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Ziemetshausen

07.11.2019

Plötzlich Waldbesitzer

Förster Hubert Forstner (Mitte) gibt Werner (links) und Ralf Ruppenthal immer wieder Tipps zur Waldbewirtschaftung. Vor zehn Jahren haben die zwei Brüder zusammen mit Freunden und ihrem Vater 20 Hektar Wald zwischen Thannhausen und Ziemetshausen gekauft. Ein Lehrgang im Rahmen des Bildungsprogramms Wald am Forstamt hat ihnen wichtige Grundlagen zur Forstwirtschaft vermittelt.
Bild: Stefan Reinbold

Ob durch Erbe oder als Geldanlage: Mit einem Stück Wald kommt eine ganze Menge an Arbeit auf die Besitzer zu. Um sie vorzubereiten, hilft das Forstamt weiter.

Rötlich leuchten die Blätter der jungen Roteichen in der untergehenden Herbstsonne. In ihrem Schatten reckt sich ein kleiner Mammutbaum in die Höhe. Im Gegensatz zu den Eichen tut sich der Sequoiadendron giganteum wie der botanische Name des kleinen Bäumchens lautet, in unseren Breiten etwas schwer. Ralf und Werner Ruppenthal haben trotzdem Freude daran, in ihrem Wäldchen etwas auszuprobieren.

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Welche Fördermöglichkeiten Waldbesitzer in Anspruch nehmen können

Vor zehn Jahren haben die beiden Brüder zusammen mit Freunden und ihrem Vater rund 20 Hektar Wald zwischen Ziemetshausen und Thannhausen erworben. Der Fürst von Oettingen-Wallerstein wollte sich damals von dem Wald trennen, die Ruppenthals hatten schon immer Lust darauf, einen eigenen Wald zu besitzen. Doch an den Kauf schlossen sich plötzlich viele Fragen an. Wie bewirtschaftet man überhaupt einen Wald und an welche Regeln muss man sich halten. Ein Wissen, über das die kleine Gruppe anfangs nicht verfügte. „Wir sind halt Automechaniker“, bringt es Ralf Ruppenthal auf den Punkt. Trotzdem wollten sie den Wald „vernünftig und im Einklang mit der Natur“ bewirtschaften. „Da ist forstliches Grundwissen unerlässlich“, sagt Ralf. „Wir wollen die Fehler der Vergangenheit, die mit den Fichtenmonokulturen begangen wurden, nicht wiederholen“, fügt sein Bruder Werner an.

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Förster Hubert Forstner steht den Ruppenthals gerne beratend zur Seite, allerdings hat Forstner noch andere Aufgaben zu erledigen. Weil immer häufiger Menschen durch Erbe an ein Grundstück im Wald gelangen oder bewusst ein Stück Wald als Investition erwerben, jedoch nicht über das nötige Know-how zur Bewirtschaftung verfügen, wurde ein Bildungsprogramm aufgelegt, das die Wissenslücken schließen soll. Vergleichbar mit dem Bildungsprogramm Landwirtschaft, das sich in erster Linie an Nebenerwerbslandwirte richtet, soll das Bildungsprogramm Wald, Waldbesitzer auf ihre Aufgabe vorbereiten. Nicht zuletzt geht es bei dem Programm auch darum, welche Fördermöglichkeiten Waldbesitzer in Anspruch nehmen könnten, etwa über das Methusalem-Programm, bei dem der Erhalt alter Bäume gefördert wird. Daneben werden Tipps für die tägliche Praxis weitergegeben. Auch im kommenden Jahr wird das Forstamt wieder einen entsprechenden Lehrgang anbieten, der sich mit sieben Abendveranstaltungen am Forstamt in Krumbach zwischen dem 7. Januar und dem 27. März an private Forstbesitzer wendet und Basiswissen vermittelt. Die Veranstaltungen sind für die Teilnehmer kostenlos, jedoch auf 30 Teilnehmer begrenzt.

Die Brüder Ruppenthal sind Forstners Musterschüler

Ralf und Werner Ruppenthal haben bereits einen solchen Lehrgang absolviert und sind sehr dankbar über die Grundlagen, die ihnen dort vermittelt wurden. Die Gruppe um die zwei Brüder und ihren inzwischen verstorbenen Vater ist für Forstner eine Art Musterschüler. Beim Gang durch den Wald zeigt er etwa auf eine uralte Tanne: „Das finden Sie in einem Privatwald extrem selten.“ Forstner ist begeistert. Etwa 15 solcher mächtiger alter Bäume haben die Ruppenthals stehen lassen. Damit sich der Wald von selbst verjüngt, sind alte Bäume enorm wichtig. Ihre Samen verbreiten sich in einem Radius von mehreren hundert Metern.

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Überall sieht man junge Tannen wachsen. Der Förster spricht von Naturführung, wenn der Wald selbst für Nachwuchs sorgt und der Förster nur regulierend eingreifen muss. Die natürliche Aussaat hat mehrere Vorteile.

Die Jungpflanzen sind wesentlich robuster als Setzlinge aus der Baumschule, ihre Wurzeln sind kräftiger und besser im Boden verwachsen und billiger sind sie obendrein auch noch. Darüber hinaus sind alte Bäume ein Lebensraum für zahllose Insekten, Vögel oder Säugetiere, auch dann noch wenn sie längst gestorben sind. Ralf Ruppenthal betont, ihnen gehe es darum, ihren Wald so stabil wie möglich zu gestalten, damit er Stürmen und anderen Kalamitäten standhält.

Herausforderungen des Klimawandels sind noch ungewiss

Die Herausforderungen, die der Klimawandel bereithält, sind riesig und noch ungewiss. Klar ist, dass die Fichte mit der zunehmenden Trockenheit kämpft. Aber auch die Buchen, die in ihrer Jugend ein eher schattiges Plätzchen brauchen, weisen vermehrt Trockenheitsschäden auf. Darüber hinaus spielt die Beschaffenheit des Bodens eine Rolle. In vieler Hinsicht gilt es einfach auszuprobieren, welche Sorten passen. Daher unterstützt Forstner die Ruppenthals in ihrer Experimentierfreudigkeit. Vor wenigen Jahren haben sie etwa einige Flatterulmen angebaut, an anderer Stelle wachsen Esskastanien oder eine Amerikanische Schwarznuss.

Die Stunden, die sie in ihren Wald investierten, könne man nicht mehr zählen. Ob sich der ganze Aufwand auch finanziell lohnt, steht für die Brüder ohnehin nicht im Vordergrund. Die Arbeit an der frischen Luft, in der freien Natur und das Gefühl, dem Wald durch ihre Form der Bewirtschaftung etwas Gutes zu tun, ist für sie ein Wert an sich. Darüber hinaus liefert der Wald genügend Brennholz für den Kaminofen. Die Rendite fährt im Wald ohnehin erst die Enkelgeneration ein.

Anmeldung für das Bildungsprogramm Wald unter 08282/8994-0. Mehr unter: www.aelf-kr.bayern.de

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