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Maria Vesperbild: Glaube als Naturerlebnis

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Kommentar Von Peter Bauer
16.08.2019

Die theologische Ausrichtung des Wallfahrtsortes ist umstritten und es kommen weniger hochprominente Geistliche. Warum die Anziehungskraft von Vesperbild aber nach wie vor stark ist.

Wörner, Losinger, Zdarsa. Vor einigen Jahren waren es Gänswein, Marx oder auch Meisner. Allein der Blick auf diese Namen deutet an, dass bei der Ausrichtung der Großveranstaltung im Wallfahrtsort Maria Vesperbild am Himmelfahrtstag (15. August) eine neue Ausrichtung unverkennbar ist. Hochprominente Geistliche, mitunter immer wieder aus dem katholischen Zentrum Rom: Das war in Zeiten des Wallfahrtsdirektors Wilhelm Imkamp (1988 bis 2017 in Maria Vesperbild) gewissermaßen eine Konstante.

Der festlich geschmückte Blumenteppich ist jährlich am Himmelfahrtstag in Maria Vesperbild zu sehen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der neue Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart (seit Anfang 2018 im Amt) hat nicht ausgeschlossen, dass in Maria Vesperbild wieder sehr prominente Geistliche zu sehen sind. Aber unverkennbar ist auch, dass er darauf nicht den entscheidenden Akzent legt. Reichart hat zuletzt mit Bischof Zdarsa und den Weihbischöfen Losinger und Wörner vor allem bekannte Geistliche aus der Region eingeladen. Im vergangenen Jahr war es an Mariä Himmelfahrt Karl Wallner aus Österreich. Bekannt als langjähriger Leiter der Philosophisch-Theologischen Hochschule von Heiligenkreuz, aber kein Bischof. Jetzt war es Weihbischof Wörner, der mit seinem eloquenten Auftritt viele Besucher durchaus beeindruckt hat.

Geistreiche und schillernde Auftritte

Imkamp, der heute bekanntlich auf Schloss St. Emmeram (dem Schloss von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis) lebt, hat Maria Vesperbild durch seine gleichermaßen geistreichen, aber auch schillernden und umstrittenen Auftritte (unter anderem in diversen Talkrunden) über die Region hinaus bekannt gemacht.

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Weihbischof Wörner zelebrierte in Maria Vesperbild das Pontifikalamt.

Dem bescheidenen, aus dem Allgäu stammenden Reichart ist diese Welt völlig fremd. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Reichart und sein Vorgänger Imkamp in ihrer theologischen Ausrichtung, die von den Menschen oft als „konservativ“ umschrieben wird, sehr nah beieinander liegen. Veranstaltungen wie jüngst eine Diskussion mit dem „Initiativkreis katholischer Priester und Laien in der Diözese“, bei der ein klares Nein zu „Priesterinnen in der katholischen Kirche“ formuliert wurde, sind in der Öffentlichkeit heftig diskutiert worden und dabei gab es auch reichlich Kritik an Reichart und der Ausrichtung des Wallfahrtsortes.

Relativ großer Andrang trotz unsicherer Wetterlage

Doch die Anziehungskraft von Maria Vesperbild scheint, zumindest was den Himmelfahrtstag betrifft, ungebrochen. Die Besucherzahlen lassen sich nie genau abschätzen, doch unverkennbar war, dass am Himmelfahrtstag 2019 trotz der unsicheren Wetterlage der Andrang groß war. Und dabei ist es wohl auch die besondere Atmosphäre von Maria Vesperbild und seiner Umgebung, die Reichart einmal als „Dom der Natur“ umschrieben hat, die viele anzieht. Der Glaube als Naturerlebnis: Tatsächlich hat dies die Menschen über alle theologischen Zwistigkeiten hinweg immer wieder zusammenfinden lassen.

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