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Günzburg

23.01.2019

Prügel und Tritte für den Ex-Freund

Fünf junge Leute haben einen 18-Jährigen in Leipheim in einen Hinterhalt gelockt und dort verprügelt. Jetzt stand die Gruppe vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls muss eine Gruppe junger Leute in Günzburg vor Gericht. Vom Jugendrichter gibt es deutliche Worte.

Jugendrichter Daniel Theurer hat den Angeklagten eine klare Aussage mit auf den Weg gegeben: „So was geht einfach nicht.“ Vier junge Männer und ein minderjähriges Mädchen hatten wegen einer Lappalie den Ex-Freund der 16-Jährigen in einen Hinterhalt gelockt und niedergeschlagen. Für diese Gewalttat kassierten die zum Teil Vorbestraften mehrere Wochen Jugendarrest, Geldstrafen und 360 soziale Arbeitsstunden.

Als alle Prozessbeteiligten zur Urteilsbekanntgabe aufstanden, wollte sich einer der Angeklagten schon auf den Weg aus dem Gerichtssaal machen, ohne sein Strafmaß anhören zu wollen. Einer der anderen jungen Männer hielt ihn gerade noch auf. Richter Theurer machte den Verurteilten eindringlich klar, dass er von dem Quintett „ab jetzt keinen weiteren Auftritt mehr will“. Sollte einer gegen die verhängten Auflagen wie Sozialstunden verstoßen oder Geldstrafen nicht zahlen, drohe bei einem erneuten Verfahren das Jugendgefängnis für bis zu zehn Jahre.

18-Jähriger sollte eine Abreibung verpasst bekommen

Was war passiert? Ende Mai vergangenen Jahres verabredete die Truppe eine Abreibung für einen 18-Jährigen. Dieser Ex-Freund des Mädchens hatte angeblich eine sogenannte Powerbank von ihr und sollte den Akkustromspeicher herausrücken. Um den gemeinschaftlichen Tatplan, so die Staatsanwaltschaft, umzusetzen, verabredete die 16-Jährige ein klärendes Gespräch, das am Wohnort des Opfers in Leip-heim stattfinden sollte. Die Angeklagten aus dem südlichen und nördlichen Landkreis machten sich gemeinsam auf den Weg.

Als der Ex-Freund zum Treffen kam, wurde er von einem der Täter gleich von Kopfstoß und Faustschlägen getroffen. Der 18-Jährige ging zu Boden, konnte sich noch aufrappeln und versuchte zu flüchten. Weit kam er nicht, er rutschte aus. Da wurden ihm weitere Faustschläge und ein Tritt in den Unterleib versetzt. Die Folgen waren laut Attest Blutergüsse, Prellungen und Schürfwunden.

Die Angeklagten kamen ohne Anwälte zur Verhandlung und räumten ihre Beteiligung an den schweren Übergriffen zum Teil zögerlich ein. Mehrere sagten, sie hätten von der Vorgeschichte gar nichts gewusst und auch nicht, dass eine Schlägerei geplant gewesen sei. Während einer von ihnen lediglich „aus Langeweile“ mitgefahren sei und nur die Flucht verhindern sollte, waren die anderen drei jungen Männer nicht gerade zimperlich bei ihrer Attacke.

Einige der Täter sollen maskiert gewesen sein

Das Mädchen gab zu, dass sie ihren Ex-Freund zum Treffen auf einem Parkplatz angerufen hatte. Sie habe aber angeblich nicht gewusst, dass das Opfer zusammengeschlagen werden sollte. Der Verprügelte sagte als Zeuge, dass einige der Täter sogar maskiert gewesen seien und er noch zwei Wochen unter den Folgen der Schläge und Tritte gelitten habe.

Einer der Angeklagten, ein bullig wirkender 19-Jähriger, hat sich außer der Körperverletzung einen Diebstahlvorwurf eingehandelt. Aus einem Klassenraum in der Hauptschule Thannhausen, die zu diesem Zeitpunkt renoviert wurde, hatte der junge Mann eine circa 50 Euro teure Handglocke mitgehen lassen. Weil er und ein weiterer Angeklagter außerdem schon wegen kleinerer Delikte Kontakt zur Justiz hatten, beantragte die Staatsanwaltschaft für sie jeweils zwei Wochen Jugendarrest. Susanne Czudnochowski von der Jugendgerichtshilfe attestierte allen Angeklagten, die zum Teil aus desolaten Familienverhältnissen stammen, fehlende Reife und empfahl soziale Trainingsstunden beziehungsweise Freizeitarreste, aber kaum Geldauflagen. Alle entschuldigten sich noch während der Verhandlung für ihr Fehlverhalten.

Richter Daniel Theurer verteilt Geldauflagen und Dauerarrest

Je nach Tatbeteiligung verurteilte Richter Theurer zwei der jungen Männer zu jeweils zweiwöchigen Dauerarresten und Geldauflagen in Höhe von 400 und 500 Euro, einen Angeklagten zu einer Woche und einen weiteren und die 16-Jährige zu zwei Freizeitarresten an Wochenenden. Alle Angeklagten müssen zwischen 60 und 80 Sozialstunden bei gemeinnützigen Institutionen leisten, die vom Jugendamt vorgegeben werden.

Einer der verurteilten Heranwachsenden erkundigte sich dann noch beim Richter, ob er seinen Jugendarrest dem Arbeitgeber verschweigen dürfe und ihn während des Urlaubs antreten könne: „Krank machen in der Zeit geht wohl nicht.“ Für diese gewagte Idee hatten weder Jugendgerichtshilfe noch Richter Verständnis.

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