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Krumbach

10.08.2018

Neustart für den Wiedemannskeller in Krumbach

Die Krumbacher Kultkneipe Wiedemanns Keller hat wieder geöffnet. Am Samstag ist Eröffnungsparty.
Bild: Angelika Stalla

Am Samstag ist Eröffnungsparty in der Kultkneipe in Krumbach. Was der neue Wirt Nasser Algadia ändern will und was bleibt.

„Ich möchte ein neues Leben anfangen“, erklärt der schlanke Syrer mit entschlossener Miene. Auch jetzt umspielt ein fröhliches Lächeln seine schmalen Lippen. Nasser Algadia will seine Vergangenheit hinter sich lassen. Seinen eigenen Neustart verknüpft er mit dem Neustart einer Krumbacher Kneipen-Institution, dem Wiedemanns Keller in der Mindelheimerstraße, auch Luvo genannt.

Am vergangenen Freitag findet sich ohne große Werbung bei einem kleinen Testlauf schon eine beachtliche Schar Gäste im Wiedemanns Keller ein. Hinter der Theke erklärt Sabrina Wullich Nasser, wie eine anständige Weinschorle gemischt wird. Ebenfalls im Dienst: Christiano, der schon unter Nassers Vorgängerin Conny Wagner im Luvo bedient hat und bekannt dafür ist, einen betrunkenen Gast auch mal sicher nach Hause zu bringen.

Nicht nur der engagierte Barkeeper, auch die charakteristischen Holzvertäfelungen tauchen die Räumlichkeiten immer noch in denselben weltoffenen, unverschnörkelten Do-it-yourself-Charme, der dem Luvo schon seit seiner Gründung anhaftet. Nur ein bisschen kahl wirken die Wände noch. Viele ehemalige Gäste haben nach der Schließung Elemente der Inneneinrichtung als Erinnerung mit nach Hause genommen. „Wir gehen davon aus, dass die Luvo-Fans das Inventar nach und nach wieder zurückbringen“, erläutert Helferin Eva Herold lachend.

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Die schwarz-weißen Musiker-Portraits oder die Stubenmusik-Ukulele werden also zurückkehren – aber auch ergänzt. Dezente arabische Zierelemente sind nur eine von vielen Ideen, die Nasser Algadia umsetzen möchte. Die Kinder- und Familienfreundlichkeit der syrischen Kultur kommt in dem Vorhaben zum Ausdruck, einen kleinen Kinderspielplatz einzurichten. „Hinter dem Haus, wo früher die Schafe grasen durften“, erklärt der 33-Jährige, „da können die Kinder sicher und weit weg von der Straße spielen“. Wer eine Rutsche, eine Schaukel oder andere geeignete Spielgeräte loswerden möchte, kann sich gerne an Nasser wenden.

Auffällig ist, dass das neue Luvo sehr sauber wirkt. Nassers Frau putzt täglich. Außerdem hilft sie in der Küche. Der neue Gastwirt bringt aber auch selbst Küchen-Kompetenz mit: In Syrien hat er als Chefkoch gearbeitet. „Für große Hochzeitsfeste mit 1000 Gästen“. Als Beduine mit Schafen und Kamelen hat er außerdem mit Käse und Butter gehandelt. Gibt es in Syrien auch Kneipen? Und wie sieht es da mit Alkohol aus? „In Damaskus gibt es viele Pubs. Die Menschen trinken aber nicht so viel Bier, lieber Wodka und Wein. Viele vermeiden Alkohol,“ erzählt er. Auch Nasser trinkt bisweilen ein „bissle“ Wein. Gelegentlich streut er augenzwinkernd ein schwäbisches Wort ein. Sein Deutsch ist schon ziemlich gut – fließend schwäbisch spricht er aber noch nicht. „Ich habe zwei Jahre lang bei Beltane gearbeitet“, erzählt er, „da haben viele Leute schwäbisch geredet.“ Darum versteht er unseren lokalen Dialekt gut.

Neben seinen ehemaligen Arbeitgebern haben sich einige andere freiwillige Helfer gefunden, um den Wiedemanns Keller herzurichten. Unter anderem Achim Fißl: „Das Luvo ist ein Stück meiner Jugend. Darum habe ich gerne geholfen“. Er freut sich außerdem über Nassers Engagement, sich eine eigene Existenz aufzubauen. „Am meisten haben Sabrina und Markus Wullich geholfen“, weiß Eva Herold. Markus Wullich arbeitet gerade zusammen mit Nasser an der Speisekarte, die künftig um einige arabische Leckereien ergänzt wird. Sonntag Vormittag ist arabisches Frühstück geplant. Beim Rahmenprogramm setzt Nasser auf die altbewährten Reihen „Meet & Eat“ und „Stubenmusik“. Auch bei der Kneipennacht im Oktober macht er mit.

„Viele Stunden Arbeit, verbunden mit einer Handvoll Menschen die einfach mit anpacken, sind es wert gewesen um das alte ’Wohnzimmer’ wieder bewohnbar zu machen“, fasst Markus Wullich die Aktivitäten zusammen. „Mit Nasser kommt frischer Wind in die Bude – und wenn der Wind durch alte Balken fegt, beginnt der Laden erneut zu rocken“. Wer das miterleben möchte, hat am Samstagabend bei der großen Eröffnungsparty übrigens Gelegenheit dazu.

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