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Landkreis Günzburg

10.02.2020

Orkantief "Sabine": Grotte von Maria Vesperbild gerät in Brand

Heute Morgen brannte die Grotte in Maria Vesperbild aufgrund des Sturms. Rechts die bekannte Marienfigur von Ludwig Schuster aus Langenneufnach.
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Heute Morgen brannte die Grotte in Maria Vesperbild aufgrund des Sturms. Rechts die bekannte Marienfigur von Ludwig Schuster aus Langenneufnach.
Bild: Feuerwehr Ziemetshausen

In der Mariengrotte von Maria Vesperbild breiten sich Flammen aus. Zwischen Gaismarkt und Winzer wird ein 32-jähriger Pkw-Fahrer leicht verletzt.

Orkan "Sabine" fegt über die Region Mittelschwaben hinweg. Seit Stunden sind die Hilfskräfte, insbesondere die Feuerwehren im Dauereinsatz. Im Wallfahrtsort Maria Vesperbild geriet in den Morgenstunden des Montags die Mariengrotte in Brand. Durch einen umstürzenden Baum wurde ein 32-jähriger Pkw-Fahrer, der mit seinem Wagen zwischen Winzer und Gaismarkt unterwegs war, leicht verletzt, sein Wagen wurde total demoliert.

Teile der Grotte des Wallfahrtsortes Maria Vesperbild gerieten am frühen Montagmorgen gegen 6 Uhr wegen des starken Windes in Brand. In der Mariengrotte werden bekanntlich immer wieder von Gläubigen Kerzen angezündet. Wie der Ziemetshauser Feuerwehrkommandant Andreas Faith auf Anfrage berichtet, war offensichtlich der starke Wind dafür verantwortlich, dass das Feuer angefacht wurde, auch zahlreiche größere Kerzen in Brand gerieten und sich die Flammen ausbreiten konnten.

Marienfigur bei Brand offenbar nicht beschädigt

Wallfahrtsdirektor Monsignore Erwin Reichart, der sich am Montag in seiner Heimat im Allgäu aufhielt, wurde durch den Mesner über die Geschehnisse informiert. „Das ist schlimm“, sagt Reichart, aber er sei auch froh, dass die bekannte Marienfigur offenbar nicht beschädigt wurde und sich nach ersten Erkenntnissen der Schaden in Grenzen halte. Wie konnte es zu dem Brand kommen? Reichart berichtet, dass abends von Seiten der Wallfahrtsdirektion immer wieder darauf geachtet werde, dass Kerzen im Bereich der Grotte nicht brennen würden. Von den kleinen Opferlichtern geht aus seiner Sicht ohnehin keine Gefahr aus. Sind eventuell zur nächtlichen Stunde doch noch größere Opferkerzen angezündet worden? All das sei noch völlig unklar, sagt Reichart. Aber deutlich werde auch, dass die Kontrollen im Bereich der Grotte zur späten Stunde offenbar verstärkt werden müssten. Denkbar seien auch entsprechende Hinweisschilder für Besucher. Zu prüfen sei, ob Teile der Mauer der Grotte durch den Brand beschädigt worden seien. Wie Reichart weiter erläutert, sei durch einen herabstürzenden Baum eine Lagerhütte zerstört worden.

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Nach Auskunft des Ziemetshauser Kommandanten Faith, hat am Montagmorgen vor dem Eintreffen der Feuerwehr eine Passantin versucht, das Feuer in der Grotte zu löschen. Die Anfahrt zur Grotte sei für die Feuerwehr durch einen umgestürzten Baum versperrt gewesen, der zuerst zersägt und beiseite geräumt werden musste. Wie Faith erklärt, hat sich dann „eine größere Menge Kerzen und Kerzenwachs entzündet und der Wind fachte das Feuer immer weiter an.“ Das verflüssigte Wachs habe die Löscharbeiten der Feuerwehr erschwert. „Teile der Grotte standen in hellen Flammen.“ Die Feuerwehr setzte Schaummittel ein, mit denen es dann gelang, den Brand zu löschen. Die Madonnenfigur in der Grotte wurde offensichtlich nicht in Mitleidenschaft gezogen, unklar ist aber noch die Höhe des Sachschadens.

