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Langenhaslach

24.01.2020

Langenhaslacher fährt mit dem Traktor quer durch Europa

Der Sitz des Europäischen Parlaments in Straßburg: Für Bernhard Weindl aus Langenhaslach war das ein Ziel seiner „Europareise“ mit dem Fendt.
Bild: Weindl

Plus Bernhard Weindl aus Langenhaslach liebt die langsame Art der Fortbewegung, vor allem mit seinem Fendt, Baujahr 1977. Er hat auf seinen Reisen einiges erlebt.

Bernhard Weindl pflegt eine ganz eigene Art des Reisens. In schöner Regelmäßigkeit macht er sich auf, um mit seinem Fendt Geräteträger die Welt zu erkunden. Er ist nicht sein einziges Fortbewegungsmittel, doch sein liebstes. „Ich wandere auch, habe einige Etappen des Jakobsweges gemacht, liebe Radtouren, reise mit Bus, Bahn und Auto und mache, was meiner Frau nicht so gefällt, Motorradtouren. Aber am beglückendsten sind meine Traktorreisen.“

Auch in diesem Sommer war er wieder mit seinem Traktor Baujahr 1977 unterwegs. „Mein Vater hat damals den Geräteträger gekauft. Er hat mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet und ist mir richtig ans Herz gewachsen.“ Sein Fendt, so scheint es, ist wie ein treuer Kamerad. Bernhard Weindl ist kein typischer Oldtimer-Bulldog-Fahrer. Er ist nicht der Schrauber, der Strecken bewältigt, die Herausforderungen für Mensch und Maschine sind. „Für mich ist die Reise mit dem Fendt eine entspannte Form der Entschleunigung, die ich der des Wanderns und des Radelns vorziehe.“

Beim Wandern sind nur kurze Strecken möglich

Beim Wandern, rechnet Weindl vor, kommt man nur kurze Strecken vorwärts, Spontanität ist nicht möglich. „Zu Fuß ist ein Umweg von zehn oder zwanzig Kilometern nicht machbar.“ Mit dem Fahrrad, wägt er ab, könnte man das schon leisten, aber beim Radeln achte man stets auf die Fahrbahn, muss Schlaglöcher und Verkehr im Auge behalten und sich konzentrieren. Das behagt ihm nicht so sehr. „Auf meinem Fendt tuckere ich mit 25 Kilometern in der Stunde dahin, ich kann fast alle Straßen und Wege nutzen und habe Muse die Umgebung zu genießen und kann über Vieles nachdenken.“

Das gleichmäßige Tuck-Tuck des Geräteträgers ist die Musik seiner Kindheit, die ihn auf seiner Reise begleitet. Man sei, meint Bernhard Weindl, ganz nah an der Natur, nicht in einer abgeschlossenen Kapsel, die einen weder die Temperatur noch die Gerüche einer Landschaft spüren lässt. Das Tempo ist genau so, dass er alles wahrnehmen kann: Pflanzen, Tiere und Geräusche. „Das geht zwar auch beim Laufen, aber da bleiben die Einflüsse über einen längeren Zeitraum die gleichen, es ist bei Weitem nicht so abwechslungsreich.“ Und überhaupt sei es, wie auch das Radeln, körperlich viel anstrengender.

Der Fendt, Baujahr 1977, von Bernhard Weindl aus Langenhaslach vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.
Bild: Bernhard Weindl

Das Schönste aber sind die Begegnungen mit Einheimischen. „Ich fahre nie mit Wohnanhänger und immer allein. So ist die Kontaktaufnahme sehr leicht. Wenn du mit dem Fendt Geräteträger in Frankreich auftauchst, dann bist du schon einmal ein Exot. Dieses Fahrzeug hat sich nämlich fast nur in Deutschland verkauft und ist im Ausland so gut wie unbekannt.“

Das zieht die Blicke auf sich und viele, die zunächst nur neugierig schauen, sprechen den seltsamen Reisenden an. „Egal ob in der Jugendherberge, einer Pension oder vor dem Europaparlament in Straßburg, es ist meist das Gleiche. Zuerst erstauntes oder verschämtes Schauen, dann die zögerliche Annäherung. Und schon ist man im Gespräch. Meist äußern sich die Leute erst einmal verwundert, halten einen ein bisschen für verrückt, aber dann kommt oft ganz schnell Begeisterung auf und man will sich mit mir und meinem seltsamen Fahrzeug fotografieren lassen,“ erzählt.

Er war in Trier und Nancy

Bernhard Weindl hat so schon viele Menschen getroffen, ihre Meinungen eingefangen und ihre Art des Reisens erlebt. Einsamkeit gibt es nicht, auch wenn er stets allein auf seinem Trecker unterwegs ist. Auf seiner jüngsten Fahrt, die ihn durch das Kraichgau entlang des Rheins und der Mosel nach Luxemburg, Nancy und Straßburg geführt hat, hatte er eine ganz besondere Begegnung. In der Weinregion bei Trier wird er von einem Weinbergtraktor überholt, der Fahrer stutzt, wendet und hält bei ihm an. Es ist ein Winzer aus dem nahe gelegenen Dorf. „Er hat das Kennzeichen gesehen und erkannt. Der Mann hat enge Beziehungen zu Krumbach und kennt dort mehr Leute als ich. Natürlich haben wir unsere Adressen ausgetauscht. Wäre ich mit dem Auto dort gestanden, hätte der Mann niemals Kontakt mit mir aufgenommen.“ Ein Bulldog bringt Menschen ins Gespräch.

