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Krumbach/Ellzee/Thannhausen

26.03.2020

Mittelschwaben: Firmen zwischen Kurzarbeit und Produktionssteigerung

Die Corona-Krise trifft die heimische Wirtschaft hart. Wie bei vielen anderen Firmen in der Region Mittelschwaben ist auch beim Automobilzulieferer Borgers Süd mit Werken in Krumbach und Ellzee (Bild) Kurzarbeit angesetzt.
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Die Corona-Krise trifft die heimische Wirtschaft hart. Wie bei vielen anderen Firmen in der Region Mittelschwaben ist auch beim Automobilzulieferer Borgers Süd mit Werken in Krumbach und Ellzee (Bild) Kurzarbeit angesetzt.
Bild: Hans Bosch

Plus Die Corona-Krise hat sehr unterschiedlich Auswirkungen auf die Betriebe in Krumbach, Thannhausen und Umgebung. Von Kurzarbeit sind inzwischen aber sehr viele Menschen betroffen.

Die Corona-Krise erfasst immer stärker die heimische Wirtschaft. In weiten Teilen steht das Wirtschaftsleben regelrecht still. Zahlreiche Firmen, darunter große Firmen wie Borgers und Lingl müssen Kurzarbeit anmelden. Auch das Krumbad, das vor einigen Tagen seinen regulären Reha-Betrieb einstellen musste, ist davon massiv betroffen. Aber trotz der Krise gibt es in verschiedenen Firmen auch nach wie vor stabile Entwicklungen. Und bei den Fleischwerken Zimmermann in Thannhausen sogar Produktionssteigerungen.

Borgers Süd:

Die Firma Borgers Süd mit rund 700 Mitarbeitern (Werke in Krumbach und Ellzee) ist ein bedeutender Automobilzulieferer. Die Borgers-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Bocholt ( Nordrhein-Westfalen).

Mittelschwaben: Firmen zwischen Kurzarbeit und Produktionssteigerung
Die Corona-Krise trifft die heimische Wirtschaft hart. Wie bei vielen anderen Firmen in der Region Mittelschwaben ist auch beim Automobilzulieferer Borgers Süd mit Werken in Krumbach und Ellzee (Bild) Kurzarbeit angesetzt.
Bild: Hans Bosch

Wie uns Borgers Süd-Geschäftsführer Josef Lutz mitteilt, sei bei Borgers Süd Kurzarbeit vorgesehen. „Nachdem die meisten Automobilhersteller ihre Produktion aufgrund der Corona-Epidemie eingestellt haben, sind auch wir bei Borgers Süd als Zulieferer gezwungen, unsere Produktion nahezu vollständig herunterzufahren.“


Die Dauer der Kurzarbeit bei Borgers Süd sei davon abhängig, wann und in welchem Umfang die Kunden aus der Automobilindustrie die Produktion wieder aufnehmen. Borgers Süd liefert an namhafte Automobilhersteller wie BMW, Audi, Daimler-Benz oder Porsche und zum niederländischen Lkw-Hersteller DAF. Borgers Süd kleidet unter anderem DAF-Lkw im Inneren aus.

Mit voller Kraft nach der Überwindung der Krise

Lutz betont aber auch: „Wir beginnen jedoch schon jetzt mit den Vorbereitungen, um unsere Geschäftstätigkeit nach Überwindung der Corona-Krise möglichst schnell und mit voller Kraft wieder aufnehmen zu können. Deshalb werden jetzt übrigens auch keine festangestellten Mitarbeiter entlassen.“ Die aktuell angesetzte Kurzarbeit werde wahrscheinlich einen „Großteil unserer knapp 700 Mitarbeiter“ betreffen.

Die konkrete Umsetzung erfolge bereichsweise. Lutz hebt hervor, dass es zur Kurzarbeit aktuell keine Alternative gebe. „Wenn keine Autos, Lkw, Busse und Traktoren gebaut werden, können wir auch keine Fahrzeugbauteile produzieren und verkaufen.“

Die Vorbereitungen für eine gute und reibungslose Wiederaufnahme der Produktion würden bereits laufen. Parallel würden auch die bereits begonnenen umfangreichen Baumaßnahmen im Werk Ellzee weiter laufen.

Lingl:

Das Krumbacher Traditionsunternehmen Hans Lingl Anlagenbau und Verfahrenstechnik ist auf Anlagen im Bereich Grobkeramik spezialisiert. Weitere Standbeine sind die Bereiche Sanitär- und technische Keramik sowie Maschinen und Anlagen für die Holzindustrie. Laut Geschäftsführer Hugo Schneider sind bei Lingl weltweit rund 550 Mitarbeiter zuzüglich freier Mitarbeiter beschäftigt. Hauptsächlich betroffen von der Corona-Krise seien die Standorte in Deutschland, hier im Einzelnen das Mutterwerk in Krumbach und das Tochterunternehmen Trafö-Förderanlagen in Lauda-Königshofen. Großbritannien werde folgen. Die USA sei ein Sonderfall.

