Newsticker
EU-Staaten erwägen neue Reiseauflagen in der Corona-Krise
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Mit der reinen Wohlfühloase beim Friseur ist es vorerst vorbei

Landkreis Günzburg

03.05.2020

Mit der reinen Wohlfühloase beim Friseur ist es vorerst vorbei

Martina Unglert
2 Bilder
Martina Unglert
Bild: Anna B. Fotografie

Plus Am Montag dürfen die Friseure wieder öffnen – aber ohne Wartebereich. Die Kunden dürfen sich Lesestoff und Getränke selbst mitbringen. Was in den Salons alles erfüllt sein muss und was alles nicht gemacht werden darf.

Nun dürfen die Friseure am 4. Mai doch wieder aufschließen. Lange war sich die Politik nicht sicher, ob diese Maßnahme sinnvoll oder kontraproduktiv ist. Die Friseure im Landkreis erwarteten die Entscheidung mit Spannung und setzten bereits im Vorfeld alles daran, die umfangreichen Maßgaben, die sie bei einer Wiederöffnung zu erfüllen haben, auch in die Tat umsetzen zu können.

Dafür sind sie in intensivem Kontakt mit der Kreishandwerkerschaft, die auf Basis der staatlichen Vorgaben innerbetriebliche Standards erarbeitet hat. Diese wiederum müssen von jedem einzelnen Salon in einem individuellen Hygienekonzept umgesetzt werden. Ulrike Ufken, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft rechnet damit, dass dieser Kontakt nach dem 4. Mai noch intensiver wird, wenn zahlreiche Detailfragen geklärt werden müssen, die sich erst in der Praxis ergeben.

Notfalls vor der Friseurtüre warten

Um die so gering wie möglich zu halten nehmen verantwortungsvolle Saloninhaber wie die stellvertretende Obermeisterin Martina Unglert den Vorgabenkatalog, den sie von der Kreishandwerkerschaft bekommen haben, sehr ernst. Es gelten vielfältige Auflagen, im Miteinander der Kollegen, bei der Hygiene, bei der Steuerung des Zugangs, der Einhaltung der Abstandspflicht und zur Schutzkleidung. „Das wird auch für unsere Kunden eine große Umstellung werden,“ ist sich Martina Unglert sicher. Immerhin ist es auf absehbare Zeit mit dem Friseursalon als Wohlfühloase vorbei. Die Kunden müssen zeitlich gut abgestimmt möglichst telefonisch einbestellt werden, denn wenn der Salon nicht frei ist, müssen sie vor der Türe warten. Wenn sie den Salon betreten, heißt es zunächst, Hände waschen oder desinfizieren. Die Saloninhaber sind zudem angehalten, die Kontaktdaten der Kunden zu dokumentieren, allerdings ist nicht definiert, was mit Kunden geschehen soll, die solche privaten Auskünfte verweigern.

Im Salon ist die gemütliche Sitzecke mit inspirierenden Zeitschriften weggeräumt. Auch am Behandlungsplatz wird sich einiges verändert haben, wenn die Kunden wieder in das Geschäft kommen dürfen. Anstatt des angenehmen, stoffähnlichen Frisurumhangs muss sich der Kunde mit einem Einmalschutz zufriedengeben. Ja auch Getränke sind tabu. „Natürlich dürfen sich Kunden eigenen Lesestoff mitbringen und auch etwas zu trinken, schließlich dauern manche Behandlungen mehrere Stunden, aber anbieten dürfen wir nichts mehr.

Abstände müssen nach allen Seiten gewährleistet sein

Diese Einschränkungen betreffen lediglich den Komfort. Viel schwieriger im Arbeitsalltag sind die Abstandsauflagen. Martina Unglert hat sich mit ihren Mitarbeiterinnen abgesprochen. „Wir müssen ja die Anzahl der Kunden, die gleichzeitig bedient werden, stark reduzieren. Um die Auflagen zu erfüllen, ist für die Friseure ein regelrechter Spagat notwendig. Einerseits sollen die Mitarbeiter wieder ihre volle Stundenzahl arbeiten können und alle Kunden optimal versorgt werden, andererseits müssen viele Arbeitsplätze im Salon frei bleiben, um die Mindestabstände einhalten zu können. Die müssen nach allen Seiten gewährleistet sein, dazu zählt auch noch ein angemessener Bewegungsspielraum. „Ich konnte mit meinen Mitarbeiterinnen eine gangbare Lösung finden,“ erklärt die stellvertretende Obermeisterin. „Wir haben längere Öffnungszeiten eingeführt, sodass wir jetzt die Kunden besser nacheinander bedienen können. Die Kolleginnen konnten sich für die Arbeitszeiten melden, die sie am besten mit ihren familiären Pflichten vereinbaren können.“

Dennoch wird sich das Arbeiten im Salon verändern. Da Friseure logischerweise keinen 1,5-Meter-Abstand zum Kunden einhalten können, müssen sie ihre Mund-Nasen-Zone bedecken.

Nach jedem Haarschnitt die Mundmaske wechseln

Um etwas positive Stimmung zu erzeugen, hat Martina Unglert für alle Mitarbeiterinnen schicke Masken nähen lassen, die nach jedem Kunden nach der Durchfeuchtung gewechselt werden müssen. Aber auch die Kunden sind verpflichtet, Mundschutz zu tragen. Wie sich das etwa beim Haarewaschen durchführen lässt, muss, erklärt Martina Unglert, erst noch in der Praxis erprobt werden. „Wir haben schon überlegt, ob die mit schonenden Tapes befestigt werden könnten. Auch bei der Beratung darf die Abdeckung nicht abgenommen werden. „Wenn ein Kunde etwas Neues will, war es bisher üblich, sich neben ihn zu setzen, das geht nun nicht mehr. Der Friseur muss beim Gespräch hinter dem Kunden stehen.“ Auch vieles andere ist bis auf Weiteres nicht mehr möglich, dennoch versuchen die Friseure, ihren Kunden so viel Bequemlichkeit und Atmosphäre zu schaffen, wie irgend möglich, versichert die stellvertretende Obermeisterin.

Es gibt eine Klientel, die sich die Haare gerne trocken schneiden lässt. Durch den neuen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzsstandard ist das ab sofort verboten. Außerdem müssen die Friseure von der Begrüßung bis nach dem verpflichtenden Haarewaschen Einmalhandschuhe tragen. Und nach der Behandlung gelten strengere Reinigungsvorschriften des Arbeitsplatzes, um Kontaktinfektionen, auch über herumfliegende Härchen zu vermeiden.

Wenn am 4. Mai die Salons wieder öffnen, dürfen sie nur eingeschränkte Dienste anbieten: Sie müssen sich auf die Behandlung des Kopfhaars beschränken. „Alle Maßnahmen im Gesicht sind untersagt“, erklärt Ulrike Ufken. Das heißt, es gibt keine Augenbrauenbehandlung, kein Wimpernfärben, bei den Herren wird nicht rasiert und die Nasenhaare nicht entfernt. Jeder Bartträger ist allein für seine Zier verantwortlich, für die Friseure ist sie bis auf weiteres Off Limits.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren