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09.03.2009

Moralisch sein ist gar nicht leicht

Ichenhausen So ist das halt: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. Um diese alte Erkenntnis rankt sich das Stück "Der Freigeist" des französischen Autors Eric-Emmanuel Schmitt.

Die "Neue Bühne Ichenhausen" hat aus dem 1997 uraufgeführten und seitdem vielfach preisgekrönten Werk einen höchst amüsanten, ironischen und geistreichen Theaterabend gemacht - das zahlreiche Premierenpublikum war hingerissen.

Im Zentrum der Geschichte steht der französische Philosoph und Aufklärer Denis Diderot (1713-1784). Er muss für seine berühmte "Enzyklopädie" noch rasch ein Kapitel schreiben - ausgerechnet über die "Moral". Er scheitert kläglich. Natürlich, wen wundert's, wegen der Frauen, die ihn umschwirren wie die Motten das Licht. Glaubt er. Dabei ist Diderot, der große Freigeist, doch eher die Motte denn das Licht. Ein männliches Schicksal?

Auf vergnügliche Weise darf gerätselt werden, wer denn nun wen verführt und manipuliert in diesem alten Spiel aus Liebe und Liebelei, Sinnlichkeit und Erotik, Treue und Ehebruch, Moral und Unmoral, Lug und Trug, Schein und Scheinheiligkeit, Dichtung und Wahrheit.

Moralisch sein ist gar nicht leicht

Es ist der Diderot in uns allen, der da auf der Bühne in Ichenhausen steht - moralisch durchaus anspruchsvoll gegenüber anderen, in eigener Sache aber jederzeit bereit, fünfe auch mal grade sein zu lassen. "Moral ist die Kunst, glücklich zu sein", formuliert der Philosoph unverbindlich - und räumt ein, in dieser Hinsicht wohl doch ein ungeübter, wenn auch strebsam bemühter "Bastler" zu bleiben.

Wunderbare Inszenierung unter der Regie von Claudia Heinz

Unter der Regie von Claudia Heinz ist der "Neuen Bühne Ichenhausen" im zehnten Jahr ihres Bestehens eine wunderbare Inszenierung gelungen. Olaf Ude glänzt als Diderot, gar köstlich ist Erni Lintner als seine (betrogene oder doch auch ihn betrügende?) Ehefrau Antoinette. Souverän auch die schauspielerischen Leistungen von Judith Rüßmann als Portraitmalerin Anna Dorothea Therbouche, Heidi Ewerth als Diderots Tochter Angélique, Susanna Jordan als Baroness d'Holbach und Luisa Rüßmann als Diderots Sekretär Baronnet.

Professionelles Bühnenbild

Für das bezaubernde und professionelle Bühnenbild sorgten Dieter Dempewolf, Gerhard Sprenger und Franz Wawra, musikalisch auf das Stück eingestimmt wurden die Zuschauer im voll besetzten "Dilldapper" von Elke Gallenmüller und Markus Putzke. Liebevoll und mit zu Diderots Zeit passenden Accessoires hat Claire Allgäuer den Saal geschmückt, verdienstvoll zudem, dass die "Neue Bühne" den Besucher mit einem Faltblatt über Stück und Autor informiert. Es sind auch Details, die einen Theaterabend zu einem Erlebnis werden lassen.

Bleibt die Frage: Wer ist nun frei? Der Geist? Der Körper? Beide oder keiner? Sicher ist, dass wir nie sicher sein können. Auch in der Liebe nicht. Ihr will sich Diderot auch künftig nicht verweigern. Noch schöner aber findet er das Reden. Man(n) sollte drüber nachdenken.

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