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Günzburg

22.02.2018

Prozess um blutige Schlägerei am Bahnhof und andere Delikte

Am Bahnhof in Günzburg hatte es einen blutigen Vorfall gegeben.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Zwei angeklagte Brüder sind der Justiz bereits wegen einer Attacke auf Ichenhausens Vize-Bürgermeister bestens bekannt. Einer wird per Haftbefehl gesucht.

Der 17-Jährige stand unter offener Bewährung, als er am 15. Oktober vergangenen Jahres in Ulm ohne Fahrschein unterwegs war. Das tat er bewusst, sagte er jetzt vor Gericht, mit einer Kontrolle hatte er nicht gerechnet. Verurteilt worden war er im März zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten, weil er mit seinem älteren Bruder an Beleidigungen und einer Attacke auf Ichenhausens Vize-Bürgermeister beteiligt war. Wegen anderer Angelegenheiten sollten sich die zwei Polen nun vor dem Günzburger Jugendschöffengericht verantworten, aber der ältere Bruder war nicht da. Richter Daniel Theurer ordnete an, dass das Verfahren gegen ihn abgetrennt und er mit Haftbefehl gesucht wird. Der Verteidiger wusste selbst nicht, wo sein Mandant steckt, auch die im Saal anwesende Mutter habe keine Ahnung. Er sei bereits seit Januar weg.

Zur Last gelegt wurde den beiden eine Reihe von Taten. So habe der Ältere am 27. Januar vergangenen Jahres einen Bekannten am Bahnhof in Günzburg mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der wehrte sich und schlug nach dem Angreifer mit einer Flasche Bier; der Schlag traf ihn im Gesicht und verursachte eine blutende Wunde. Daraufhin wichen die Brüder zunächst zurück, sollen dann aber gemeinsam auf das Opfer eingeschlagen haben, einer auch mit einer Flasche. Der Angegriffene war jetzt zwar zur Verhandlung geladen, fehlte aber, woraufhin der Richter 300 Euro Ordnungsgeld oder drei Tage Haft verhängte.

Mit einem weiteren Angeklagten wurden die Brüder zudem beschuldigt, am 26. März 2017 einen Bekannten am Museumsplatz in Ichenhausen auf die Ohren und ins Gesicht geschlagen zu haben. Dieser habe eine leichte Gehirnerschütterung und Kopfschmerzen erlitten. Der jüngere Bruder habe später ein Fahrrad auf ein Gleis am Bahnhof in Kleinkötz geworfen. Der Ältere, zur Tatzeit 19 Jahre alt, soll zudem am 14. Oktober eine Flasche Wodka gegen ein Glashäuschen des Bahnhofs Günzburg geschmissen haben, woraufhin die Scheibe zerbrach, und an einem anderen Tag einen am Boden Liegenden getreten haben.

Die Zeugen können sich nicht mehr so recht erinnern

Der jüngere Bruder räumte die Schwarzfahrt ebenso ein wie eine Beleidigung am 27. Januar. Er wisse nicht, wer damals mit den Schlägen begonnen habe. Er habe jedenfalls nicht zugehauen, auch wenn er es gewollt habe. „Da standen zu viele Leute um ihn herum.“ Er habe zuvor zwei kleine Radler getrunken, „ich war besoffen“. Am 26. März sei er weder bei einer Schlägerei noch am Bahnhof in Kleinkötz gewesen.

Das Jugendschöffengericht hörte mehrere Zeugen, die beide Brüder kennen, doch so recht konnte sich keiner erinnern. Einer sagte, beide seien im Januar am Bahnhof auf ihr Opfer losgegangen. Wer später zuschlug, habe er nicht gesehen. Erst als ihm der Richter seine Aussage bei der Polizei vorlas, bestätigte er das Geschehen so, wie es in der Anklage steht. Alle Zeugen sprachen dem älteren Bruder die Hauptrolle zu. Das „Opfer“ vom 26. März, ein junger Tscheche, verstand die Fragen des Gerichts nur mit Schwierigkeiten. Letztlich räumte er ein, bei der Polizei gelogen zu haben. Die Brüder hätten ihn nicht attackiert, er sei betrunken gewesen und umgefallen. Da er Streit mit ihnen hatte, habe er ihnen schaden wollen.

Eine lange Liste mit Einträgen im Strafregister

Die Liste der Einträge im Strafregister des jüngeren Bruders, der inzwischen mit seiner Familie von Kötz nach Ichenhausen gezogen ist, enthält eine ganze Reihe von einschlägigen Delikten wie Körperverletzungen und Beleidigungen, in einer Sache läuft noch ein Verfahren. Die des Bruders sei noch länger, meinte der Verteidiger des 17-Jährigen. Die Vertreterinnen der Jugendgerichts- und der Bewährungshilfe attestierten ihm trotz aller Probleme den Willen, an sich zu arbeiten. Er habe auch eine Lehrstelle als Maler und solle noch eine Chance erhalten. Er selbst sagte, sein Leben in den Griff bekommen zu wollen. Auch sein Verteidiger betonte, wegen 2,20 Euro bei einer Schwarzfahrt solle man einem jungen Menschen nicht seine Zukunft verbauen. Ansonsten sei ihm „nur“ eine Beleidigung nachzuweisen, neun Monate auf Bewährung seien angemessen. Er spielte auf die Staatsanwältin an, die keine gute Sozialprognose sah und betonte, der Angeklagte habe angesichts der Schwarzfahrt den Warnschuss nicht verstanden. Sie hatte ein Jahr ohne Bewährung gefordert.

Das Gericht verurteilte ihn wegen des Fahrens ohne Fahrschein und der Beleidigung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung – als allerletzte Chance. Zudem muss er drei Wochen in Dauerarrest, um zu begreifen, wie sich ein längerer Aufenthalt hinter Gittern anfühlt. Hinzu kommen ein Antiaggressionskurs und 100 Arbeitsstunden. Die Verfahrenskosten trägt der Staat. Sollte er sich noch eine Kleinigkeit zu schulden kommen lassen, betonte der Richter, „fährst du ein“ – dazu gehört auch ein selbst verschuldeter Ausbildungsplatz-Verlust. Der für den vermeintlichen Vorfall im März mitangeklagte Deutsche (auf einer Hand hatte er die Buchstaben ACAB tätowiert, was übersetzt für „Alle Bullen sind Schweine“ steht), wurde freigesprochen – aus Mangel an Beweisen.

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