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Evangelische Ansichten

16.03.2015

Leben ist mehr als er-leben

Pfarrer Ulrich Funk über Selfies und das ewige Erinnern

Was heißt es zu leben? Die Antwort auf die Frage mag so unterschiedlich sein, wie Menschen verschieden sind. Dennoch gibt es zu allen Zeiten auch gewisse Linien, denen Menschen folgen, bewusst oder unbewusst. Zurzeit, so kommt es mir vor, heißt diese Linie etwa: Leben heißt erleben, und zwar möglichst viel. Und von dem Vielen dann wiederum das Meiste per „selfie“, also einem selbst gemachten Bild von sich selbst über die sogenannten sozialen Netzwerke ( Facebook und andere) unter interessierte „Freundinnen/Freunde“ zu bringen.

In erster Linie um den anderen

Je mehr ich erlebe, desto mehr lebe ich. Nur: Ist das wirklich so? Von Jesus wurde und wird erzählt, dass er die Linie anders sieht. Bei ihm ging und geht es zuerst nicht um mich und mein Leben, sondern um den anderen oder die andere. Wer ihnen Leben gibt, lebt wirklich. Ich lebe, wenn ich Leben gebe. Vielleicht auch, wenn ich an das Leben anderer erinnere.

Vom großen und ewigen Erinnern erzählt das Museum Yad Vashem in Jerusalem, zu Deutsch: Denkmal und Name. 1953 wurde es gegründet und vor zehn Jahren der Neubau eingeweiht. Offiziell heißt es „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“.

Damit folgt es einer Aufforderung des biblischen Propheten Jesaja (56,5) wo es heißt: „Ihnen allen will ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben … einen ewigen Namen, der nicht vergehen soll.“ Zu den Namen der Gemordeten kommen auch eine Allee und ein Garten für „Gerechte unter den Völkern“. Das sind nicht-jüdische Menschen und Organisationen, die Juden retteten. Leben ist auch, sich an das Leben und die Schicksale anderer zu erinnern und der Erinnerung auf besondere Weise zu dienen.

Leben ist mehr und oft anders als nur erleben. Es gibt heute eine gewisse Erlebnissehnsucht, als verpasse man das Leben, wenn man vieles nicht erlebt. Um auf Jesus zurückzukommen: Er widersteht dem mit einem seiner schwierigen Sätze: „Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.“

Gar nicht schmerzhaft gemeint

Der Satz tut weh, das stimmt; er ist aber gar nicht schmerzhaft gemeint. Er sagt: Erlebe weniger dich oder etwas, sondern erlebe die anderen. Sieh, wie sie leben und frage dich, ob du ihnen vielleicht beistehen kannst. Dann öffnet sich dir ein Leben, das seinen Namen verdient. Meint

Ulrich Funk,

Pfarrer in Krumbach

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