Brand in der Grotte von Maria Vesperbild: Die Höhe des Schadens war zuletzt noch unklar.
Bild: Feuerwehr Ziemetshausen

Wie in anderen Bereichen des Landkreises mussten auch in Ziemetshausen einige umgestürzte Bäume aus dem Weg geräumt werden. Gesperrt wurde von der Feuerwehr eine beschädigte Radbrücke bei der Zusammühle.

32-Jähriger wird bei Unfall leicht verletzt

Am Montag, gegen 7 Uhr, stürzte auf der Kreisstraße GZ 30 zwischen Winzer und Gaismarkt ein Baum auf einen fahrenden Pkw. Durch den umgestürzten Baum wurde, so die Polizei, der 32-jährige Fahrer des Pkws leicht verletzt und durch den Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Am Pkw entstand ein Totalschaden in Höhe von 9000 Euro. Nachdem die Gefahr bestand, dass noch weitere Bäume umstürzen könnten, wurde die Straße vorübergehend komplett gesperrt.

Mit 15 Mann war die Krumbacher Feuerwehr bereits morgens im Einsatz. Kommandant Mathias Vogel berichtet von mehreren Einsätzen wegen umgestürzter Bäume, einem Einsatz wegen eines gelösten Blechdaches einer Gartenhütte und wegen losgelösten Teilen, die herumflogen, etwa bei den Kreuzstuben am Marktplatz.

Dach der Niederraunauer Grundschule gesichert

Nach Niederraunau wurde mit der Drehleiter ausgerückt. Dort half man der Feuerwehr Niederraunau am Gebäude der Grundschule das Dach wieder zu sichern, nachdem Dachplatten herabgestürzt sind. Alarmiert wurde die Feuerwehr Niederraunau bereits um 7.07 Uhr zu einem Unfall auf der Kreisstraße GZ 30, wo ein Auto von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Nach Darstellung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West ist der neben der Straße stehende Baum auf die Leitplanke gekracht. Er war allerdings so lang, dass etwa ein Drittel des Stammes auf der Straße aufschlug. Unmittelbar danach sei der 32 Jahre alte Pkw-Lenker in diesen Baum gefahren und hat sich dabei leicht verletzt. Welcher Art diese Verletzungen waren, konnte die Polizei nicht sagen.

Einsatz der Feuerwehr Ziemetshausen am Montagmorgen: Teile der Grotte des Wallfahrtsortes Maria Vesperbild Kreis Günzburg waren in Brand geraten.
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Bilder: So wütete Orkantief "Sabine" im Landkreis Günzburg
Bild: Feuerwehr Ziemetshausen, Leserfotos, Bernhard, Weizenegger, Annegret Döring

Hinter dem Auto seien zwei weitere Bäume in dem Waldgebiet bei Winzer auf die Straße gestürzt, so dass der Wagen regelrecht eingekeilt war. Ein Ersthelfer brachte den Mann nach Winzer, da es am Standort selbst keinen Handy-Empfang gab. Er wurde dann weiter ins Uniklinikum gefahren. Kommandant Franz Jekle berichtet, dass der erste Einsatz bereits vorher stattgefunden habe, da eine Person im Niederraunauer Süden einen Lichtbogen gesehen und gemeldet hatte. Die Feuerwehr, die mit 18 Mann im Einsatz war, suchte das Gebiet, in dem auch eine Freiflächenfotovoltaik-Anlage liegt, ab, doch es wurde kein Schaden festgestellt.

Stromausfälle gab es im Landkreis Günzburg hauptsächlich im Süden, wie Pressesprecher Ingo Butters von der LEW-Verteilnetz GmbH (LVN) auf Nachfrage mitteilte. Der Höhepunkt der Störungen habe zwischen 5.30 und 6 Uhr gelegen. Ausgefallen seien drei Leitungen. Sie liegen zwischen Deisenhausen und Wiesenbach, bei Aletshausen und bei Kirchhaslach, knapp außerhalb des Landkreises Günzburg. Betroffen waren von diesen Leitungsausfällen die Orte Wiesenbach, einzelne Gebäude von Neuburg/Kammel, Unter- und Oberbleichen, Deisenhausen, Breitenthal, einzelne Straßenzüge im Krumbacher Süden, Waltenhausen, Aletshausen, Haupeltshofen, Weiler sowie Balzhausen und Teile von Aichen.