Auch in den großen Städten ist der Bulldog eine Art Schlüssel zu den Herzen von Polizei und Wachposten. „Ich erfahre sehr viel Hilfsbereitschaft und Offenheit. Wenn ich anfrage, ob ich mein Fahrzeug auf einem exponierten Platz abstellen und ein Foto machen darf, erhalte ich immer die Erlaubnis. Egal ob vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg oder dem Europaparlament in Straßburg.“

Das Navi lenkte ihn in eine Fußgängerzone

Es habe sich schon einiges verändert ist den letzten Jahren. Früher, erinnert sich Bernhard Weindl, wäre er nie auf die Idee gekommen, beim Parken um Erlaubnis zu fragen, es gab auch nicht so viel Überwachung. Heute geht er auf Nummer sicher und fährt gut damit. Abschlägige Antworten bekommt er nicht. Er muss auch nur um Genehmigung bitten, wenn eigentlich Parkverbot herrscht. „Mein kleiner Fendt hat die gleichen Abmessungen wie ein moderner PKW. Ich kann ihn deshalb auf jedem üblichen Parkplatz abstellen. Das erleichtert das Fahren in Innenstädte gewaltig. Denn auch das beste und auf dem neuesten Stand befindliche Navi kann einmal versagen. „Ich habe mir eigens eines für Lkw angeschafft, da sind Durchfahrthöhen und Sperrungen gespeichert. Trotzdem hat es mich in Bernkastel in eine Fußgängerzone geführt, die ich nur über eine Einbahnstraße gegen die Fahrtrichtung wieder verlassen konnte. Da haben die Fußgänger ganz schön geguckt.“

Seine Fahrt ist für Bernhard Weindl stets Urlaub vom ersten Kilometer an. „Ich suche mir nicht irgendein Ziel aus und schaue, wie ich da möglichst bequem und schnell hinkomme. Wäre der Begriff nicht schon so abgeschmackt, würde ich sagen: Der Weg ist ein wesentlicher Teil des Zieles.“ Deshalb ist der Fendt auch nicht jedes Jahr im Großeinsatz. Kleine Touren zwischendurch ja, aber große Reisen brauchen ihre Vorbereitungszeit. „Erst wenn ich das Gefühl habe, eine Route ist stimmig, mache ich mich daran, die Reise im Detail zu planen. Diesmal wollte ich meine Fahrt unter den europäischen Aspekt stellen, wichtige Stätten der Europäischen Union besichtigen und meine Brüder treffen,“ erzählt er. Nach und nach habe sich daraus die Reiseroute ergeben, die er vor Ort dann etwas variiert habe. Das Kraichgau und die Flüsse standen fest, es kam das Buddha-Museum dazu, Trier mit der gotischen Hallenkirche.

In Luxemburg, wo er zwischen all den Bankern und EU-Leuten in ihren glänzenden Karossen ziemlich auffiel, hat er seinen ersten Zielpunkt erreicht. Den Europäischen Gerichtshof mit seinen drei Türmen und dem Fendt im Vordergrund zu fotografieren, habe keine Probleme gemacht. „In Luxemburg wurde ich mir bewusst, dass ich mich nicht weit von Edelstettens Partnergemeinde befand. Kurz entschlossen machte ich einen Schlenker nach Vigneulles, das zwischen Verdun und Metz liegt und als Deutsch-Französischen-Freundschaftsprogramms ja auch ein Teil des europäischen Geistes ist. In Vigneulles habe ich keine Menschenseele getroffen, aber schließlich doch das Straßenschild gefunden: Rue Edelstetten“, berichtet Weindl weiter.

Mit dem Fendt durch den Schwarzwald

Über Nancy ging es nach Straßburg und damit der zweiten wichtigen europäischen Stätte auf seiner Fahrt. Die Anreise durch die Vogesen hat den Fendt und den Fahrer vor unerwartete Herausforderungen gestellt. „Aber wir haben sie gemeistert und konnten nach diesen Bergetappen die Schwarzwaldquerung ganz lässig angehen. In einem einzigen Tag haben wir zwei den Weg zurück nach Langenhaslach geschafft. 265 Kilometer sind es mit einem geländegängigen Fendt Geräteträger nur, die wir in lockeren elf Stunden absolviert haben,“ sagt er. Nach acht Tagen und insgesamt 1200 Kilometern kam Bernhard Weindl mit seinem Traktorkameraden wieder zuhause an.


Mehr zu den Reisen von Bernhard Weindl:

Der Fendt fährt mit Polizeieskorte


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