Mindestens bis zum Jahresende 2020

Schneider: „Wir rechnen aufgrund der rezessiven Einschnitte mit einer Kurzarbeitsdauer mindestens bis zum Jahresende 2020. Sollte es unerwartet früher wieder konjunkturell anziehen, würde uns dies, auch insbesondere für unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner, sehr freuen.“

Blick in den Produktionsbereich der Firma Lingl. Auch bei der Krumbacher Traditionsfirma muss jetzt Kurzarbeit angesetzt werden.
Bild: Peter Bauer (Archivfoto)

Nach „jetzigem Stand unserer intensiven Planungen und auf unseren Kenntnissen basierend werden wir größtmöglich versuchen, das Unternehmen im Ganzen in Kurzarbeit zu bringen. Wir planen einen Shutdown für drei Wochen.“ Davon seien wenige Mitarbeiter ausgenommen, „wie zum Beispiel Ansprechpartner in der Administration oder auch unser weltweiter 24-Stunden-Service.“

Zimmermann:

Bei den Fleischwerken Zimmermann (rund 300 Mitarbeiter) in Thannhausen ist die Geschäfts- und Liefertätigkeit derzeit „unverändert“, wie Gunther Wanner, Unternehmenssprecher von Ehrmann auf Anfrage mitteilt. Zimmermann ist seit 1989 Teil der Ehrmann AG, einer der bedeutendsten deutschen Molkereien mit Sitz in Oberschönegg/Unterallgäu. Die Fleischwerke Zimmermann, 1894 als kleine Metzgerei von Edmund und Barbara Zimmermann gegründet, feierten im Jahr 2019 ihr 125-jähriges Bestehen.

Wanner berichtet: „Bestellungen seitens unserer Handelspartner liegen vor und werden termingerecht abgearbeitet. Zum Teil haben wir Produktionen hochgefahren, vor allem im Bereich der Konservenartikel, da diese verstärkt nachgefragt wurden die letzten Wochen.“ Bei Zimmermann sei weder Kurzarbeit angedacht, noch werde diese umgesetzt. „Essen müssen die Menschen immer und Einkaufen im Lebensmittel-Einzelhandel ist unverändert möglich“, betont Wanner.

Faist:

Keine Kurzarbeit ist derzeit bei Faist-Anlagenbau (der Firmensitz befindet sich in Niederraunau) angesetzt. Zur Produktpalette der Firma zählen unter anderem Schallschutz für Kraftwerke oder Druckmaschinen und akustische Prüfstände für die Autoindustrie. Wie Sabine Helms, Assistentin Geschäftsführung, berichtet, sei die Firma im Maschinen- und Anlagenbau derzeit voll ausgelastet und man setze alles daran, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten. „Wir haben alle möglichen Vorsorgemaßnahmen bezüglich der Corona-Pandemie getroffen und wo möglich, unsere Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt.“ Zum Glück seien keine Corona-Erkrankungen in der Belegschaft bekannt.

Fragenbogen vor Eintritt in die Firma auszufüllen

Jeder externe Besucher müsse vor Eintritt ins Firmengebäude einen entsprechenden Fragebogen ausfüllen, ob er in irgendeiner Form mit Corona direkt oder indirekt in Berührung war. „Allerdings laufen fast alle Meetings per Telefon- oder Videokonferenz“, sagt Helms.

Keine Kurzarbeit ist derzeit bei Faist-Anlagenbau (der Firmensitz befindet sich in Niederraunau) angesetzt. Wie viele andere Betriebe nutzt Faist Anlagenbau derzeit intensiv die Möglichkeiten von Homeoffice. Externe Besucher müssen mit Blick auf die Krise einen Fragebogen ausfüllen.
Bild: Peter Bauer (Archivbild)

Natürlich sei auch für Faist nicht abschätzbar, was in zwei bis drei Monaten ist. „Wir müssen hier wie alle anderen auch hoffen.“ Laut Helms beschäftigt das Unternehmen circa 270 Mitarbeiter.

Leitenmaier:

Bei der Firma Lorenz Leitenmaier Straßen- und Tiefbau GmbH in Ziemetshausen wird „derzeit normal gearbeitet“, sagt Vorstand Fabian Ettinger. Aber die Entwicklung sei dynamisch, und er könne nicht sagen, wie es weiter geht. In erster Linie werde im Unternehmen Wert darauf gelegt, dass die Hygiene-Regelungen eingehalten werden. Das bedeute aber auch mehr Aufwand. Beispielsweise würden mehr Fahrzeuge eingesetzt, damit der nötige Abstand bei den Mitarbeitern eingehalten werden könne. Ein Notfallplan werde erstellt. „Zurzeit fahren wir auf Sicht“, sagt Ettinger. Das Unternehmen beschäftigt rund 250 Mitarbeiter.

Der Reha-Betrieb wurde eingestellt

Krumbad:

Im Heilbad Krumbad sind nach Auskunft von Geschäftsführer Peter Heinrich 116 Mitarbeiter beschäftigt. Kurzarbeit habe er für alle 116 angemeldet. Wie bereits berichtet, ist nicht ausgeschlossen, dass im Krumbad Corona-Patienten mit milderen Symptomen zur Beobachtung untergebracht werden.

Das Krumbad ist für den regulären Reha-Betrieb geschlossen. Das Heilbad musste Kurzarbeit anmelden.
Bild: Monika Leopold-Miller

Die aktuelle Situation bedeute für das Bad einen nahezu 100-prozentigen Umsatzausfall. Im vom Haupthaus getrennten Therapie-Pavillon werden nur noch wenige Patienten ambulant behandelt, wenn eine „dringende medizinische Notwendigkeit“ vorliege. Wann das Krumbad seinen regulären Betrieb wieder aufnehmen könne, sei, so Heinrich, derzeit völlig unklar.

Wie ist derzeit die Lage bei Borgers Süd: Dazu gibt es mit Geschäftsführer Josef Lutz ein ergänzendes ausführliches Interview:

Kurzarbeit: Wie Borgers Süd in Ellzee und Krumbach auf die Corona-Krise reagiert

Auch die Traditionsfirma Wanzl ist von der aktuellen Lage hart betroffen:

Wanzl unterbricht wegen Pandemie seine Produktion

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