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Ziemetshausen

21.05.2015

Nachts im Museum in Ziemetshausen

Wenn die Arbeitsmaterialien auch schlicht in Weiß sind, die Weißstickerinnen in der Wohnstube des Stegmannhauses waren ein auffälliger „Farbtupfer“. Sie sind heuer an allen Museumstagen bei ihrer anstrengenden Arbeit zu beobachten.
Bild: Peter Voh

Zur Eröffnung der Saison konnten sich Besucher jetzt ein Bild alter Handwerke machen

Die Museumsnacht im Webereimuseum lockte zahlreiche Besucher am Samstag nach Ziemetshausen. Zur Eröffnung der Museumssaison sprach Prof. Hans Frei über das Thema „Museum“, das allgemein das Sammeln, Renovieren und Archivieren von Gegenständen aus früheren Zeiten beinhaltet. Die Aktion in Ziemetshausen steht exemplarisch für zahlreiche Aktionen im Landkreis, viele Museen hatten dort zuletzt zu einem Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt eingeladen.

In Ziemetshausen habe man überwiegend mit Stoffen und Textilien sowie Holz in den vergangenen zwölf Jahren viel geschaffen. Während es vor 200 Jahren noch 18 Webmeister an der Zusam gab, die ihre Stoffe europaweit verkauften, haben die Stegmanns in Ziemetshausen nach dem 1. Weltkrieg mit einem gebrauchten Webstuhl hier erneut begonnen, Stoffe zu weben und nach dem 2. Weltkrieg in größerem Rahmen auch in einem eigenen Ladengeschäft bis zur Einstellung des Betriebes 1966 verkauft. Frei bezeichnet es als Glücksfall, dass die Marktgemeinde Ziemetshausen das Stegmannhaus gekauft habe. Er hoffe, dass das Webereimuseum, Stegmannhaus (als Heimatmuseum) und das Schreinereimuseum „bei de´ Hölzerne“ – noch lange weiterbetrieben werden kann.

Dr. Michael Küchle widmete dem Webereimuseum eine Ausstellung mit Fotos aus dem Maschinensaal des Museums. „… Und sie drehen sich doch“ ist das Motto der Ausstellung, die Bilder von Bewegungsabläufen der Antriebsteile der mechanischen Webmaschinen zeigt. Die Bilder im Websaal des Webereimuseums können an den Museumstagen (jeweils erster Sonntag im Monat) bis einschließlich Oktober angeschaut werden.

Dritter Bürgermeister Edwin Räder verkündete, dass die Teilinstandsetzung des Webereimuseums und der Grunderwerb für das Stegmannhaus (zur Sicherung einer potenziellen Museumserweiterung) aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert werden konnten. Am darauffolgenden Sonntag, dem Internationalen Museumstag, war in den Ziemetshauser Museen viel geboten. Aus dem Schreinereimuseum drang das gleichmäßige Geräusch der arbeitenden Gattersäge. Der Duft von frisch gesägtem Fichtenholz zog durch die Straße. Auch im Webereimuseum ratterten die Maschinen. Fast alle der teils über 150 Jahre alten Webstühle waren in Betrieb. Die Besucher konnten zusehen, wie Garne aufgespindelt und Stoffe gewebt wurden.

In der Spinnstube konnten die Besucher zwei in historische Gewänder gekleidete Spinnerinnen bei der Arbeit über die Schulter blicken. Kinder hatten die Gelegenheit, selbst Knöpfe zu wickeln. Das Stegmannhaus bot einen lebhaften Blick auf das Leben vor einem halben Jahrhundert in Mittelschwaben. Ein Blickfang waren auch die Weißstickerinnen, die mit flinken Fingern schöne Deckchen oder Untersetzer für den Festtagstisch herstellen. Dabei versäumten sie es nicht, wie früher schon, die Neuigkeiten im Ort auszutauschen. (vop)

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