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Vortrag

19.11.2019

„Mein Jakobsweg“ beim Kulturereignis in der Gärtnerei

Charly Selig
Bild: Rupert Strobl

Charly Selig wanderte im Jahr 2013 nach Santiago de Compostela und erzählte davon in Krumbach

„In Kap Finisterre nach 2623 km Fußwanderung angekommen war ich traurig. Ich wäre noch gerne weiter gewandert.“ So formulierte Charly Selig seine Gefühle am Ende des Vortrages seiner viermonatigen Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Bernd Liebl hatte zum „Kulturereignis in der Gärtnerei“ an diesem Abend eingeladen und viele Gäste waren gekommen. Er bat in seiner Begrüßung die Besucher um großzügige Spenden für das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach.

Dann kam Selig in seiner Pilgermontur mit Strohhut, Rucksack und Wanderstecken anmarschiert. Nur mit den wichtigsten Utensilien im Gepäck, dessen Inhalt er sehr humorvoll erläuterte, ist er im Mai 2013 am Jakobstor in Loppenhausen losgepilgert. „Ich hatte kein religiöses Motiv. Was mich antrieb, einfach mal tun, was ich gerne will“, so seine Worte. Auf seiner ersten Etappe über Babenhausen und Wiggens-bach zum Bodensee wurde er von drei Frauen seines Heimatortes begleitet. Die Fotos der Bilderpräsentation zeigten die Allgäuer Landschaft mit Löwenzahnwiesen und Bergen. Selig verstand es in seiner schwäbischen Art, die Erlebnisse sehr hintersinnig und kurzweilig zu kommentieren.

„Nun, alleine mit meinen Gedanken, betrat ich in Rorschach Schweizer Boden, ein teures Pflaster“, wie sich Selig ausdrückte. Der Jakobsweg, mit der Muschel mar-kiert, führte weiter nach Rapperswil am Zürichsee und über Einsiedeln an den Vierwaldstätter See. Neben schönen Blumenwiesen mussten auch schwierige Wege, die Trittsicherheit voraussetzten, überwunden werden. Sogar von einem Schneesturm wurde er überrascht, wo dann Socken als Handschuhe ihren Dienst leisten mussten. Die Flüeli-Ranft in Sachseln, der Thuner und Brienzer See lagen auf der weiteren Etappe zum Genfer See, bevor er die Grenze nach Frankreich überschritt.

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Bei den farbenprächtigen Bildern von gelbem Ginster, Blumen und Weinbergen waren es immer wieder Aufnahmen von Kapellen, verlassenen Klöstern und Kreuzen, die seinen weiteren Weg begleiteten. Nicht so überraschend dann Seligs Aussage: „Beeindruckt von der wunderbaren Schöpfung fing ich wieder an zu beten.“ Wegen eines gebrochenen Zahnes wollte er die Pilgertour vorzeitig beenden, hätte da nicht ein französischer Burgbesitzer bei Seyssel im Rhonetal seine Hilfe angeboten. Selig fuhr mit dem Zug nach Hause und konnte nach einer Woche und mit einer neuen Zahnkrone seine Tour wieder fortsetzen. Beim Weg von Osten nach Westen ging es rauf und runter, gesäumt von schlichten Kirchen, Steinmännchen, Schäferhütten und Häusern mit romantischen Fenstern. Sogar am Ort Charly kam er auf dem Weg nach Le Puy-en-Velay vorbei. Selig erzählte viele Anekdoten über seine zahlreichen Begegnungen auf den Wegetappen, sei es ein vorbeikommender Pilger mit Esel oder war es das intensive Kennenlernen von Pilgerinnen aus allen möglichen Ländern, die bleibende Eindrücke hinterlassen haben. Über die Orte Conques, Cahors und Condom erreichte er St. Jean-Pied-de-Port, den Endpunkt in Frankreich.

In Spanien wählte Selig den Weg entlang des Atlantiks, den Camino del Norte. Auch auf dieser Route mit den Küstenstädten Bilbao, Santander und Oviedo vermittelte er mit seinen Bildern originelle Eindrücke über die Landschaft und seine Bewohner. Von Oviedo waren dann noch 300 Kilometer auf dem topografisch anspruchsvollen Camino Primitivo nach Santiago de Compostela zurückzulegen. Aber weil Selig kurz vor dem Ziel die Wehmut über das Ende seiner Reise erfasste, wanderte er noch die 60 Kilometer bis zum Kap Finisterre. Von Porto ging es mit dem Flugzeug nach Memmingen und dann zu Fuß nach Loppenhausen, wo er begeistert empfangen wurde.

Charly Selig erhielt für seinen Vortrag großen Beifall. Er wurde von Bernd Liebl mit einem fahrbaren Rucksack und dem Auftritt seiner Schmidde Musikanten über-rascht. Bei der Veranstaltung kam ein Betrag von 2000 Euro zusammen, dieser wird an das Kinderhospiz in Bad Grönenbach gespendet. Auf Anfrage unter nachstehender Adresse ist Selig gern bereit, seinen Vortrag wieder zu halten. Spenden kommen dem Kinderhospiz St. Nikolaus Bad Grönenbach zugute: Karl Selig, Fichtenweg 2, 87739 Loppenhausen, Telefon: 08263/777, E-Mail: karl.selig@web.de (stor)

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