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Thannhausen

24.01.2018

Mit Holzschwert und Jogginghose

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6 Bilder
Gemeinsam mit den anderen Kampfschülern übt unser Autor (rechts) mit dem Holzschwert verschiedene Formen. Das erfordert einiges an Konzentration.
Bild: Ernst Mayer

In Thannhausen wird die koreanische Schwertkampfkunst Haidong Gumdo gelehrt. Unser Autor hat den hierzulande kaum bekannten Sport ausprobiert und dabei gelernt, dass aus ihm wohl kein großer Krieger mehr werden wird.

„Han, Dul, Set, Net, Dseot, Yeosot, Ilgop, Yeodol, Ahop, Yeol.“ So hallt es an diesem Abend durch die Turnhalle an der Thannhauser Realschule. Natürlich habe ich keine Ahnung, was das bedeutet. Erst später lese ich im Netz nach, dass Trainer Werner Schmidt schlicht auf Koreanisch bis zehn gezählt hat. Während Schmidt also seine Koreanisch-Künste unter Beweis stellt, dehnen fünf Sportler in schwarzen Roben, Dobok genannt, gewissenhaft Arme und Beine. Mittendrin stehe ich mit meiner schlabberigen Jogginghose und kämpfe darum, mir meine fehlende Kondition nicht anmerken zu lassen. Eine Übung nach der anderen macht Werner Schmidt vor, wir turnen sie nach. „Han, Dul, Set, Net, Dseot, Yeosot, Ilgop, Yeodol, Ahop, Yeol.“ Wo bleiben denn die Schwerter?

Schließlich bin ich mit dem Vorsatz nach Thannhausen gekommen, die koreanische Schwertkampfkunst Haidong Gumdo zu erlernen. Seit vier Jahren bietet die TSG Thannhausen diesen exotischen Sport an, der mich spontan an asiatische Actionfilme denken lässt. Doch wer sofort lernen will, zu kämpfen wie ein Samurang-Krieger im alten Korea, der ist bei Werner Schmidt an der falschen Adresse.

Wie so viele Großmeister asiatischer Kampfsportarten strahlt der 50-Jährige stets Gelassenheit aus. Er spricht ruhig und freundlich, aber bestimmt. Das passiert wohl, wenn man sich mit der Philosophie dieser Kampfsportarten – Schmidt betreibt auch Taekwondo – auseinandersetzt. Der Sport, sagt Schmidt, soll Körper und Geist trainieren, Disziplin und Respekt werden groß geschrieben. Es gehe nicht darum, den Gegner zu besiegen. Ziel ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Deshalb lautet die erste Lektion: Schon beim Betreten des „Dojang“, in diesem Fall der Turnhalle, verbeugen wir uns. Es werden viele weitere Verbeugungen folgen. „Mit dieser Geste lassen wir alles Belastende draußen. Der Kopf soll frei sein“, erklärt Werner Schmidt.

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Dann bekomme ich ein schlichtes Holzschwert überreicht, das sogenannte Mokgum. Im Internet ist es schon ab 30 Euro zu bekommen. Es ist etwa einen Meter lang und besteht aus Eichenholz. Wir stellen uns in einer Reihe auf, Werner Schmidt zeigt einfache Übungen und wir machen sie nach. Den sogenannten Formenlauf gibt es in vielen Kampfsportarten. Ich lasse das Schwert durch die Luft sausen. Angriff. Verteidigung. Und zurück mit dem Schwert in die imaginäre Scheide. Meine Bewegungen sind ziemlich unkoordiniert. Kopf, Körper und Schwert sollen eine Einheit sein, werde ich gelehrt. Bei mir macht eher jeder Teil, was er will. Dass nach dem fünften Durchlauf das Schwert in meiner Hand immer schwerer wird, macht es nicht besser.

Also weiter zur nächsten Station, dem Paper Cut. Schmidts Tochter Franziska hat an einer Schnur Zeitungsseiten aufgehängt. Das Papier sei zum Zerschneiden besonders gut geeignet, lerne ich. Wozu unsere Zeitung so alles gut sein kann. Die 16-Jährige geht in Stellung, atmet tief durch. Dann – zack – ein sauberer Schnitt durch die Mitte, von links nach rechts. Schnelligkeit und Konzentration, darauf kommt es an. Wie soll ich das mit einem stumpfen Holzschwert hinbekommen? Doch der Versuch ist überraschend passabel. Etwas schief und ausgefranst ist mein Schnitt. Trotzdem bekomme ich Lob vom Meister. Bei einem Wettbewerb würde ich 16 von 20 Punkten bekommen, sagt er.

Rund zehn Schüler hat Werner Schmidt derzeit in Thannhausen. Demnächst wird das Angebot ausgeweitet, ein Fortgeschrittenen-Kurs in Neuburg und ein weiterer Anfänger-Kurs in Thannhausen starten bald. Noch ist der Sport eine absolute Nische, schließlich kam er erst vor gut zehn Jahren nach Deutschland. Weltweit trainieren nach Verbandsangaben über eine Million Menschen in knapp 600 Schulen Haidong Gumdo, die meisten davon im Mutterland Korea, wo es als Mix verschiedener, über Jahrhunderte entwickelter Schwertkampfkünste in den 1960er Jahren entstanden ist. Schmidt selbst betreibt Haidong Gumdo seit acht Jahren, seine Schule ist eine von fünf in Bayern. Bereits während seines Studiums kam der Programmierer mit Kampfsport in Kontakt. Heute kann er auf mehrere Weltmeister-Titel verweisen.

Davon bin ich natürlich weit entfernt. Die nächste Disziplin: Einen auf mich zufliegenden Tennisball zu treffen. Klingt ein wenig nach Baseball. Ich scheitere kläglich daran, den Ball auch nur zu streifen, den Werner Schmidt mir zuwirft. Besser gefällt mir da schon der Zweikampf. Ich bekomme ein dick gepolstertes Schwert in die Hand gedrückt. In Zeitlupe üben meine Mitstreiter und ich die Bewegungsabläufe. Schwert ziehen. Grundhaltung. Angriff. Abwehr. Schwert zurückstecken. Da darf auch der obligatorische Kampfschrei nicht fehlen. Ich bekomme die einfachste Position in der Gruppe zugeteilt, stecke aber trotzdem Treffer ein, weil ich den Angriff auf der falschen Seite blocke. Doch das wird zum Glück nicht so eng gesehen. Das ganze Training über wird viel gelacht.

Eins ist aber klar: Ein Samurang wird aus mir so schnell nicht. Werner Schmidt kommt dem mystischen Ideal koreanischer Kriegskunst schon näher. Zumindest ist die Vorstellung, die er am Ende des Trainings mit einem echten Stahlschwert präsentiert, ziemlich beeindruckend. Komplizierte Formen und athletische Sprünge gehören dazu. Dann schiebt Schmidt noch ein paar Liegestütze auf drei Fingern hinterher. Eine Körperbeherrschung, die ich wahrscheinlich nie erreichen werde. Trotzdem ist es ein faszinierender Sport, der den ganzen Körper trainiert. Und zugegeben: Ein bisschen cool fühlt man sich beim Hantieren mit dem Schwert auch.

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