1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Mihaly More: „Ob jung oder alt, das ist mir egal“

Handball

13.09.2019

Mihaly More: „Ob jung oder alt, das ist mir egal“

Mihaly More und sein Arbeitsgerät: Auf der Taktiktafel zeigt er eine 6:0-Abwehrformation, wie er sie in der Vorbereitung mit dem TSV Niederraunau trainiert hat.
Bild: Alexander Sing

Der TSV Niederraunau startet in die neue Landesliga-Saison. Es wird die Premiere für Trainer Mihaly More. Warum er das Handball-Team besser aufgestellt sieht als in der Vorsaison und warum die Runde trotzdem schwierig wird.

Als im Februar die Anfrage vom TSV Niederraunau kam, was haben Sie da als erstes gedacht?

Ich habe mich gefreut, dass sie an mich gedacht haben. Mein Sohn David hat letzte Saison schon bei Raunau in der B-Jugend gespielt, in der Bayernliga. Von daher habe ich die Vereinsstruktur schon gekannt.

Gute Mischung aus Jugend und Routine

Und hat sich dieser positive Eindruck im Lauf der Vorbereitung auf die neue Saison bestätigt?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ja. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern beziehungsweise Eigengewächsen aus dem Verein heraus. Denn die bleiben meistens und man kann langfristig mit ihnen planen. Und das ist hier so, die jungen Leute geben richtig Gas. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen, ein bisschen älteren Spielern und guten Spielern. Auch eine gute A-Jugend ist da, eine sehr gute B-Jugend. Ich habe auch ein gutes Team. Mit Sylvie Harlander haben wir eine tolle Torwarttrainerin, 70-fache Nationalspielerin und nicht nur fachlich ein Schmuckstück. Und mit Daniela Schiefele haben wir eine super Physiotherapeutin. So eine Unterstützung hat man selten in der Landesliga.

Auf die eigenen Spieler zu setzen, das ist ja bei Raunau auch ein Stück weit nötig, weil sie schwer an externe Spieler rankommen, oder?

Ich glaube, der Verein wäre schon attraktiv. Die Möglichkeiten sind sehr gut, es ist eine große Halle da, in der man auch harzen darf. Es gibt eine gute medizinische Abteilung, gute Trainer in allen Bereichen. Aber Raunau arbeitet so gut im Jugendbereich, dass sie wenig darauf angewiesen sind, externe Spieler zu holen.

17er-Kader mit drei Torhütern

Ihr Vorgänger Udo Mesch hatte letzte Saison personelle Probleme und hätte den einen oder anderen Spieler mehr gut brauchen können. Diese Schwierigkeiten und der große Aufwand mit weiten Fahrten haben dazu geführt, dass er seinen Vertrag nicht verlängert hat. Können Sie das nachvollziehen?

Ich kann nachvollziehen, dass er dann irgendwann gesagt hat: Jetzt brauche ich mal eine Pause. Ich habe Glück, bei mir sind jetzt drei A-Jugendspieler in der Mannschaft und mit Johannes Rosenberger noch ein Rückkehrer aus Günzburg. Ich habe einen 17er-Kader mit drei Torhütern, das hat es letztes Jahr nicht gegeben. Da waren diese jungen Spieler noch zu jung.

Das heißt, Sie können entspannt in die neue Saison gehen?

Wie gesagt, es sind einige Junge dabei. Wie sie dann in der Landesliga ihre Leistung abrufen können, wie sie ins Team reinwachsen – das kann man schwer einschätzen. Ob unser Kader breit genug aufgestellt ist oder ob wir die jungen Leute noch ein wenig pflegen und aufbauen müssen, das werden wir sehen. Ich bin ein Typ, der solchen Spielern gleich von Anfang an die Möglichkeit gibt, Vollgas zu geben. Ob jung oder alt, das ist mir egal.

Wo lagen die Schwerpunkte in der Vorbereitung?

Wir hatten mehrere Schwerpunkte. Zum einen haben wir eine 6:0-Abwehrformation trainiert, so wie ich sie mir vorstelle. An der zweiten Welle im Angriff haben wir intensiv gearbeitet. Und wir haben versucht, die individuellen Stärken der Spieler noch besser zu fördern, damit sie in den richtigen Momenten auf dem Feld die richtigen Entscheidungen treffen.

Und wie lief es in den Testspielen?

Die Leistungen waren schwankend. Es gab Phasen, da sage ich: Eine Bayernliga-Mannschaft hat da gar keinen Auftrag. So war es zum Beispiel gegen Friedberg, zumindest in der Halbzeit. Und dann, eine Woche später, zeigen wir eine Abwehrleistung, mit der Bezirksoberliga-Mannschaften uns schlagen würden. Diese Schwankungen müssen wir verkleinern, dann ist die Abwehr schon gut landesliga-tauglich.

Ich liege dann wohl nicht falsch, wenn ich behaupte: Ziel ist der Klassenerhalt. Wenn das klappt, sehen wir weiter.

Ich habe auf der Herfahrt schon überlegt. Die Frage kommt immer. Also an den Aufstieg denken wir nicht. In der Landesliga ist es so: Ottobeuren hat sich gut verstärkt, Herrsching hat sich gut verstärkt. Haunstetten, so hört man, hätte nicht absteigen dürfen. Die werden um den Aufstieg spielen. Aber darunter kannst du keine Prognose abgeben. Es gibt drei Absteiger aus der Bayernliga, mit Unterpfaffenhofen auch einen starken Aufsteiger. Wir werden uns weiter unten einsortieren müssen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass fünf bis sechs Mannschaften am vorletzten Spieltag noch absteigen können.

Und je länger man gegen den Abstieg spielt, desto mehr wird das Ganze ja auch zur Kopfsache. Das könnte vor allem für die jüngeren Raunauer Spieler schwierig werden.

Oder auch nicht. Kommt darauf an, wie sehr du dich mit dem Thema beschäftigst, wie du mit dem Druck umgehst. Das hängt vom einzelnen Charakter ab. Woran wir in der Vorbereitung auch gearbeitet haben, ist, dass wir für jede Position zwei Leute aufgebaut haben. Wir hängen nicht ab von einem oder zwei Leistungsträgern. Ich denke, wir können dadurch Ausfälle besser kompensieren und ich hoffe, dass uns das im Saisonverlauf auch hilft.

"Und plötzlich hast du keine A-Jugend mehr"

Man sagt ja, dass gerade die Raunauer B-Jugend sehr stark ist. Kommt da also die nächsten Jahre an Spielermaterial noch was für die Herren?

Das sind Top-Handballer, die wirklich gute Trainer haben. Aber man muss auch sehen: Das sind fast noch Kinder. Die Qualität ist vorhanden, aber wie die jungen Leute dann dranbleiben, das ergibt sich später. Wir haben in Ungarn immer gesagt: Du hast 50 Kinder in der C-Jugend, 30 in der B-Jugend und plötzlich hast du keine A-Jugend mehr. Das sieht man auch in Deutschland immer wieder. Sie gehen studieren, dann kommen die Mädels und die Parties. Aber wenn man sich umhört, dann gilt Raunau als absolut leistungsorientiert. Das ist beeindruckend, was in so einem kleinen Ort passiert. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

Interview: Alexander Sing

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren