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Literaturherbst
25.11.2011

Mit zwei Elefanten über die Alpen

Familie legte über 500 Kilometer zu Fuß zurück. Wie man Kinder für eine Wanderung begeistert

Krumbach Sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, erweist sich durchaus als schwierig. Entweder hat man dafür keine Zeit, kein Geld oder man will warten, bis die Kinder aus dem Haus sind. So lange wollte Gerhard von Kapff aber nicht warten, bis seine damals acht- und zehnjährigen Buben das Elternhaus verlassen würden. Sein Traum war es, von München über die Alpen nach Venedig zu wandern. Über dieses doch ungewöhnliche Projekt, aus dem auch das Buch „Mit zwei Elefanten über die Alpen“ hervorging, berichtete Gerhard von Kapff im gut besuchten Saal vom Gasthof Traubenbräu in Krumbach.

Der Alpenverein Krumbach lud den Buchautor im Rahmen des „Literaturherbst“ in die Kammelstadt ein. „Schon als Jugendlicher wollte ich über die Alpen gehen. Seitdem ich als Kind mit meiner Familie im Auto über den Brenner gefahren bin“, erzählte von Kapff den Grund dieses Abenteuers. Wie aber überzeugt man seine Familie, 554 Kilometer des Fernwanderweges von München nach Venedig zu bewältigen? „Meine Frau war zu Beginn nicht begeistert“, berichtete Gerhard von Kapff. Die beiden Kinder köderten die Eltern mit dem Versprechen, dass bei jedem McDonalds zwischen München und Venedig eingekehrt wird. Es seien am Anfang auch einige Grundregeln für die Wanderung aufgestellt wurden: Sofort aufhören, wenn es unangenehm wird oder keinen Spaß macht. Es stand auch von vorneherein fest, dass nach jedem Etappenziel – die Wanderung wurde in drei Etappen von 2007 bis 2009 aufgeteilt – eine Woche Badeurlaub folgte. Ein Zuhörer im Saal fragte nach, wie sich die Familie fit machte für diese Wanderung. „Die Jungs machten viel Sport und meine Frau ging ins Fitnessstudio. Ich bin jeden Tag mit einem Rucksack voll Ziegelsteinen ins Büro gelaufen“, sagte Gerhard von Kapff. Dann ging es los, vom Marienplatz in München weiter zur Isar und an der Isar entlang Richtung Alpen. Und schon nach vier Stunden Marsch überlegt Vater Kapff, ob dieses Projekt richtig war. Es regnete in Strömen, die Rucksäcke waren viel zu schwer und scheuerten – nicht zuletzt wegen der zwei Plüschelefanten der Kinder – und die Kinder hatten schon keine Lust mehr. Doch dieses Tief war schnell überwunden: Es gab ausreichend Zeit, sich in Ruhe zu unterhalten, ohne ein klingelndes Telefon. Die Kinder hatten die Eltern für sich allein. „Nur die Natur und wir vier“, schwärmte Gerhard von Kapff von der Tour. Der Absturz einer Frau, den die Familie mit ansah und bei der sie auch aktiv Hilfe leistete, brachte alle an ihre emotionale Grenze. Erst der Anruf im Krankenhaus und dann die Gewissheit, dass der Frau – außer einer Knieverletzung – nichts passiert war, motivierte die Vier weiter zu wandern. Und sie wanderten die ganzen 554 Kilometer bis nach Venedig. Allen war am Ende klar: So etwas erlebt man nur einmal und man denkt das ganze Leben daran.

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