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Medizin

09.11.2018

Nierenpatienten profitieren vom schnellen Internet

Dr. Ulrich Kugelmann

Das Mittelschwäbische Dialyse- und Shuntsymposium besteht seit zehn Jahren. Die Resonanz ist groß

Das Mittelschwäbische Dialyse-Shuntsymposium, das Dr. Ulrich Kugelmann, Chefarzt der Gefäß- und Endovaskularchirurgie an den Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, 2009 ins Leben gerufen hat, findet in ganz Schwaben und dem angrenzenden Baden-Württemberg hervorragende Resonanz. 130 Ärzte und Pflegekräfte haben sich jetzt in Krumbach beim zehnten Mittelschwäbischen Dialyse-und Shuntsymposium getroffen, das Kugelmann in enger Zusammenarbeit mit Dr. Hartmut Winter, dem Leiter des KfH-Nieren- und Dialysezentrum Günzburg, organisiert hat. „Der intensive Austausch zwischen verschiedenen Fachdisziplinen sowie zwischen Ärzten und Dialysepflegepersonal ist Erfolgsfaktor und Alleinstellungsmerkmal dieses Symposiums“, sagen Kugelmann und Winter.

Etwa 100000 Menschen in Deutschland sind auf ein Organersatzverfahren angewiesen, weil ihre Nieren nicht mehr arbeiten, und die meisten dieser Patienten brauchen Hämodialyse (Blutwäsche). Um mit diesem Verfahren die Giftstoffe aus dem Blut filtern zu können, wird ein Zugang zum Gefäßsystem gebraucht, mit dem pro Minute rund 300 Milliliter Blut entnommen und gereinigt werden können. Diesen Shunt legen Gefäßchirurgen, er ist eine Kurzschlussverbindung zwischen einer Vene und der Schlagader am Arm. Veränderte Druck- und Flussverhältnisse verändern den Shunt jedoch im Laufe der Zeit, was zu Problemen bei der Dialyse führen kann.

Die diesbezügliche Diagnostik und Therapie stand ebenso im Mittelpunkt der Tagung in Krumbach wie der Einsatz blutgerinnungshemmender Medikamente bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die besondere Therapie von Nierenerkrankungen auf der Intensivstation, aber auch neue Möglichkeiten der Telemedizin, mit denen sich die Lebensqualität von Dialysepatienten verbessern lässt.

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Dr. Christian Richter, Angiologe am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, erläuterte die Bedeutung der Ultraschalluntersuchung für die Diagnostik von Flussproblemen am Shunt. Nach einer orientierenden Untersuchung mit Abtasten und Abhören der Gefäßverbindung liefert eine ungefährliche Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße schnell Informationen über den Blutfluss im Shunt. So lässt sich in wenigen Minuten eine verlässliche Aussage über die Shuntfunktion treffen und wenn nötig auch ein Korrektureingriff planen. Gelegentlich entwickelt ein Dialyseshunt auch ein sehr hohes Kurzschlussvolumen von mehreren Litern pro Minute, das dem Köper für die Blutversorgung nicht zur Verfügung steht, aber vom Herzen zusätzlich umgepumpt werden muss. Das kann nicht nur zu erheblichen Herzproblemen führen, sondern auch zu Durchblutungsstörungen des betreffenden Armes und der Hand. Der Chefarzt Dr. Kugelmann erläuterte beim Symposium die Entstehungsmechanismen eines solchen High-Flow-Shunts und zeigte auch, welche Möglichkeiten Gefäßchirurgen haben, um das Flussvolumen wieder auf normale Werte zu reduzieren. Probleme am Shunt werden oft durch Engstellen der Blutgefäße verursacht. Nicht immer ist eine Operation nötig, häufig kann auch ein spezielles Katheterverfahren mit Ballon oder manchmal auch einem Stent hilfreich sein. Die Drücke, die man dabei für eine Aufdehnungsbehandlung aufwenden muss, liegen mit bis zu 24 bar deutlich über den Werten für derartige Behandlungen an den Herzkranz- oder Beingefäßen, erklärte Dr. Giesbert Leißner, leitender Arzt der Abteilung Interventionelle und operative Gefäßmedizin am Krankenhaus Aichach.

Der Einsatz von neuen Medikamenten

Professor Dr. Michael Spannagl, Hämostaseologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, informierte über die Möglichkeiten des Einsatzes von neuen Medikamenten zur Unterdrückung der Blutgerinnung (Antikoagulantien) bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Über die Bedeutung der Nierenfunktion in der Intensivmedizin sprach Privatdozent Dr. Gregor Kemming, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin der Klinik Günzburg. Da die Niere ein sehr gut durchblutetes und empfindliches Organ ist, sehen sich Intensivmediziner häufig mit Nierenfunktionsstörungen bei schwer kranken Patienten konfrontiert.

Erstmals rückten auch neue Aspekte durch die Digitalisierung in den Focus des Symposiums. Gabriele Hackenberg, Internistin und Nephrologin am internistischen Facharztzentrum mit Dialyse in Memmingen, berichtete über den Einsatz der Telemedizin am Nierenzentrum. Geeigneten Patienten kann dadurch die Dialyse zu Hause ermöglicht werden.

Über eine Speicherung der Dialysedaten und Vitalwerte des Patienten in einer Cloud kann das Dialysezentrum die Behandlungsqualität überwachen. Damit erspart sich der Patient die Wege ins Dialysezentrum und ist auch im Urlaub unabhängiger, was die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Ein positiver Nebenaspekt dabei: Die Behandlungskosten sinken. Unabdingbar für dieses Verfahren ist jedoch eine Anbindung ans schnelle Internet. (zg)

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