, erklärt sie. „Früher kannten die Frauen die Rezepte aus dem Kopf, die haben das damals auch viel öfter gemacht.“ So eine Suppe gab den Landwirten Kraft.

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Zeit, die heute oft fehlt

Heute werde eine solche nicht mehr so oft gekocht. Eine Brühe aufzusetzen, brauche Zeit, die heute wegen der Berufstätigkeit fehle. „Früher hat die Mutter am Vormittag um zehn Uhr in der Küche gestanden, damit es um zwölf Uhr Mittagessen gibt“, sagt sie. Auch Strobel war neben der Landwirtschaft noch anderweitig berufstätig, bevor sie in Elternzeit ging. Vor einigen Jahren war die Situation in der Branche noch anders, erklärt sie. Die Bauern hätten damals angemessene Preise bekommen für die Produkte, die sie anboten.

Heute verdienten sie für Milch und Getreide nicht mehr das, was sie eigentlich Wert seien. Strobel hat den Eindruck, die Menschen sparten heutzutage vor allem am Essen. „Die Wertschätzung für Lebensmittel fehlt, weil alles zu jeder Zeit verfügbar ist“, beobachtet die Bäuerin. Sie selbst kaufe nur saisonale Produkte. Um auch im Winter eine gewisse Vielfalt zu haben, wecke und friere sie viel ein. Selbst Biolebensmittel seien ihrer Ansicht nach nicht immer ideal. „Eine Bio-Paprika aus Peru hat so eine hohe Schadstoffbilanz, bis die mal bei uns landet“, erklärt sie. Regionalität ist ihr wichtig. Bei den Eiern, die sie in ihrem Brandteig verwendet hat, weiß sie, von welchem Hof sie kommen. Das Fleisch in der Brühe stammt von ihren eigenen Rindern.

Den Rest friert sie ein

Die Suppe ist nun fertig. Strobel bietet sie dem ältesten Sohn an. Den Rest friert sie ein, für die Taufe ihres Kleinsten. Sie genieße es, mehr Zeit für die Kinder zu haben. Es sei aber trotzdem immer noch schwierig, Termine zum Beispiel in der Schule wahrzunehmen. Die seien oft dann, wenn sie und ihr Mann zum Melken im Stall arbeiteten. Früher gab es das Problem nicht. Da habe es auf dem Land mehr Bauernhöfe gegeben, deshalb sei mehr Rücksicht genommen worden und Abendveranstaltungen konnten mit den Stallzeiten koordiniert werden. Heute gingen viel mehr Leute Jobs mit anderen Arbeitszeiten nach, also seien solche Termine auf diese abgestimmt.

Unglücklich ist Strobel aber nicht und auch für ihre drei Kinder sei auf dem Hof immer etwas los. Und die können nun spätestens auf der Taufe des kleinsten Bruders eine leckere Suppe genießen.

Ausblick: Als Nächstes stellt eine Münsterhauser Landfrau ein Hauptgericht vor. Abschließend gibt es einen Nachtisch, gekocht von einer Bibertalerin.

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