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Niedrigzinspolitik: Hier wandeln sich Mentalitäten

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Kommentar Von Stefan Reinbold
08.11.2019

Die Niedrigzinspolitik der EZB sorgt nicht nur für eine schleichende Enteignung der Sparer, sondern auch für einen Mentalitätswandel hin zu einem Leben auf Pump.

Was da an Vorwürfen gegenüber den Sparkassen formuliert wird, klingt schon nach einem starken Stück. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Verbraucherzentralen – so wichtig diese Institutionen sind – nichts anderes sind als eine Art Anwalt der Verbraucher. Es ist ihre Aufgabe, die Interessen der Verbraucher zu schützen und das Wohl ihrer Klienten durchzusetzen. Das ist gut so.

Daraus leitet sich aber nicht automatisch ab, dass sie die absolute Wahrheit und das Recht immer auf ihrer Seite haben. Der Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit wird mitunter sehr subjektiv wahrgenommen. Inwieweit die Berechnungen der Verbraucherzentralen im Falle der Prämiensparverträge stimmen, wird daher ein Gericht, in diesem Fall der Bundesgerichtshof, prüfen. Auch das ist gut so, denn über Recht und Unrecht entscheiden in diesem Land glücklicherweise weder empörte Medien noch einseitige Interessensvertretungen, sondern die Gerichte.

Bis dahin muss auch für Banken die Unschuldsvermutung gelten. Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen sind keine Wohlfahrtsanstalten, sondern Unternehmen, die mit ihrem Kapital, dem Geld ihrer Kunden, verantwortungsvoll umgehen müssen. Unter Druck reagieren sie auch wie Unternehmen. In einem Umfeld, in dem durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank dem Geschäftsmodell der Sparkassen zunehmend die Grundlage entzogen wird, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als selbst zu sparen und neue Geschäftsfelder zu erschließen, soweit ihnen das überhaupt möglich ist. In der Konsequenz heißt das, Filialen werden geschlossen, Stellen reduziert und manchmal auch alte Verträge gekündigt. Letzteres ist besonders bitter, für alle Beteiligten. Denn damit wird Vertrauen verspielt.

Darüber hinaus befördert diese Entwicklung nichts weniger als einen finanzpolitischer Paradigmenwechsel. Die konstant niedrigen Zinsen entwerten nicht nur Sparvermögen, sondern verändern die Mentalität. Der Vorsorgegedanke tritt immer mehr in den Hintergrund, wenn Sparen bestraft wird. An dessen Stelle tritt ein kurzfristiger Konsum, der auf Pump finanziert wird, nach dem Motto: Lebe jetzt, bezahle später. Dabei ist es heute mindestens genauso wichtig wie vor 30 Jahren, jetzt schon an später zu denken.

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