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Ziemetshausen

21.04.2018

Mit einer kleinen Zeitungsanzeige begann die Geschichte des Musikvereins

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Zum 120-jährigen Jubiläum 1978 wurde ein siebentägiges Fest organisiert, zudem bekannte Gäste aus Funk und Fernsehen engagiert wurden. Hier zu sehen sind Festwirt Johannes Burger, Johannes „Joopi“ Heesters und Erster Vorsitzender Herbert Müller.
Bild: Musikverein Ziemetshausen

Die Musikvereinigung Ziemetshausen blickt auf eine 160-jährige Vereinsgeschichte zurück. Dies wird jetzt gebührend gefeiert.

Eine kleine Zeitungsanzeige vom 4. Juli 1859, damit fängt sie an, die Geschichte der Ziemetshauser Blasmusik. Beworben wurde ein Unterhaltungsauftritt der „Ziemetshauser Blech-Musik“ in Thannhausen. Am nächsten Wochenende feiert die Musikvereinigung nun im Rahmen eines großen Bezirksmusikertreffens ihr 160-jähriges Jubiläum. „Natürlich kann man davon ausgehen, dass bereits zuvor in Ziemetshausen musiziert wurde, aber das ist eben der älteste Beleg“, meint Rainer Miller, Erster Vorsitzender.

Gefeiert wird im Zusamtal ohnehin keine bestimmte Zahl, sondern vielmehr die Tradition bayerisch-schwäbischer Blasmusik im Allgemeinen: hochklassiges Musizieren im Unterhaltungs- und konzertanten Bereich, Mitwirken am Dorfleben und musikalische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen – all dies verkörpert die Musikvereinigung Ziemetshausen.

Diese Trias entwickelte sich recht früh: Bereits um die Jahrhundertwende scheint Quellen zufolge eine Art „Jugendkapelle“ existiert zu haben, die auch öffentliche Auftritte absolvierte. Anfang des 20. Jahrhunderts dann übernahm man die musikalische Umrahmung lokaler Festivitäten und wenig später war man bereits ebenso im zeitgenössisch konzertanten Genre unterwegs: In den 20ern Jahren etwa sind die Anfänge der Wertungsspielteilnahme und des traditionellen Ziemetshauser Weihnachtskonzertes zu finden.

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In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine intensivere Organisation des Vereins ein: 1950 die formale Vereinsgründung mit Gründung einer Vorstandschaft, später die Anschaffung einer einheitlichen Tracht sowie die offizielle Jugendkapellengründung. Strukturell gestärkt war man bereit für das große Fest zum 120-jährigen Jubiläum 1978. Insgesamt sieben Tage wurden den Festivitäten gewidmet und Stars wie „Joopi“ Heesters und Marianne und Michael konnten engagiert werden. Das Jahr 1976 könnte man aus heutiger Perspektive als einen „Meilenstein“ der Vereinsgeschichte bezeichnen: Mit Georg Eisele übernahm ein leidenschaftlicher, engagierter und in der regionalen Musiklandschaft gut vernetzter Musiker das Dirigat. Er brachte die Kapelle auf ihrem zweigleisigen Erfolgskonzept Konzertmusik/Unterhaltungsmusik wesentlich voran. „Ich kenne niemanden, der sich besser in das Publikum hineindenken kann, als er“, sagt der ehemalige langjährige aktive Musiker und Chronist Arnold Haiß über Eisele. „Was ist gerade Stimmungsmusik?“ – dies wurde zur zentralen Frage für die Ziemetshauser Musik. Man schaffte Blasmusikarrangements für aktuelle Schlager an. Gab es diese nicht, hatte Eisele jemanden an der Hand, der diese schrieb. „Eine Zeit lang spielte man vorab kleinere Wunschkonzerte, auf denen neue Stücke vorgestellt wurden, um zu testen, was gut ankommt“, erinnert sich Haiß. Publikums- und zeitgenössisch orientierte Unterhaltungsmusik, das prägt die Ziemetshauser Musik seither. Dafür waren entsprechend gute Sänger und Stimmungsmacher notwendig: Gemeinsam mit Wolfgang Maier ergriff Georg Eisele das Gesangsmikro. Für gute Stimmung sorgte Humorist Bertl Kreuzinger. „Seine Ansagen, Sketche und Parodien zwischen den Stücken waren grandios“, erinnert sich Haiß.

Früh erkannte Dirigent Eisele auch die Notwendigkeit, das Instrumentenrepertoire den modernen Stücken anzupassen. „Wir waren eigentlich so die erste Kapelle, die E-Bass, E-Gitarre und Keyboard dazu genommen haben“, weiß Rainer Miller. Wolfgang Knoll, Wolfgang Maier und Peter Maier waren hier die frühen Akteure in den 80ern. Später kamen auch Roland Schmid und der 2011 viel zu früh verstorbene Karl-Heinz Luttmann –beides ursprünglich Tubisten – dazu. „Da hat viel Pragmatismus mitgespielt. Bei den modernen Stücken war der elektronische Bass und Gesang für uns wichtiger“, erzählt Miller.

All diese Innovationen, angetrieben durch Eisele und den seinerzeit Ersten Vorsitzenden Herbert Müller, zeigten ihre Früchte: In den 80ern und 90ern war die Musikvereinigung Ziemetshausen den Sommer über quasi „ausgebucht“: In der Überschrift eines Zeitungsberichts vom Februar 1989 heißt es etwa: „1988 war von Mammutprogramm ausgefüllt. Auch im kommenden Frühjahr kaum ein Wochenende ohne Auftritt“. In den 90ern kam ein weiteres Novum dazu: Nicht mehr nur die Wochenenden waren gefüllt, auch die Montagabende. Insbesondere im Augsburger Raum, stieg der Montagabend zum Stimmungsabend diverser Volks- und Musikfeste auf. „Das waren unvergessliche Auftritte. Einmal haben wir in Mickhausen bis Dienstagfrüh um 1.30 Uhr gespielt“, blickt Arnold Haiß zurück.

Parallel zu diesen Klimmzügen in der Unterhaltungsmusik feilte man an der Weiterentwicklung im konzertanten Bereich: Nach längerer Wertungsspielpause kam es 1985 beim Landesmusikfest in Kempten zum fulminanten Wiedereinstieg: Unter Dirigent Eisele wurde ein erster Rang mit Belobigung in der Oberstufe eingespielt. Auch die Jugendkapelle entwickelte sich unter Eisele in der Konzertmusik weiter: Regelmäßig nahm sie an Wertungsspielen teil und übernahm einen Teil beim jährlichen Weihnachtskonzert.

2005 übernahm Andreas Reiter den Taktstock vom Interimsdirigenten Wolfgang Maier, nach dem Eisele 2002 nach über 25 Jahren aufgehört hatte. Nach wie vor setzt man unter ihm in Ziemetshausen auf eine möglichst breite Aufstellung, betont der Zweite Vorsitzende Thorsten Engel: „Andreas Reiter ist unserer Linie treu geblieben und fokussiert die Stimmungs- und Konzertmusik zusammen mit seiner Liebe zur böhmisch-mährischen Blasmusik.“

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