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06.12.2010

Mit der Jungfernfahrt begann das Bangen

Das heutige Bahnhofsgebäude in Krumbach wurde 1906 gebaut, also 24 Jahre nach er Inbetriebnahme des Abschnitts Günzburg - Krumbach und vier Jahre vor der Einweihung der Strecke in Richtung Mindelheim. Fotos: Stadtarchiv
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Das heutige Bahnhofsgebäude in Krumbach wurde 1906 gebaut, also 24 Jahre nach er Inbetriebnahme des Abschnitts Günzburg - Krumbach und vier Jahre vor der Einweihung der Strecke in Richtung Mindelheim. Fotos: Stadtarchiv

Krumbach Am 7. Dezember 1835, also vor 175 Jahren, fuhr die in England gebaute Dampflokomotive "Adler" erstmals von Nürnberg nach Fürth. Am 15. Dezember 1910, genau 75 Jahre später und damit vor exakt 100 Jahren, dampfte der erste Zug von Krumbach nach Mindelheim. Die fränkische Metropole hat mit der mittelschwäbischen Kleinstadt demnach eines gemeinsam: Beide können in diesen Tagen Eisenbahngeschichte feiern. In Nürnberg und Fürth wird dieser denkwürdige Tag festlich begangen; in Krumbach ist nichts vorgesehen. Hier hat man dieses Jubiläums schon im Juli gedacht - wenngleich in kleinem Rahmen. Von flatternden Fahnen, Böllerschüssen und Freibier wie bei der Eröffnung wird in der nächsten Woche weder zu sehen, zu hören noch zu genießen sein.

Trotzdem ist ein Rückblick angebracht: An diesem Donnerstag im Dezember 1910 hatten die Kinder schulfrei, die Stadt wimmelte von freudig gestimmten Menschen unter die sich eine Vielzahl von Ehrengästen aus den Hauptstädten München und Augsburg sowie aus den Nachbarregionen gemischt hatten. Es regnete in Strömen, doch keinen hielt das schlechte Wetter vom Feiern ab. Den ganzen Tag fuhren auf der neuen Strecke voll besetzte Sonderzüge nach Mindelheim und zurück. Sogar eigene Billets waren für diese Jungfernfahrten gedruckt worden.

Entlang der Bahnlinie wurde gefeiert

Krumbach und die an der Bahnlinie liegenden Gemeinden zwischen Günzburg und Mindelheim hatten allen Grund zum Feiern - und taten dies auch, wie im Krumbacher Boten zu lesen ist: "Die ganze Stadt war reich beflaggt und Kanonendonner riss am frühen Morgen die Bewohner aus dem Schlaf." Die Bahnhofstraße war zwischen Marktplatz und Bahnhof mit "Flaggen und Tannengewinden" geschmückt; die vielen Bürger wurden von der Musikkapelle des 12. Infanterie-Regiments begrüßt. Pünktlich 10 Uhr fuhr der erste Sonderzug mit 600 Fahrgästen und viel Prominenz ab in Richtung Mindelheim. Am Nachmittag durfte die "freudig bewegte Schuljugend" einsteigen. Auf dem Programm standen am Nachmittag noch ein Festakt, ein gemeinsames Essen und am Abend ein Festkonzert, das für viele bis zum anderen Morgen dauerte.

Mit der Jungfernfahrt begann das Bangen

Die Freude war zurecht groß. Im Juni 1908 war im Bayerischen Landtag der Beschluss zum Bau einer durchgehenden Schwabenbahn gefallen. Der Abschnitt Günzburg - Krumbach war bekanntlich schon 1892 eröffnet worden. Von Süden her folgte wenig später eine Bahnlinie von Mindelheim nach Pfaffenhausen, die nach Kirchheim abzweigte. Das Fürstenhaus Fugger hatte eine eigene Strecke bis zu ihrem Stammsitz durchgesetzt. Es fehlte aber das Teilstück Krumbach - Pfaffenhausen. Damit beschäftigte sich ein eigenes Komitee bereits seit 1858. Selbst für heutige Begriffe spektakulär war der damalige Gedanke, eine Fernstrecke von Günzburg über Krumbach, Mindelheim, Kaufbeuren nach Füssen und weiter bis Innsbruck zu realisieren. Darüber hinaus gab es Pläne für Verbindungen zwischen Thannhausen und Kirchheim (der Abschnitt Dinkelscherben - Thannhausen war schon in Betrieb) sowie von Thannhausen nach Krumbach und weiter bis Babenhausen beziehungsweise Weißenhorn.

Es wurde jedoch nichts mit den geplanten "Eisenbahn-Knotenpunkten" Thannhausen und Krumbach. Der Münchner Beschluss vom Sommer 1908 ließ all diese Hoffnungen platzen. Dann aber ging es sehr schnell: In eineinhalb Jahren war der Abschnitt Krumbach - Pfaffenhausen gebaut und es konnte ab Dezember 1910 ohne Umsteigen durch ganz Mittelschwaben gefahren werden.

Ein Manko besaß die Bahnlinie von Anfang an

Ein Manko besaß diese Verbindung von Anfang an: Sie kämpfte bereits kurz nach ihrer Eröffnung mit geringen Fahrgastzahlen. Der optimistische Fahrplan wurde schon wenige Jahre später ausgedünnt, begründet auch mit den Ereignissen durch den Ersten Weltkrieg. Die Jahrzehnte danach waren nicht viel besser. Die Aufnahme des Güterverkehrs folgte noch vor dem Zweiten Weltkrieg und danach sogar dessen Ausbau. Auf Dauer jedoch ließ er sich nicht halten, wie die Praxis zeigt. Sogar die Einstellung des Gesamtverkehrs stand viele Jahre zur Diskussion, wie es letztlich der Strecke Dinkelscherben - Thannhausen beschieden war. Zuversicht war erst wieder nach umfangreichen Investitionen in das Schienennetz, die Bahnhöfe und die Züge selbst in den letzten Jahrzehnten angebracht. Inzwischen fährt die Mittelschwabenbahn mit modernen Triebwagen auf neuzeitlichen Gleisanlagen und besitzt Anschlüsse an die Fernstrecken und viele Buslinien. Gleicher Meinung waren die Experten bei der kleinen Jubiläumsfeier in diesem Sommer. Für Bärbel Fuchs von der DB Regio AG in Augsburg ist diese Strecke ein echtes Stück Heimat für die ganze Region, für Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer ist sie "unverzichtbar", Landrat Hubert Hafner sprach von einer "attraktiven Verbindung mit modernen Triebwagen" und sein Kollege Hans Joachim Weirather vom Landkreis Unterallgäu bedankte sich bei allen "Kämpfern um die Mittelschwabenbahn". Er und alle Redner waren sich einig: Es muss alles getan werden, um mehr Fahrgäste in die Waggons zu bringen.

Trotz guter Voraussetzungen geht das Bangen weiter

Für Hans-Peter Behrendsen vom bayerischen Wirtschaftsministerium ist dies sogar eine "ständige Herausforderung". Sein Fazit: Man könne sich in der heutigen Zeit eine Stilllegung nach den kostenträchtigen Investitionen nicht mehr vorstellen, denn "nicht nur die Städte, auch der ländliche Raum braucht einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr". Die Voraussetzungen für eine gute Zukunft sind gegeben - das Bangen geht trotzdem weiter.

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