Stürmischer Himmel über Münsterhausen

Die Netzleitstelle Augsburg hat dann zusammen mit der Betriebsstelle beim ÜWK in Krumbach Umschaltungen vorgenommen, sodass ab 7 bis 8.30 Uhr alle Haushalte bis auf einzelne in Waltenhausen wieder mit Strom versorgt werden konnten, so Butters.

Kein Telefon und Internet in Teilen Thannhausens

An den Leitungen seien natürlich Schäden entstanden, die die nach und nach repariert würden. Die Leitungsreparaturen könnten sich aber einige Tage hinziehen. Die Haushalte merkten in der Regel davon nichts, da bis zur Reparatur die Umschaltungen bestehen blieben.

In Teilen von Thannhausen sowie in Ursberg und in Bayersried war der Strom zwischen 10.30 Uhr und 11.15 Uhr weg. Ursache war laut LEW ein Schaden an einer 20.000-Volt-Freileitung in diesem Bereich. In derselben Zeit waren auch Jettingen-Scheppach, Oberwaldbach und Freihalden von Stromausfall betroffen.

In Thannhausen kam es zu einer Unterbrechung bei der Telefon- und Internet-Versorgung für rund 250 Haushalte des Anbieters M-Net, da nach einem Stromausfall wohl auch ein Netzteil von M-net beeinträchtigt wurde, teilt ein Presseprecher der Firma mit. Einer Techniker konnte den Schaden inzwischen beheben. Seit etwa 17.10 Uhr müsste wieder alles funktionieren, so die Information. Die Unannehmlichkeiten für die Kunden nach der Netzstörung, die leider nicht zu vermeiden gewesen sei, bedauere das Unternehmen.

Einsätze in Thannhausen und Umgebung

Auch im südöstlichen Landkreis (Mindel- und Zusamtal) waren seit den frühen Morgenstunden bereits die Hilfskräfte im Einsatz. Unter anderem mussten mehrere umgeknickte und umgestürzte Bäume beseitigt werden.

Karl Heinz Pfitzmayr, Kommandant der Thannhauser Feuerwehr, berichtet, dass am Montag, gegen 7 Uhr am Augsburger Berg im Bereich der alten B 300 in Thannhausen ein Baum umgestürzt und der Radweg blockiert war. Die Feuerwehr beseitigte das Hindernis. Kurz darauf wurden in der Thannhauser Lindenstraße Dachplatten abgesichert.

Bild: Alex Rippl

Gegen 8.15 Uhr wurde die Thannhauser Wehr zu einem Einsatz nach Loppenhausen ins benachbarte Unterallgäu gerufen. Warum der Einsatz im Unterallgäu? Es sei eine Drehleiter benötigt worden, die Thannhauser Drehleiter sei die am schnellsten Verfügbare gewesen, erläutert Pfitzmayr. In Loppenhausen war ein Baum auf ein Hausdach gestürzt – und auf eine Stromleitung. Die Stelle wurde abgesichert. Um die Wiederherstellung der Stromleitung kümmerten sich die zuständigen Lechwerke (LEW).

Gegen zehn Uhr dann noch ein Einsatz im Bereich Ursberg. Im Dominikus-Ringeisen-Werk war ein Baum umgeknickt. In Bayersried im Bereich eines Hauses Dachplatten verschoben, die wieder „nachgesteckt“ wurden.

Kindergarten Ebershausen bleibt geschlossen

Auch im Südwesten des Landkreises waren Feuerwehrkräfte im Dauereinsatz. In Ebershausen beispielsweise wurden einige Dächer beschädigt, die Feuerwehr musste an verschiedenen Stellen umstürzte Bäume aus dem Weg räumen. In Ebershausen blieb wegen des beschädigten Daches der Kindergarten am Montag geschlossen. Vorsorglich wurde auch die Zufahrt zum Kindergarten gesperrt. Das Dach ist inzwischen wieder repariert. Unklar war zuletzt noch, ob der Kindergarten am Dienstag wieder geöffnet wird.

Schulfrei am Montag – in den Kindertagesstätten hingegen wurde sehr individell auf die Lage reagiert. Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer erklärt den Unterschied zu den Schulen. Es gebe bekanntlich eine Schulpflicht, Kindertagesstätten seien demgegenüber ein Angebot. In Krumbach beispielsweise sei in den Kitas das Personal wie üblich im Einsatz, die Kitas seien geöffnet. . Die Eltern könnten dann individuell entscheiden, ob sie ihr Kind in die Kita bringen oder nicht.

