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Krumbach

29.01.2019

Nach Überfall auf Getränkemarkt: So werden Jugendliche zu Straftätern

Mit dieser Schreckschusspistole wurde der Überfall in Krumbach verübt.
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Mit dieser Schreckschusspistole wurde der Überfall in Krumbach verübt.
Bild: Kriminalpolizeiinspektion Memmingen

Expertin Susanne Czudnochowski von der Jugendgerichtshilfe erklärt, wie es zu Vorfällen wie dem Raubüberfall in Krumbach kommt.

Frau Czudnochowski, sie betreuen in der Jugendgerichtshilfe junge Angeklagte. Haben sie öfter mit schweren Verbrechen wie dem Überfall in Krumbach zu tun?

Czudnochowski: An der Tagesordnung ist so etwas zwar nicht, mir ist Vergleichbares aber schon untergekommen. Es gibt eigentlich nur wenige Straftaten, die Jugendliche nicht ebenso wie Erwachsene begehen können.

Am Überfall in Krumbach waren sieben Personen beteiligt. Ist eine so hohe Zahl ungewöhnlich?

Czudnochowski: Ich hatte schon Raubüberfälle mit ähnlich vielen Tätern. Die Regel sind eher zwei bis drei Beteiligte. Bei der kleineren Anzahl ist die Logistik einfacher. Außerdem ist die Chance kleiner, dass etwas aus der Gruppe nach außen dringt.

Die Verdächtigen sind zwischen 15 und 20 Jahren alt. Wie kommt es, dass junge Leute so schwere Straftaten begehen?

Czudnochowski: Sie machen sich wenig Gedanken über die Konsequenzen. Ihnen fehlt oft das perspektivische Denken, sie überlegen sich also nicht, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Auch die Zusammensetzung des Freundeskreises spielt eine Rolle. Manche sind vielleicht risikobereit oder denken, dass sie schon nicht erwischt werden. Die eigentlichen Folgen ihrer Tat werden ihnen erst später klar. Oftmals bekommen sie erst in der Gerichtsverhandlung mit, wie es dem Opfer in der Situation ging und welche Folgen ihr Handeln für diese Person hat. Die Opfer sind nach Raubüberfallen in vielen Fällen massiv traumatisiert und können zum Teil nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Bei so etwas gehen Existenzen zugrunde. Das begreifen die Täter anfangs überhaupt nicht. Oft sehen sie nur die Gelegenheit, schnell und mit wenig Aufwand an Geld zu kommen. Für einige ist das reizvoll.

Susanne Czudnochowski arbeitet bei der Jugendgerichtshilfe und betreut jugendliche und heranwachsende Angeklagte in Gerichtsprozessen.
Bild: Bernhard Weizenegger


Den Jugendlichen fehlt also die Weitsicht?

Czudnochowski: So ist es. Ihnen ist nicht klar, dass auf sie gewaltige Probleme zukommen können. Ein Arbeitgeber könnte ihnen etwa die Kosten für einen neuen Mitarbeiter in Rechnungen stellen, wenn der alte Angestellte zunächst arbeitsunfähig ist. Die Jugendlichen merken das oft erst, wenn sie einen Schaden ersetzen müssen und ihnen der Betrag vom Lohn abgezogen wird.

Überfall in Krumbach: Jugendliche erkennen oft den Ernst der Lage nicht

Mehrere der Verdächtigen sind der Polizei bereits bekannt. Sollten erste Zusammenstöße mit dem Gesetz nicht abschreckend wirken?

Czudnochowski: Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Der Großteil der Jugendlichen hat nur einmal Probleme mit dem Gesetz, danach jedoch nie wieder. Wir haben aber auch Jugendliche, die immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Manche erkennen den Ernst der Lage erst, wenn sie zum ersten Mal in Haft kommen. Dann ist es aber oft schon zu spät.

Werden Jugendliche oft rückfällig, wenn sie bereits mehrfach Probleme mit der Polizei hatten?

Czudnochowski: Das geschieht seltener als bei Erwachsenen. Beim Thema Rückfall spielen viele Faktoren eine Rolle. Es kann sein, dass der Jugendliche einen neuen Job hat, den er nicht verlieren will, und sich deshalb nichts mehr zu Schulden kommen lassen will. Auch ein Wechsel des Freundeskreises oder ein neuer Partner kann so einen Effekt haben. Manche Jugendliche kommen dann wieder auf die richtige Bahn. Deutlich schwerer ist es, wenn sich Verhaltensweisen schon fest verankert haben.

Alles zu dem Raubüberfall auf einen Krumbacher Getränkemarkt lesen Sie hier: Gruppe junger Leute raubt Getränkemarkt aus

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