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Krumbach

04.09.2016

Oben an- und den Kopf frei bekommen

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4 Bilder
Martin Leopold am Kletterturm des Krumbacher Alpenvereins.
Bild: Anna Schmid

Der Klettersport liegt im Trend. Warum die neue Krumbacher Kletterhalle und der Kletterturm so beliebt sind

Den Kletterturm sieht man schon von Weitem. Obwohl es bereits dämmert, ragt er wie ein Berg aus dem kleinen Waldstück hervor, in dem das Gelände des Alpenvereins Krumbach liegt. Eigentlich ist er das ja auch: Ein Bergersatz für Kletterbegeisterte. Denn der Verein hat bereits über 1000 Mitglieder und auch über unsere Region hinaus wird er von Interessierten genutzt.

Heute gegen 18 Uhr klettert bereits jemand am Turm. Es ist Martin Leopold, der Jugendleiter des Alpenvereins. Dieser gehört zum Dachverband des Deutschen Alpenvereins, der sich in verschiedene Sektionen aufteilen lässt. Dazu gehört auch der Krumbacher Verein. „Unsere Sektion umfasst das Gebiet des ehemaligen Altlandkreises Krumbach“, sagt Dorothea Leopold, Jugendreferentin. Dabei seien besonders drei Bereiche zentral: Sport, Kultur und Umwelt, fährt sie fort. Zum Sport gehöre neben dem Klettern unter anderem auch Wandern, zur Kultur ein Chor und zur Umwelt umweltgerechtes Verhalten wie das Bilden von Fahrgemeinschaften, wenn der Verein etwas unternimmt.

Die Kletterer, die heute die Anlage nutzen und die Steilwände mit den Bunden Griffen erklimmen, sind geübt im Umgang mit ihrer Ausrüstung und wissen, wie sie sicher von oben nach unten und wieder zurückkommen. „Das ist auch sehr wichtig“, erklärt Dorothea Leopold. Denn wenn man beim Alpensportverein Krumbach klettern wolle, sollte man es bereits können oder vorher einen Kletterkurs besuchen, so die Referentin. Auf der Website des Vereins kann man sich über die Kurse informieren.

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Ein Kurs dauert zwei bis drei Tage

Heinz Zander, Ausbildungsreferent und zuständig für Technik und Sicherheit, fügt hinzu, dass ein Kurs zwei bis drei Tage dauere. „Die Kurse sind abends, damit auch Berufstätige sie besuchen können“, sagt er.

Seit 1997 gibt es den Kletterturm mittlerweile. Martin Leopold hat sich seinen Klettergurt angelegt, streicht mit der Hand über die Wand des Turms. „Er ist sehr felsähnlich, es gibt ganz viel Struktur, die man zum Klettern nutzen kann“, betont er. Das sei anders als in der Halle, denn dort gebe es lediglich die Griffe zum Klettern. Hier dagegen könne man auch die Wand selbst benutzen. „So ist es mehr wie in der Natur, da sind Felsen ja auch nicht rot, grün oder blau angemalt“, ergänzt Dorothea Leopold.

Dann beginnt ihr Mann, am Turm hinaufzuklettern. Wichtig: Klettern ist ein Teamsport, ein anderer Kletterer sichert ihn. Zuerst machen sie den Partnercheck. Sie sehen nach, ob beispielsweise der Gurt des anderen gut sitzt oder alle Knoten richtig angebracht sind. Anschließend kann losgeklettert werden. Auch da gibt es unterschiedliche Arten: Top-Rope, dann hängt oben bereits ein Seil, an dem sich der Kletterer festmacht. Die andere ist der Vorstieg, eine Technik, bei der Schritt für Schritt mit den sogenannten Expressschlingen ein Sicherungsseil am Turm oder der Wand, die man gerade emporsteigt, befestigt wird.

Martin Leopold klettert fast bis ganz nach oben. Er zieht sich Stück für Stück an den bunten Griffen hoch und stützt sich gleichzeitig mit seinen Füßen an ihnen ab.

Ausdauer und Beweglichkeit sind gleichermaßen wichtig

Fragt man in die Runde aus etwa sieben Leuten, was eigentlich das Beste am Klettern ist, bekommt man verschiedene Antworten. „Wenn man nach oben kommt“, sagt Heinz Zander. Für Martin Leopold ist der Sport ein gelebtes Abenteuer. Andere antworten, er helfe bei der Stressbewältigung und man müsse dabei den Kopf frei haben. „Außerdem ist Klettern ein Ganzkörpersport“, weiß Zander. „Man braucht alles: Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, ein gutes Auge für Details und Stabilität.“

Langsam wird es dunkel. Zander und Dorothea Leopold gehen nach innen, in die Kletterhalle. Sie sieht modern aus, an weißen Wänden sind farbige Griffe angebracht wie am Turm. Allerdings kann man hier sogar an der Decke entlang klettern. Daneben gibt es einen eigenen Bereich fürs „Bouldern“, eine Art des Kletterns, für die man ausnahmsweise keinen Partner braucht. „Bouldern bedeutet, ohne Sicherung in geringer Höhe zu klettern“, sagt Zander und zeigt auf einen kleinen Bereich mit einer riesigen, weichen Matratze am Boden. Aber auch beim Bouldern gelte: Kinder nicht allein lassen, denn hier könne man sich verletzen, so Jugendreferentin Leopold.

Aus Sicherheitsgründen wird die Anlage regelmäßig geprüft. „Wir wollen sichergehen, dass alles stimmt“, sagt Zander. Um auf dem Gelände klettern zu können, muss man sich eine Karte kaufen, Tageskarten gibt es bei Intersport Wolf in Krumbach, Zehner- und Jahreskarten im Verein.

Allerdings ist erst ab 18 Uhr Personal vor Ort. Hat man eine Karte gekauft, kann man das Gelände tagsüber mit dieser betreten und klettern, sie funktioniert dann wie eine Art Schlüssel. Von Zeit zu Zeit werden die Griffe am Turm und in der Halle abgeschraubt und in anderer Art und Weise angebracht als zuvor.

„Aus der Fantasie heraus überlegt man sich Bewegungsmuster, um nach oben zu kommen“, erklärt Zander. Und damit es nicht irgendwann langweilig wird, müssen die Routen eben hin und wieder geändert werden.

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