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Ausstellungseröffnung

15.11.2016

Mit Malerei und Poesie den hektischen Alltag bremsen

Gitarrist Stefan Barcsay, Katji Voith, Ana Matt, Uwe Köhler von der Raiffeisenbank Krumbach und Laudator Dr. Heinrich Lindenmayr (von links) stellten sich bei der Vernissage der beiden Künstlerinnen zum Erinnerungsfoto.
Bild: Thomas Niedermair

Ana Matt und Katji Voith stellen in der Raiffeisenbank Krumbach ihr Kunstprojekt „Verlangsamte Schritte“ mit Texten und Bildern vor

Besinnliche Augenblicke der Ruhe und Nachdenklichkeit bescherten Ana Matt und Katji Voith den vielen Gästen, die sich zur Eröffnung des Gemeinschaftsprojektes „Verlangsamte Schritte“ in der Raiffeisenbank Krumbach eingefunden hatten. Den beiden in Regensburg lebenden Künstlerinnen gelang es dabei, in einem sonst oft von geschäftigem Treiben geprägten Umfeld eine wohltuend unhektische, meditative Atmosphäre entstehen zu lassen. Dass das fruchtbare Zusammenwirken von Malerei (Ana Matt) und Poesie (Katji Voith) durch die meditativen Gitarrenklänge von Stefan Barcsay um eine zusätzliche Dimension bereichert wurde, passte gut zu dieser Veranstaltung im Rahmen des Literaturherbstes Krumbach, mit der die Ausstellung eröffnet wurde.

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Uwe Köhler von der Raiffeisenbank freute sich in seiner Begrüßung über das Interesse an einem derartigen Projekt. Er betonte, dass die Förderung von Kunst in den Geldinstituten auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen müsse. Und Dr. Heinrich Lindenmayr, der in seiner Einführung beiden Künstlerinnen bescheinigte, dass sie die Betrachter und Zuhörer ihrer Werke stets ernstnehmen, betonte, dass Malerei und Lyrik nicht mit Gold aufzuwiegen seien.

Ana Matt, die in Ellwangen geboren wurde, ist in den Bereichen Malerei, Skulptur, Foto- und Objektkunst tätig. In diversen Ausstellungen, etwa in Regensburg, München (Olympiaturm), Montreux, Prag, Basel, Vicenza, Paris, New York oder Vancouver (ART 98), konnte sie ihr vielfältiges Schaffen präsentieren. Als bildende Künstlerin ist sie zugleich auch literaturbegeistert. Hiervon konnten sich auch in der Raiffeisenbank die Betrachter ihrer Werke gewissermaßen ein Bild machen, denn in nicht wenigen der 25 ausgestellten Gemälde hat Ana Matt schriftstellerische Versatzstücke eingefügt, etwa aus Goethes „Faust“. Ihre assoziationsreichen Werke, großteils auf Leinwand, aber auch auf Papier, Holz oder dem sie besonders faszinierenden Material Schiefer entstanden, widmen sich – mal abstrahierend, mal gegenständlich – in fantasieanregender Manier der Schönheit dieser Welt, dem „Königreich Natur“ und seinen Blumen, der Liebe und der „Narrenwelt“, dem Opernhaus von Sydney, dem „Unterbewusstsein“, dem „Faust“ und mehrmals dem „Element Feuer“, etwa im Bild „Banksia“ (Öl auf Papier), dem zusätzlich einige Pyrophyten (Feuerpflanzen) beigefügt sind. „Das einzige Mittel, die Wahrheit mitzuteilen, besteht darin, liebevoll zuzuhören“ ist bei näherem Hinsehen auf einem der Ölgemälde von Ana Matt zu lesen. „Das Faszinierende ist es doch, sich selbst zu entdecken“, meint die Künstlerin, die mit ihrer dichtenden Kollegin Katji Voith 2004 am deutsch-tschechischen Kultur-Projekt „Historische Brücken“ beteiligt war. Die Begegnung mit ihrer Kunst wird oft auch an ungewöhnlichem Schauplatz, beispielsweise in der Prager U-Bahn, ermöglicht.

Mit Malerei und Poesie den hektischen Alltag bremsen

Mit ihren anregenden Texten und wohlklingender Stimme bereicherte Katji Voith die Ausstellungseröffnung – in stimmigem Wechsel mit Stefan Barcsays versierten Interpretationen zeitgenössischer Gitarren-Kompositionen.

Die in Prag geborene Lyrikerin lebt seit 25 Jahren in Deutschland, ließ sich zur Krankenpflegerin ausbilden und arbeitet im OP. Eine durchaus heilsame Wirkung kann auch ihren einfühlsamen Gedichten zugeschrieben werden. Katji Voith, die für ihre Verdienste um das deutschsprachige Gedicht 2010 in München mit einem Literaturpreis geehrt wurde, ist wie Ana Matt an vielen Kulturprojekten beteiligt. Ihre sprach- und formschönen Gedichte ließen die Zuhörer teilhaben an einer in stimmungsvollen Bildern beschriebenen Natur („Der Fluss“, „Regengeflüster“, „Nebel“) und am „Flohmarkt“, der ebenso auf „geheimnisvolle Entdeckungsreise“ gehen lasse wie „Der jüdische Friedhof“. Im Gedicht „Reflektion“ fragt die Poetin sich, aber auch die Zuhörer: „Was ist Lüge, was ist wahr? Wer kann sagen: Das ist klar!“ Und in „Das Jahrhundert der Wunder“ richtet sie ihr Augenmerk auf die aktuellen Gefahren der virtuellen Welt, auf „elektronische Fallen“ und auf die „Bildschirmsprache ohne Mitgefühl“.

Dass „Verlangsamte Schritte“ dazu beitragen können, den Blick auf einen achtsamen Umgang miteinander und für die Schönheit der realen Welt zu schärfen, stieß bei den begeistert applaudierenden Besuchern sicht- und hörbar auf Gegenliebe.

zu der es auch einen schön gestalteten Katalog gibt, kann bis zum 2. Dezember (Montag bis Freitag, von 8 bis 16.30 Uhr) besucht werden.

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