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Kommentar

08.05.2020

Langenbachs Lebensleistung

Chefarzt, 48 Jahre im Stadtrat: Dr. Josef Langenbach hat das „öffentliche Leben“ in der Region geprägt. Und er konnte Entwicklungen einordnen - das ist auch mit Blick auf die Gegenwart eine bleibende Botschaft.

Die Stadträte halten Abstand, wie man das eben macht in diesen Coronazeiten. Die neun Räte, die aus dem Stadtrat verabschiedet werden, lassen sich auf der Treppe vor dem Krumbacher Stadtsaal fotografieren. Ganz hinten links steht Dr. Josef Langenbach. Seit 1972 gehörte er dem Krumbacher Stadtrat an. 48 Jahre. Allein wenn man diese Zahl sehr langsam ausspricht, spürt man, wie lange das ist. Andere würden in einem solchen Augenblick des Abschieds nach so vielen Jahren nach vorne drängen. Langenbach tut das nicht. Und es ist vielleicht auch diese besondere Geste, die symbolisch für sein Leben und eine Lebensleistung steht, die über den Tag hinaus Bestand haben wird.

Nur wenige Tage nach dem Fototermin auf der Stadtsaaltreppe, nach der Verabschiedung aus dem Krumbacher Stadtrat, ist der 85-jährige Dr. Josef Langenbach gestorben. Als Bürgermeister Hubert Fischer rückblickend die Lebensleistung von Langenbach würdigt, dann spricht er auch über diese Szene vor dem Stadtsaal und dann fallen immer wieder auch die Worte „Pflichterfüllung bis zum letzten Tag.“

In diesen Frühlingstagen richten sich die Blicke vieler wieder auf die Geschehnisse des Kriegsendes vor genau 75 Jahren. Es ist ein in diesen wechselvollen, durch die Corona-Krise geprägten Zeiten veränderter Blick. Und so mancher, der Krieg, Kriegsende und Nachkriegszeit erlebt hat, wird in einer sehr späten Lebensphase noch einmal von einer Weltkrise geradezu eingeholt. Auch dafür steht das Leben von Dr. Josef Langenbach. Sein Vater stirbt – an Lungentuberkulose – als Langenbach (geboren 1935 bei Freiburg am Kaiserstuhl) drei Jahre alt ist. Mit seiner Mutter zieht der junge Josef nach Augsburg, sie überleben im Februar 1944 den massiven Bombenangriff auf die Stadt.

Dann gestaltet Langenbach sein Leben mit einer geradezu eisernen Energie. Er wird Chefarzt in der Krumbacher Kreisklinik, er wird Stadtrat in Krumbach, 3. Bürgermeister, stellvertretender Landrat, viele verantwortungsvolle Positionen übernimmt er im Vereinsleben, seine ehrenamtliche Arbeit wird vielfach ausgezeichnet. Da ist das Gefühl, dass eine Aufzählung all dessen die wenigen Zeilen eines Kommentars schlichtweg sprengt.

Den Blick für den Wechsel der Zeiten nie verloren

Langenbachs Leben war geradezu fulminant. Doch dabei hat er den Blick auf den Wechsel der Zeiten – und die Fähigkeit der Einordnung – nie verloren. Man spürte das, als er beispielsweise über die hochumstrittene Gebietsreform des Jahres 1972, in der Krumbach seinen Status als Kreisstadt verlor, sprach. „Die Gebietsreform war eine bewegte Zeit. Aber es war glücklicherweise kein Krieg. Es war ein besseres Leben als damals im Februar 1944 in Augsburg.“

In einer „bewegten Zeit“ leben wir auch heute wieder. Langenbachs Worte erinnern uns daran, dass es bei allen Belastungen immer gut ist, die Dinge einzuordnen – und dann manches ganz einfach auch ein Stück weit gelassener zu sehen.

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