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Krumbach

13.02.2020

Nach 25 Jahren: Fogelstaller gibt Vorsitz bei Krumbacher Kulturverein ab

Auch das Thema Fotografie spielte bei den Aktionen des Kulturvereins Kult immer wieder eine zentrale Rolle. Das Foto aus dem Jahr 2007 zeigt von rechts Lila Fogelstaller, Renate Luyben und Wolfgang Mennel.
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Auch das Thema Fotografie spielte bei den Aktionen des Kulturvereins Kult immer wieder eine zentrale Rolle. Das Foto aus dem Jahr 2007 zeigt von rechts Lila Fogelstaller, Renate Luyben und Wolfgang Mennel.
Bild: Peter Bauer

Plus Lange stand die 58-Jährige an der Spitze des Kulturvereins "Kult". Nun gibt sie bewusst den Vorsitz ab und sieht den Generationswechsel auf gutem Weg.

„Die Datei mit dem Jahresrückblick wird dann mit dem Protokoll mitgeschickt.“ Die Vorsitzende sagt das so wie bei jeder Jahresversammlung. Unaufgeregt, sich selbst nie in den Vordergrund schiebend. Doch das Treffen des Kulturvereins Kult an diesem Abend im Gasthaus Ringler ist keine gewöhnliche Jahreshauptversammlung. Es ist die letzte Versammlung, die Lila Fogelstaller als Vorsitzende des Vereins leitet. 25 Jahre stand sie mit an der Spitze des Vereins, der in Krumbach das, was man bisweilen mit dem Begriff „Kulturszene“ umschreibt, maßgeblich verändert hat.

Die 58-jährige Lila Fogelstaller ist keine Frau, die in ihren Erzählungen zum ausladenden „Anekdotisieren“ neigt. Sie deutet das, was der Verein auf den Weg gebracht hat, im Gespräch zunächst allenfalls an. Aber natürlich kommen an einem solchen Abend all diese Erinnerungen an die Anfänge des Vereins in den 90er-Jahren irgendwie zurück.

Auch das „mulmige Gefühl“ bei der Organisation der ersten Open-Air-Konzerte auf dem Krumbacher Waldsportplatz. 20000 Mark Investition für ein Konzert? Was passiert, wenn die Veranstaltung ein Flop wird? Mit ihrem Privatvermögen hätten dann die Vorstandsmitglieder geradestehen müssen, erinnert sich Lila Fogelstaller. Doch es kam glücklicherweise anders. Die Konzerte wurden zu mitunter beeindruckenden Erfolgen, teilweise kamen bis zu 2000 Besucher.

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Bedeutende Kunstausstellungen folgten

Es folgten ein Kinder- und Kulturcafé im Wiedemannskeller, Kino-Matineen im Krumbacher Filmtheater, im Jahr 2000 die erste Jugendkunstausstellung im Hürbener Wasserschloss, dann 2001 die erste Jahreskunstausstellung im neu gestalteten Mittelschwäbischen Heimatmuseum. Thomas Heitele war damals als neuer Museumsleiter nach Krumbach gekommen. Die Zusammenarbeit mit ihm und seiner Nachfolgerin Anita Roth sollte sich für den Kulturverein Kult und für gesamte Kulturszene in Krumbach als regelrechter Glücksfall erweisen. Maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat der Kulturverein den Literaturherbst. Jahreskunstausstellung und Literaturherbst haben sich über die Jahre hinweg zu regelrechten regionalen Kulturklassikern entwickelt.

Viele Jahre stand Lila Fogelstaller an der Spitze des Vereins, den sie am 23. Juni 1993 im Gasthof Diem zusammen mit Simone Göser-Wagner, Andrea Kaeuffer, Astrid Bauer und Conny Bühler auf den Weg gebracht hat. Warum legt sie nun den Vorsitz nieder? Und kommt in einem solchen Moment, nach so langer Zeit, auch ein bisschen Wehmut auf?

„Nein“, betont Lila Fogelstaller. Sie freue sich vielmehr, dass in den Verein mit der Organisation Subkult auch die jüngere Generation hineingefunden habe. Subkult mit auf den Weg gebracht hat maßgeblich Marc Hettich. Hettich (der an diesem Abend aus privaten Gründen nicht anwesend sein konnte) wurde bei der Versammlung im Gasthaus Ringler zum neuen Kult-Vorsitzenden gewählt. „Ich dachte früher einmal, dass auch der Verein sterben könnte, wenn unsere Generation nicht mehr die Dinge gestaltet“, sagt Lila Fogelstaller. Das sei glücklicherweise ganz anders gekommen. Und „ihre Generation“ werde jetzt ja keinesfalls aufhören, sondern sich weiter gerne in verschiedene Kulturprojekte einbringen. Subkult hat sich in den vergangenen Jahren bekanntermaßen immer wieder auch intensiv für die Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern engagiert. Dieses Thema spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle. Vorgesehen sind, wie auf der Versammlung zu erfahren war, unter anderem ein Kochen mit Flüchtlingen oder auch ein gemeinsames Konzert. Derzeit zählt der Kulturverein Kult 74 Mitglieder. Die Zahl hat sich zuletzt stabil entwickelt.

Lob von Bürgermeister Hubert Fischer

Zur Versammlung gekommen war auch Bürgermeister Hubert Fischer, der die Verdienste von Lila Fogelstaller und des Vereins für das Kulturleben in der Stadt würdigte. In Krumbach habe die Blasmusik stets immer einen hohen, bedeutenden Stellenwert gehabt. Doch dank des Kulturvereins Kult sei ergänzend dazu viel Neues auf den Weg gebracht worden. Dafür sprach er den Dank des Bürgermeisters, des Stadtrates und der Stadtverwaltung aus. Gleichermaßen freute er sich, dass es im Verein offensichtlich einen gelungenen Generationswechsel gebe.

Die gebürtige Stuttgarterin Lila Fogelstaller erinnert sich daran, wie sie mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern über Würzburg nach Krumbach kam. Auch daran, dass die Vorstandsmitglieder des Vereins in den Anfängen noch Bühnen selbst gebaut und Plakate selbst gemalt haben. Es bleibt eine bemerkenswerte Leistung, dass die Euphorie des Anfangs über all die Jahre hinweg nicht verloren ging. Lila Fogelstaller arbeitet heute als Sozialwirtin im Ursberger Dominikus-Ringeisen-Werk. Im Alter von 52 begann sie für diesen Bereich ein dreijähriges Studium. Sie ist keine, die das „an die große Glocke“ hängt. Aber auch das steht für eine Lebensbeharrlichkeit, die für Krumbachs Kulturleben auf eine beeindruckende Weise prägend wurde. Zum Abschied an der Spitze hat sich der Verein dann auch noch eine ganze Menge Humorvolles einfallen lassen. Künstler Andreas Birkner (Wabato) fertigte extra eine „Ehrenvorsitzenden“-Medaille, für die langjährige Schriftführerin Renate Luyben gab es eine „Ehrenmitglieds-Medaille“. Und dass die verdienten Vorstandsmitglieder künftig „freien Eintritt auf dem Kunstpfad“ haben – das ist ja selbstverständlich.

Der neue Kult-Vorstand

Vorsitzender: Marc Hettich (bisher 2. Vorsitzender) folgt Lila Fogelstaller an der Spitze nach.

2. Vorsitzender: Christoph Rampp.

Schriftführer: Max Wind (bisher Renate Luyben).

Kassierer: Weiterhin Peter Henzler.

Weitere Informationen zum Krumbacher Kulturverein Kult finden Sie hier:

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