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Krumbach

15.01.2019

Lustvolle Kooperation von Wort und Musik bei Konzert im Schloss

Beim Konzert an der Fachakademie demonstrierten (von links) Gabriele Fischer-Berlinger, Frank Iacono, Alexandra Jörg, Oliver Radke und Florian L. Arnold ein perfektes Zusammenspiel. 

Wie sechs Künstler die „Goldenen 20-er“ im Krumbacher Schloss mitreißend wiederbeleben.

Zwei blonde Frauen auf der Bühne warnen stimmgewaltig vor ihresgleichen, also vor blonden Frauen. Idee und Programm des ersten Konzerts von Alexandra Jörg versprachen Unterhaltung, spritzig-witziges Amüsement und entsprechend groß war das Publikumsinteresse in der Aula des Krumbacher Schlosses, die ausverkauft war.

Es wurde ein rauschender Abend, der all das mühelos beiseite fegte, was oft der Unterhaltungsmusik, insbesondere dem Schlager, angekreidet wird. Hier war nichts einfallslos, platt oder kitschig. Hier wurden nicht Vorurteile und Klischees bedient. Nein, dieses Konzert entfaltete sein Funkeln und Glänzen schon mit den ersten Takten. Die kamen von den drei Akteuren, die eher im Hintergrund blieben. Das perfekt Swingende, das Masako Sakai am Piano, Frank Iacono am Schlagwerk und Oliver Radke am Bass so präzise, so leicht und wohlklingend inszenierten, das blieb von den ersten Takten bis zum Finale das tragende musikalische Fundament.

Wer Lust hatte, einmal ein paar Takte das wunderbare Spektakel zu verlassen und sich allein auf die Fingerfertigkeit der Pianistin, das rhythmische Gespür des sensiblen Schlagzeugers oder den federnden Bass zu konzentrieren, der hatte Grund zu freudigem Staunen über das künstlerische Potenzial des „Begleitpersonals“. Aber natürlich zogen die beiden blonden Frauen das Gros der Aufmerksamkeit auf sich. Sie verfügten dazu über eine ungeheure Bandbreite an verrückten Themen, die Klischees wie am Fließband satirisch torpedierten, beispielsweise das Lamento der Frauen, sie hätten nichts anzuziehen. Das Absurde und Skurrile durfte sich austoben und sogar der Zynismus, zum Taubenvergiften in den Park zu gehen, bekam seine unernste Chance.

Charme und Eleganz des französischen Chansons

Zwischendurch ließ Gabriele Fischer-Berlinger ihr Talent, das französische Chanson mit Charme und Eleganz vorzutragen, aufblitzen. Dann konterte Alexandra Jörg mit einer zupackenden Attacke, am heftigsten beim strudelnden, polternden, sich förmlich überschlagenden „Stroganoff“. Diese beiden kraftvollen, farbigen, mal glänzenden, mal rauchigen Stimmen vereint, garniert mit ausgetüftelter Choreografie und einem guten Text: Der „Neandertaler“, das Loblied auf den noch ursprünglichen, von keinen Wehwehchen und Problemchen geplagten Mann, war demgemäß einer der Höhepunkte des Abends, den sich die Künstler nicht von ungefähr auch als erste Zugabe ausgesucht hatten.

Die vielen Themen des Konzertes zu bündeln, war Aufgabe des Moderators. Florian L. Arnold begnügte sich nicht mit der Rolle des Überleitens. In der Art eines Loriot oder Max Rabe pointierte er die Themen so stark, dass dem Ernst die Luft zu dünn wurde.

Dass das Publikum mit einer Fülle von Lachanreizen auf das Lockere und Abgründige der Texte eingestimmt wurde, das steigerte die Kooperation von Wort und Klang und setzte der niveauvollen Unterhaltung die Krone auf.(hli)

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