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Illertissen

14.06.2017

Nach Unfällen auf dem Flugplatz: Die Polizei ermittelt

Auf dem Illertisser Flugplatz haben sich am Samstag zwei Unfälle ereignet – bei einem wurde ein Fallschirmspringer schwer verletzt. Wie es dazu kam, will nun ein speziell geschulter Sachverständiger der Polizei herausfinden.
Bild: Symbolfoto: Andreas Trögele

Ein Experte will die Ursachen der missglückten Landung eines Fallschirmspringers und der Kollision zweier Segelflieger ergründen. Warum die Luftsportler keine Folgen erwarten.

Die beiden Unfälle auf dem Illertisser Flugplatz am vergangenen Samstag werden die Behörden wohl noch eine Weile beschäftigen: Ein Sachverständiger der Polizei ermittelt – und auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) in Braunschweig ist informiert. Ob das ein Nachspiel hat, sei noch offen, hieß es dazu gestern. Währenddessen nimmt man die Ereignisse bei den Piloten und Fallschirmspringern sportlich: „Wir wissen, dass so etwas passieren kann“, sagt Robert Fahrenschon vom Verein Paranodon, der den Wettbewerb am Wochenende ausgerichtet hat. Da helfe es nichts, „den Kopf in den Sand zu stecken“. Deshalb sei die Veranstaltung auch fortgesetzt worden.

Dramatische Szenen haben sich am Samstag auf dem Flugplatz abgespielt: Im Rahmen der süddeutschen Meisterschaften im Vierer-Formationsspringen ereigneten sich innerhalb weniger Stunden gleich zwei Unfälle. Am Vormittag stürzte ein 64-Jähriger mit seinem Fallschirm beim Landeanflug ab. Der Mann wurde mit einem Oberschenkelbruch in ein Krankenhaus gebracht. Am frühen Nachmittag missglückte dann der Start eines 89-jährigen Segelfliegers, der daraufhin mit seinem Flugzeug am Boden gegen ein anderes prallte. Verletzt wurde hierbei niemand, es entstand ein Sachschaden in Höhe von rund 5000 Euro, meldete die Polizei.

Mit Geschehnissen wird sich nun ein Flugsachbearbeiter der Polizei befassen: „Er wird dem Ganzen nachgehen“, sagte Franz Mayr, der Leiter der Illertisser Polizeiinspektion gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Solche Experten seien grundsätzlich in Orten stationiert, die über einen Flugplatz verfügen. Der Kollege habe sich ein Bild von der Lage gemacht. Der abgestürzte Fallschirmspringer konnte bereits vernommen werden. Nun gehe es darum, die Ursache festzustellen. Denkbar seien grundsätzlich eigenes Verschulden sowie Fehler am Material, beim Packen des Schirms oder des Flugzeugführers, so Mayr. Im konkreten Fall deute vieles darauf hin, dass der Springer einen Lenkfehler begangen hat: Der erfahrene Sportler sei mit einem neuen Schirm unterwegs gewesen, der sich in der Luft offenbar anders verhalten habe, als angenommen, sagte Mayr.

Aus seiner Sicht der Zwischenfall glimpflich ausgegangen, auch wenn der Mann einen Knochenbruch erleiden musste: „Er hatte wohl Glück im Unglück“, so der Polizeichef. Denn es hätten Zuschauer getroffen oder die Verletzungen des Springers weitaus schlimmer ausfallen können – so hätte der 64-Jährige mit einem anderen Einfallswinkel am Boden möglicherweise mit dem Genick gegen ein Hindernis prallen können.

Sobald die Ermittlungen des Luftexperten abgeschlossen sind, werden die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Dort entscheide man, was in der Sache weiter passiert – und ob möglicherweise eine Straftat im Raum stehen könnte. Davon geht Mayr bislang nicht aus, sondern davon, dass der Sprung „nicht gut gelaufen ist“. Die in der Nähe der Absturzstelle befindlichen Zuschauer hätten „Gott sei Dank“ bis auf den Schrecken keine keine Schäden davon getragen.

Auch der zweite Unfall erfordert noch Ermittlungsarbeit: Man werde mit dem 89-Jährigen sprechen, seine Fitness einschätzen und sich die Geschehnisse aus seiner Sicht schildern lassen, sagt Mayr.

Piloten müssten sich regelmäßig Gesundheitschecks unterziehen, sagt Luftsportler Fahrenschon aus eigener Erfahrung. Dabei würden sie „auf Herz und Nieren“ untersucht. Eine absolute Gesundheitsgarantie könne aber wohl niemand geben: „Passieren kann alles.“

Beim Luftamt Südbayern hat man Kenntnis von den Zwischenfällen, war gestern zu erfahren. Untersucht würden diese zunächst von der BfU in Niedersachsen. Die Ergebnisse könnten dann aber zu Maßnahmen des Luftamts führen: Etwa wenn der Zustand des Landeplatzes betroffen sei oder wenn der Pilot überprüft werden müsse. Man stehe regelmäßig mit der Polizei in Kontakt.

Folgen für den Luftverkehr in Illertissen erwartet Pilot Fahrenschon nach den Ereignissen vom Samstag hingegen nicht: „Wegen eines Unfalls wird ja auch nicht gleich die Straße zu gemacht.“ Grundsätzlich verhalte es sich mit Zwischenfällen in Luft so wie mit solchen am Boden: „Sie sollten nicht passieren, aber das kommt leider vor.“ Die Luftsportler nähmen die Geschehnisse zum Anlass, „sich an die eigene Nase zu fassen“. Sprich: das eigene Können und die Ausrüstung zu hinterfragen. Und: „Vorsichtig zu sein.“

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