Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Randsteine und Treppen, die das Leben schwerer machen

Krumbach/Thannhausen

20.03.2015

Randsteine und Treppen, die das Leben schwerer machen

Wiederholt haben Rollstuhlfahrer Probleme mit Tonnen. Wir waren mit Jutta Schuster (Krumbach, 49 Jahre) in der Krumbacher Innenstadt unterwegs.
2 Bilder
Wiederholt haben Rollstuhlfahrer Probleme mit Tonnen. Wir waren mit Jutta Schuster (Krumbach, 49 Jahre) in der Krumbacher Innenstadt unterwegs.
Bild: Peter Bauer

Noch immer haben gehbehinderte Menschen Schwierigkeiten, in den Städten barrierefrei voranzukommen. Doch es bewegt sich was.

Schwerer Unfall, schlimme Krankheit: Von einem auf den anderen Moment können Menschen auf einen Rollstuhl oder Gehhilfen angewiesen sein. Das so abstrakt klingende Wort „barrierefrei“ rückt dann plötzlich in den Mittelpunkt des Lebens. Wo gibt es Rampen, geräumige Aufzüge, abgesenkte Bordsteinkanten, Überquerungshilfen und Ähnliches? Was leisten hier die Städte Krumbach und Thannhausen? Wir haben nachgefragt.

Krumbachs Stadtbaumeister Björn Nübel verweist auf geplante Verbesserungen. In der Krumbacher Lichtensteinstraße wird auf Höhe der Berufsschule ein Überweg mit einem Fahrbahnteiler eingerichtet. Die Busbuchten werden verlegt. Wenn Straßen, Radwege oder Gebäude errichtet werden, für die es Zuschüsse aus der öffentlichen Hand gibt, ist es Pflicht, bei den Planungen den Behindertenbeauftragten mit einzubeziehen. Für den Landkreis Günzburg ist Johannes Schropp, der frühere Bürgermeister von Thannhausen, als Behindertenbeauftragter zuständig. „Die Lichtensteinstraße in Krumbach ist ein positives Beispiel“, sagt Schropp. Die neuen Busbuchten werden für ein barrierefreies Ein- und Aussteigen ausgerüstet. Und das „taktile Leitsystem“ wird eingebaut. Das heißt, am Boden leiten Platten mit Rillen, Rippen oder Noppen blinden oder sehbehinderten Menschen den Weg.

Mit dem Langstock ertastbar oder durch Schuhsohlen hindurch sind die Erhöhungen und Vertiefungen fühlbar. Auch beim geplanten Radweg Krumbach/Attenhausen ist der Behindertenbeauftragte gefragt. Sechs Prozent Steigung sollten nicht überschritten werden. Das ist nicht auf der ganzen Strecke möglich. Auf einem Teilstück beträgt die Steigung bis zu 15 Prozent. Hier sollen in Abständen Podeste als Ruheinseln eingebaut werden. „Da kann man verschnaufen und dann neuen Anlauf nehmen“, meint Schropp. Der Aufgang zur Kirche in Deisenhausen nennt Schropp als weiteres gutes Beispiel für Barrierefreiheit. Bayernweit läuft die Aktion Bayern barrierefrei bis 2023. Günzburg ist als Modellkommune mit dabei. Insgesamt sind es 16 Kommunen in Bayern, sagt Schropp.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Schön, dass die Krumbacher Innenstadt behindertengerecht werden soll“, meint zu diesem Thema Barbara Baierl. „Da fehlt aber noch viel“, ergänzt sie. „Ich bin selbst Rollstuhlfahrerin und fahre einen Aktivrollstuhl mit schmalen Reifen und keinen Elektrorollstuhl mit breiten Reifen. In der Krumbacher Innenstadt brauch ich immer eine Hilfsperson, die mir hilft, über den Marktplatz zu kommen. Denn die schmalen Reifen passen genau in die Fugen des Kopfsteinpflasters.“ Das rote Pflaster an den Fußgängerwegen sei bei Nässe rutschig. Manche Engstellen wie in der Mindelheimerstraße seien für manche Rollifahrer ohne Elektrorollstuhl zu schmal. Der Nebeneingang zum Stadtsaal sei zwar eine wunderbare Rampe, aber wenn Veranstaltungen dort sind, würden Stromkabel usw. dort liegen. Hier komme man als Rollstuhlfahrer nur sehr schwer durch. Und die schwergängige Eingangstüre des Rathauses sei eine Frechheit, das habe sie schon oft reklamiert. Über Facebook meldeten auch einige unserer Leser Schwachstellen in Sachen Barrierefreiheit. Jule Flügel sieht beispielsweise Nachbesserungsbedarf am Zebrastreifen in der Babenhauser Straße. Tim Weißenhorn monierte die Treppe gegenüber des Krumbacher Bahnhofs: „Kein Rollstuhlfahrer kommt an die Briefkästen.“ Auch an der Straße beim V-Markt in Thannhausen müsste mehr für Gehbehinderte getan werden. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, sei es für Rollstuhlfahrer besonders schwer, hier die Straße zu überqueren.

Immerhin seien in den Einkaufszentren in der Bürgermeister-Raab-Straße bereits in der vergangenen Wahlperiode überall die Bordsteine abgesenkt worden, erklärt Thannhausens Bürgermeister Georg Schwarz. Der Innenstadtbereich sei inzwischen sogar komplett barrierefrei. An der großen Kreuzung im Zentrum wurde ein taktiles Leitsystem im Boden installiert, das Blinden eine bessere Orientierung ermöglicht. Nachholbedarf sieht Schwarz noch in der Sudetenlandstraße. Er versichert, das Problem noch in diesem Jahr anzugehen. „Wir versuchen die Barrierefreiheit in der Stadt umzusetzen“, sagt Schwarz. Das Thema habe aufgrund der Nachbarschaft zu Ursberg besonders hohe Priorität. „Wir sind aber noch nicht am Ende, es gibt immer noch was zu tun.“

  • MN-Lesertelefon Wie barrierefrei und behindertengerecht eingerichtet sind Krumbach, Thannhausen und die Region Mittelschwaben? Zu diesem Thema gibt es am Dienstag, 24. März, von 11 bis 12 Uhr wieder ein MN-Lesertelefon. Unter der Nummer 08282/907-38 ist unsere Mitarbeiterin Monika Leopold-Miller erreichbar. Wir sind gespannt auf Ihre Meinungen und Anregungen.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren