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Agrarreform

01.07.2010

Landwirte proben Flucht nach vorne

Lebhaft wird derzeit über die für 2014 geplante Agrarreform innerhalb der Europäischen Union diskutiert. Falls dabei Mittel - etwa die Direktzahlungen für Landwirte - gekürzt oder gar gestrichen werden, fürchten nicht nur Matthias Letzing, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (links), sowie BBV-Bezirkspräsident und Kreisobmann Leonhard Keller um die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Foto: Bernhard Weizenegger
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Landwirte blicken mit Sorge ins Jahr 2014. Dann greift nämlich die neue Agrarpolitik der Europäischen Union. Bei geringeren Direktzahlungen durch die EU fürchten die heimischen Bauern nach 2013 um ihre Zukunft. Von Walter Kaiser

Die Landwirte blicken mit einiger Sorge dem Jahr 2014 entgegen. Dann greift nämlich die neue

Agrarpolitik

der

Europäischen Union

(

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EU

) - und damit eine mutmaßlich veränderte Finanzierungsstruktur. Die geplante

Agrarreform

wird denn auch Schwerpunktthema beim Deutschen Bauerntag sein, der am Donnerstag und Freitag in

Berlin

stattfindet und unter dem Motto "Arbeit mit Leidenschaft" steht.

Delegierter in Berlin

Einer von sieben schwäbischen Delegierten ist Leonhard Keller ( Bibertal), der schwäbische Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und BBV-Kreisobmann im Landkreis Günzburg.

Er und BBV-Kreisgeschäftsführer Matthias Letzing erläuterten im Gespräch mit der Günzburger Zeitung, welche Sorgen die (heimischen) Landwirte plagen. Sie sind - naturgemäß - vorwiegend finanzieller Natur.

Das Wort Subvention hat keinen guten Klang. "Dabei werden wir alle, nicht nur Landwirte, auf irgendeine Art und Weise subventioniert", erklärt Keller. Deshalb wolle der Bauernverband während der laufenden Diskussion um die künftige Agrarpolitik der EU auch offensiv mit diesem Thema umgehen.

Denn eine Kürzung oder gar Abschaffung etwa der EU-Direktzahlungen wäre für die deutschen Landwirte nahezu existenzgefährdend. Nach Angaben des Bauernverbandes beträgt das monatliche Einkommen eines bayerischen Landwirts etwa 1540 Euro - allerdings brutto. Rund 60, in schlechteren Erntejahren auch schon mal 80 Prozent dieses Einkommens machen die Flächenprämien als EU-Direktzahlung aus, heben Letzing und Keller hervor. Eine zweite Säule der Direktzahlungen ist neben der Flächenprämie das Kulturlandschaftsprogramm. Damit werden Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes, eine festgelegte Mäh- und Fruchtfolge oder die Landschaftspflege gefördert. Rund 1,8 Millionen Euro jährlich nehmen die noch rund 2000 aktiven Landwirte in den Kreisen Günzburg und Neu-Ulm über das Kulturlandschaftsprogramm ein, über die Flächenprämie sind es etwa 14 Millionen Euro.

"Wenn diese Gelder gekürzt werden oder gar wegfallen, weil sie zum Beispiel (Naturschutz-)Organisationen zur Verfügung gestellt oder innerhalb der Europäischen Union anders verteilt werden, kann man sich vorstellen, was dann bei uns los ist", erklärt Leonhard Keller. Das gelte auch für die bislang gewährten Ausgleichszahlungen für sogenannte "benachteiligte Gebiete".

Etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis Günzburg fallen in diese Kategorie. Bis 2014 will die Europäische Union neue, europaweit einheitliche Bewertungskriterien für die benachteiligten Gebiete umsetzen. Für den Landkreis Günzburg würde das nach derzeitigem Stand bedeuten, dass etwa 30 Prozent der Flächen aus der Förderung herausfallen, andere kämen möglicherweise hinzu, innerhalb der geförderten Landwirte würde es aber ebenfalls veränderte Fördersätze geben.

Unsinnige Ergebnisse

Zwischenzeitlich habe die EU allerdings gemerkt, dass ihr Bewertungskatalog zu völlig unsinnigen Ergebnissen führen würde. Der trockene und in vielfacher Hinsicht benachteiligte Süden Italiens etwa würde zugunsten der fruchtbaren und gemäßigten norditalienischen Poebene aus dem Programm herausfallen - für Letzing und Keller ein schlechter Witz.

Um auf ihre Sorgen und Probleme aufmerksam zu machen, verteilen die deutschen Bauernverbände Informationsbroschüren oder hängen Plakate auf. Von Walter Kaiser

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