Straßenmeistereien: Noch "glimpflich davon gekommen"

Gerade die Höhenrücken im südlichen Landkreis waren von umgestürzten Bäumen betroffen, sagt Thomas Ritter, Abteilungsleiter Betriebsdienst beim Staatlichen Bauamt. So seien Sperrungen der GZ2 zwischen Maria Vesperbild und Langenneufnach, der GZ30 im Bereich Winzer und der GZ7 zwischen Niederraunau und Mindelzell nötig, außerdem musste eine Abbiegespur der B16 in Krumbach im Bereich der Bahnhofstraße gesperrt werden, weil Putz von einem Haus falle. Auch ein Baum sei auf der B16 in Krumbach schon umgestürzt. Insgesamt sei der Landkreis auch Sicht der Straßenmeistereien "glimpflich davon gekommen". Das Streckennetz werde aber weiter kontrolliert und auf Meldungen der Polizei reagiert. Man bleibe sowieso in Bereitschaft.

900 Anrufe bei der Rettungsleitstelle in Krumbach

In der Integrierten Leitstelle Donau-Iller in Krumbach gingen ab 5.30 Uhr die meisten Not- und Anrufe ein, sagt Leitstellen-Chef Reiner Wolf. Man habe sich durch die Wettervorhersagen darauf vorbereiten können, sodass die Leitstelle voll besetzt war. Bis kurz nach 13 Uhr gingen gut 900 Anrufe ein, es gab mehr als 400 Alarmierungen, größtenteils in den Kreisen Unterallgäu und Neu-Ulm, gefolgt von Memmingen und dem Kreis Günzburg. Meistens sei es um umgestürzte Bäume oder Zäune gegangen, teils auch um teilweise eingestürzte ältere Gebäude wie Stadel. Ab der Mittagszeit wurde die Überbesetzung der Leitstelle wieder abgebaut, man könne aber schnell wieder zusätzliches Personal aktivieren.

Am Dienstag wieder Schule

Die Schüler haben heute bekanntlich schulfrei. Wie der Leiter des Schulamtes für den Kreis Günzburg, Thomas Schulze, auf Anfrage mitteilt, habe die „Meldekette“ aus dem Amt über die Schulleiter bis hin zu den Eltern reibungslos funktioniert. Ihm würden keine Meldungen vorliegen, dass Schüler in die Schulen gekommen seien. Schulze koordiniert die Aktionen landkreisweit zusammen mit Andreas Merz, dem Direktor des Ursberger Ringeisen-Gymnasiums, der diesen Part landkreisweit für die weiterführenden Schulen übernimmt. Das Schulamt (in Krumbach angesiedelt) ist bekanntlich für die Grund-, Mittel- und Förderschulen zuständig. "In solchen Situationen spüren wir die Vorteile der digitalen Welt“, sagt Schulze. Die Eltern seien online intensiv mit der jeweiligen Schule verbunden. Wichtige Meldungen würden so auch als Pushup-Nachrichten aufs Handy kommen.

Entschieden wurde am Montagnachmittag, dass am Dienstag wieder alle Schulen regulär Unterricht halten würden. Auch alle Schulbusse würden wieder wie gewohnt fahren, so Thomas Schulze.

Wie sieht es im Wald aus?

"Es ist sicherlich gravierender als der Sturm in der vergangenen Woche", sagt Abteilungsleiterin Eva-Maria Birkholz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach zur Frage nach Sturmschäden im Forst. Tendenziell sei im Süden des Landkreises Günzburg mehr passiert als im Norden. Es sei jetzt aber noch zu gefährlich im Wald nachzusehen und Leute hinein zu schicken. Außerdem warnt die Fachfrau: "Spaziergänger sollten jetzt nicht in die Wälder gehen. Es besteht nicht nur die Gefahr, dass Bäume umstürzen. Auch aus den Kronen können immer wieder Äste herunterfallen, auch nach dem Sturm."

Lesen Sie hier unsere Informationen über die Lage im nördlichen Landkreis:

So wirkt sich der Orkan auf den nördlichen Landkreis aus

Hier noch unsere Information zum Schulausfall am Montag, 10. Februar:

Sturm: Die Schule fällt am Montag aus

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