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Rechbergreuthen

09.05.2017

Mit dem Pferd unterwegs nach Salzburg

Bei Regen und gerade einmal sieben Grad Celsius verließ das Trio Rechbergreuthen.
Bild: Peter Wieser

Margit Gnann, Martina Wuchenauer und Helmut Briegel reiten zehn Tage entlang der Via Julia der Mozartstadt entgegen. Warum sie dafür Umwege in Kauf nehmen müssen.

Sie heißen Cappuchino, Nero und Samantha. Die Rede ist von dem 17-jährigen Württemberger Wallach, dem 19-jährigen süddeutschen Kaltblut und der 14-jährigen Thüringer Warmblutstute. Nicht zu vergessen das gut gelaunte Trio, das gerade auf ihnen sitzt: Margit Gnann, 51, aus Wettenhausen, Martina Wuchenauer, 50, aus Hetschwang und Helmut Briegel, 58, aus Rechbergreuthen.

Eine Woche sind sie schon unterwegs, der Chiemsee rückt immer näher. Am Freitagnachmittag wollen sie ihr Ziel, Elixhausen bei Salzburg, erreicht haben. Dann liegen neun Etappen, jeweils zwischen 25 und 40 Kilometer, hinter ihnen. Mehrmals schon haben sie ähnliche Touren unternommen, wie im Allgäu oder durch das Altmühltal. Im vergangenen Jahr überquerten sie in neun Tagen entlang der Via Claudia Augusta die Alpen. Dies war allerdings eine geführte Tour. Eine so große wie ihren Salzburgritt haben sie jedoch noch nie angetreten.

„Das wichtigste ist zunächst, Orte zum Übernachten zu finden, an denen auch die Pferde versorgt sind“, sagt Margit Gnann. Sogenannte Wanderreitstationen gebe es zwar schon, doch müssen diese passend zur Länge der jeweiligen Etappen auch einigermaßen auf der Strecke liegen. Aus diesem Grund müssen sie auch einige Male die Via Julia verlassen. Und direkt durch München zu reiten – die historische Straße führt auch durch den Stadtteil Grünwald – mache auch keinen Sinn, fügt Margit Gnann lachend hinzu. Im Internet wurde nach Reitställen gesucht. Keine einfache Suche. Nicht jeder Stall ist so eingerichtet, drei Reiter und drei Pferde aufnehmen zu können.

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Begleitet wird das Trio von Walter Birle samt Auto und Pferdeanhänger – eine Zeit lang ist auch Martina Wuchenauers Tochter Larissa mit dabei. In dem Wagen befinden sich Zaumzeug, Decken, Getränke, Gepäck und Kraftfutter. Das „Müsli“ für die Pferde, wie Walter Birle mit einem Schmunzeln bemerkt. Ein Pferd könnte notfalls auch einmal eine Etappe lang mitfahren. Sein Fahrrad hat er übrigens auch dabei. Damit erkunde er ein bisschen die Gegend, während die anderen hoch zu Roß unterwegs seien. Die Reiter selbst haben auf ihren Pferden nur das Nötigste dabei: Brotzeit, Warnwesten, Erste-Hilfe-Paket und vor allem Regenponchos. Die haben sie sich übrigens selbst angefertigt: Mit einer Regenhose für zehn Euro sei Helmut Briegel vor einigen Jahren immer nässer geworden. Aber: „Im schlimmsten Fall wird man halt nass. Viel Schlimmer wäre es, wenn sich eines der Pferde verletzen würde.“

„Wir reiten der Sonne entgegen“

Geregnet hat es auch zum Start in Rechbergreuthen – bei gerade einmal sieben Grad Celsius. „Wir reiten der Sonne entgegen“, hatte Martina Wuchenauer noch bemerkt. Tatsächlich: Zumindest durch Augsburgs Westliche Wälder war dies der Fall. Geritten wird übrigens fast ausschließlich auf Wald- und Feldwegen, zwischendurch laufen die Reiter auch ein Stück weit neben ihren Pferden her. Margit Gnann vertraut dabei auf ihr „Wandernavi“, in das sie zuvor alle Routen eingegeben hat. Dennoch: „Hinter jeder Kurve kann es eine Überraschung geben“, sagt sie. So wie am vergangenen Donnerstag. Nicht nur, dass ein Gewitter dem andern folgte, mehrere Baustellen entlang des Weges machten Umwege erforderlich, sodass Reiter und Pferde erst am späten Abend ihr Etappenziel erreicht haben. Dafür wurden sie wenig später belohnt, als sich plötzlich der herrliche Blick auf die Berge eröffnete.

Solche Erlebnisse sind es, die die Reise besonders machen. Der Alltag gerät in den Hintergrund: „Reiten, Pferde versorgen und wieder Reiten, alles andere ist unwichtig“, erzählt Helmut Briegel. „Es ist die Langsamkeit auf einer solchen Reise. So eine Tour schweißt mich und mein Pferd noch mehr zusammen“, betont Margit Gnann. Und Martina Wuchenauer fügt hinzu: „Spannend wird es immer, wenn man ankommt. Angekommen sind wir bisher noch jedes Mal.“ Bei der Rückreise steigen die Reiter aufs Auto um – und die Pferde werden in ihren Anhängern nach Hause gefahren.

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