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Ulm

06.07.2016

Neue Banden heizen Rockerkrieg an

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2 Bilder
Dass es die „Osmanen Germania“ nicht nur in Ulm gibt, zeigt dieses Bild. Anfang des Jahres wurde ein Treffen von Anhängern in Neuss (Nordrhein-Westfalen) von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.
Bild: Dieter Staniek/dpa

Nach Großeinsatz der Polizei ist klar: In der Region sind nun auch die Gruppierungen „Osmanen Germania BC“ und „Bahoz“ angekommen.

Die in Ulm bereits mannigfaltig vertretene Rocker-Szene ist jetzt um zwei Namen reicher: Wie Kenner der Materie unserer Zeitung mitteilten, steckten hinter einer drohenden Auseinandersetzung vergangene Woche, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, die kurdische Vereinigung „Bahoz“ und der türkische Kreis „Osmanen Germania BC“ – im Polizeijargon werden beide als „rockerähnliche Gruppierungen“ bezeichnet.

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In der Nacht zum Freitag verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der martialisch auftretenden Männergruppen. Demnach standen sich vor einem Döner-Lokal im Hafenbad in Ulm bis zu 60 Menschen kampfbereit gegenüber. Die Polizei sprach daraufhin einen Platzverweis aus und verhinderte auch in der Nacht immer wieder Auseinandersetzungen.

Offenbar spielt in dem Konflikt auch die Feindschaft zwischen Türken und Kurden eine Rolle. In den sozialen Netzwerken wird deutlich, wie ernst dieser Rocker-Streit zu nehmen ist: Auf einer im Laufe des Montags wieder vom Netz genommenen Facebook-Seite schreibt „Bahoz Ulm“ unter ein offenbar in Ulm aufgenommenes Foto mit Kuttenträgern: „Ich werde mit Männern kommen, die den Tod mehr lieben als ihr das Leben.“ Ein Zitat, das Chalid ibn al-Walid zugeschrieben wird, einem Gefährten Mohammeds, der auch einer der bedeutendsten arabischen Feldherren war. Bahoz ist ein kurdisches Wort und bedeutet so viel wie Sturm. Die Gruppierung beschreibt sich selbst als ein „antirassistisches, antifaschistisches Projekt“.

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Den Kurden gegenüber standen im Hafenbad Anhänger des „Osmanen Germania Boxclubs“. Diese Vereinigung entstand laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen 2015 in Frankfurt. Ihrer Gründung soll demnach ein Streit innerhalb der Hells Angels vorangegangen sein. Gestritten wurde und wird bei den „Höllenengeln“ darüber, ob junge Migranten als Mitglieder zugelassen werden sollen oder nicht, was letztlich zur Gründung des „Osmanen Germania Boxclubs“ geführt habe. Dieser kopiert offenbar – was Organisationsstruktur in lokalen Chaptern und auch ihre „Geschäftsfelder“ angeht – die Hells Angels. Unklar ist nach Expertenmeinung, in welcher Verbindung der „Boxclub“ nun zu den Hells Angels steht. Spekuliert wird deshalb in Insiderkreisen, inwiefern das Aufkommen der „Osmanen Germania“ mit einem regionalen Machtanspruch der Hells Angels zusammenhängen könnte.

Optisch sind weder „Osmanen“ noch „Bahoz“ von anderen Rockerklubs zu unterscheiden: Männer, Muskeln, Tätowierungen und Lederkutten mit großen Aufschriften dominieren. Wie Augenzeugen unserer Zeitung berichten, traten neben den Männern in „Bahoz“- oder „Osmanen“- Kutten auch Anhänger der „Red Legion“ auf. Diese Organisation ist inzwischen verboten. Der kurdisch geprägten Vereinigung wird eine Nähe zur PKK nachgesagt, was sie wiederum zu Feinden der „Osmanen Germania“ macht.

Auch „Black Jackets“, die der „Red Legion“ spinnefeind gegenüberstehen, wurden im Hafenbad am Freitagabend gesichtet. Diese wiederum geraten immer wieder in Konflikte mit den „United Tribuns“. Doch wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage sagt, gebe es keine Erkenntnisse, dass das jüngste Aufeinandertreffen der Rocker im Zusammenhang mit den Ereignissen aus Heidenheim stehe. Wie berichtet, wurde der Vizepräsident des Ulmer Chapters der „United Tribuns“ in Heidenheim mit drei Schüssen getötet, sein Bruder überlebte einen Bauchschuss. „Wir behalten sämtliche Gruppierungen im Auge“, heißt es bei der Ulmer Polizei. Für die Beamten ist klar, dass es zu „Folgetreffen“ kommen wird, die die Beamten mit „verstärkten Kräften“ begleiten werden.

Kenner der Szene gehen davon aus, dass sich hierzulande der politische Konflikt zwischen Türken und Kurden letztlich an handfesten Geschäftsinteressen entzündet. So sollen „Schutzgeldzahlungen“ in der regionalen türkisch geprägten Gastronomie ein großes Thema sein.

Dass Ulm kein Einzelfall ist, was derartige Auseinandersetzungen angeht, zeigte sich jüngst auch in Frankfurt am Main: Während des EM-Spiels Türkei gegen Tschechien konnte die Polizei nach Medienberichten nur mit Mühe und 100 Beamten einen „Rockerkrieg“ zwischen dem „Osmanen Germania Boxclub“ und einer kurdischen Gruppierung vermeiden.

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