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Krumbach

25.03.2015

Mehr als nur ein Schaufenster der Talente

Ein Finale, das Körper und Geist belebte: Das Rock-Pop-Jazz-Ensemble der Berufsfachschule für Musik Krumbach brachte am Ende von "Bühne auf" den Stadtsaal zum Vibrieren.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Die Berufsfachschule für Musik in Krumbach zeigte bei ihrem Konzert "Bühne frei" einen imposanten Querschnitt ihres Ausbildungsangebots.

Weil es auf den Anfang ankommt, schufen Opernkomponisten ihre Ouvertüren. Die Eröffnung des „Barbier von Sevilla“ hatten die Macher von „Bühne frei“ an den Beginn gesetzt.

Welch ein Leitstern für das beliebte Frühjahrskonzert der Berufsfachschule für Musik! Rossinis Barbier strotzt vor Selbstbewusstsein, ist vorwärtsdrängend und verwegen, listig und schlau, jeder Situation, und sei sie aussichtslos, gewachsen.

Sänger schenkt den Frauen im Publikum Rosen

Fünf Saxofonisten stellten sich der Aufgabe, dem Barbier musikalisch Gestalt und Statur zu verleihen und meisterten mit Bravour den Schwung, den Witz und die Klangfarben dieses Werks. Vielschichtig und verwegen, bunt und turbulent also sollte es an diesem Abend im Stadtsaal zugehen. Das jedenfalls hatte die Ouvertüre angekündigt.

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Sopranistin Sarah Waßmer musste stimmlich gleich zwei Gefühlslagen verkörpern: Depression und rasende Wut. Händels „Piangero la sorte mia“ verlangt den völligen Umschwung in einer Arie. Mit klarer, wohltimbrierter Stimme interpretierte Sarah Waßmer den elegischen Teil, um dann in der Wucht kaskadenartiger Koloraturen Kleopatras Rachegelüste zu vergegenwärtigen.

Als schönes Verwirrspiel präsentierte Kevin Prinz Mozarts Arie „Voi che sapete“. Als wäre die Lage in „Figaros Hochzeit“ nicht schon komplex genug: Dort singt eine Frau in einer Männerrolle ein Lob auf die weisen Frauen. Bei seinem Auftritt im Stadtsaal hatte Kevin Prinz zwar zu Recht die Hosen an, wagte sich aber als Altus in das Frauenregister. Welch eine Anmut in diesem Gesang, unterstützt vom Ausflug des Sängers ins Publikum, wo er den Damen weiße Rosen schenkte.

Zurück auf der Bühne, zog er eine rote Rose aus dem Ärmel und legte sie seiner Klavierbegleiterin, Helena Kovacova, auf die Tasten. Die schien so verwirrt, dass der Sänger den Schlussakkord selbst setzte.

Das Finale gehörte dem Rock-Pop-Jazz-Ensemble

Ernst und Heiterkeit wechselten sich ein weiteres Mal für den Rest des ersten Teils ab. Geigerin Adriana Ostertag schenkte den Hörern die Melodienseligkeit des Kopfsatzes von Mendelssohns Violinkonzert und bewies in der großen Kadenz brillante technische Fertigkeiten. So beweglich wie Forellen im klaren Wasser behandelten Anne Wegele, Anna Krön und Daniela Denk Flöten-Variationen zu Franz Schuberts Forellen-Melodie. Pulverisierte Forellen galten einst als Ohrenheilmittel. Sich die Ohren von diesen Forellen-Ragtimes oder Tangos reinigen zu lassen, sei unvergleichlich besser, kommentierte Gerhard Abe-Graf. Er führte launig und souverän durchs Programm und setzte hier wohl seine geistreichste Pointe.

Den Chor von der Empore singen zu lassen, den Dirigenten mitten im Publikum, das war eine herrliche Idee der Regie, vermittelte sie doch dem Publikum über die Expressivität des Chorleiters eine außerordentlich intensive Beziehung zur geistlichen Vokalmusik von Rheinberger, Nystedt und Pärt.

Das Finale gehörte dem Rock-Pop-Jazz-Ensemble. Allein die Anordnung, in der Mitte das Sax, flankiert von der Percussion, dann die Gitarren und ganz außen jeweils ein Piano, sprach Bände über diese Musik. Ein vibrierendes Zentrum, in die Zange genommen von den Flankenläufen der Saiten- und Tastenkünstler, das packt das Publikum auf unwiderstehlich elementare Weise.

Dazwischengeschoben Gershwins „Oh, Lady be good“. Dieser Komponist hätte, wie Abe-Graf treffend bemerkte, ein Problem gehabt zu entscheiden, ob er an der Berufsfachschule „Klassik“ oder „Pop-Rock-Jazz“ studieren sollte.

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