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Buchbesprechung

18.03.2015

Renaissance der Fastentücher

Das neue Fastentuch der Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz in Mindelzell fügt sich gut in die barocke Umgebung ein. Es verdeckt in der Fastenzeit das Altargemälde von Konrad Huber.

Zwei neue Kunstführer zu den Fastentüchern in Mindelzell und Balzhausen

Die Gemeinde sei um eine Kostbarkeit reicher geworden, schreibt Prälat Ludwig Gschwind im neuen Kunstführer über das Fastentuch der Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz in Mindelzell. Das von Prof. Hilda Sandtner gestaltete Seidentuch ist gleichermaßen Kunstwerk und Meditationsobjekt. Es zeigt ein Kreuz und verhüllt in der vorösterlichen Zeit das von Konrad Huber geschaffene Altarbild.

Das leere Kreuz hat die Künstlerin raffiniert mit Lanze und Essigschwammstange, mit dem Gewand von Jesus und dem Tuch der Kreuzabnahme kombiniert. Eingerahmt wird das Kreuz von zwölf kleinen Bildern, die alle einen engen Bezug zur Passion Christi haben. Diesen Darstellungen vor allem widmen sich die Texte des Kunstführers nach der einleitenden Klärung der Tradition und Funktion von Fastentüchern.

Ludwig Gschwind greift diese Dinge auf, also beispielsweise die Dornenkrone, das Schweißtuch der Veronika oder den Hahn, der nach der dreimaligen Leugnung des Petrus zum zweiten Mal kräht. Er klärt jeweils den Sachverhalt, erläutert ihn mithilfe einer Reihe von Bibelzitaten und lotet dann die menschliche und vor allem die moralische Dimension des Gegenstands aus. Er bestellt dabei ein ungemein reiches Feld, denn in keinem Text der Weltliteratur dürfte es eine größere Dichte von menschlicher Größe einerseits und menschlicher Schwäche und Niedertracht andererseits geben. Gschwind mutet dem Leser zu, sich in die Rolle eines römischen Soldaten zu versetzen, der womöglich mit Ehrbegriffen und großen Erwartungen seinen Dienst antrat und nun zum Täter und Mittäter wird. Er fragt, wie viel Rohheit gegeben sein muss, dass Menschen am Fuß des Kreuzes um ein Gewand würfeln, während der Gemarterte mit dem Tod ringt. Er sucht aber auch nach Spuren von Mitleid, wenn beispielsweise die Soldaten es zulassen, dass Veronika Jesus das Schweißtuch reicht. Ludwig Gschwind zeigt, wie das Fastentuch den Betrachter in dieses Fragen hineinzieht. Dabei soll der Betrachter auch sich selbst hinterfragen und das Passionsgeschehen aktualisieren. Er soll aber auch Stärkung erfahren: Zu sehen, wie der gegeißelte Heiland seine Prüfung besteht, helfe, den Verletzungen und Kränkungen im Alltag gelassener zu begegnen.

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1989 hatte Hilda Sandtner, bis 1984 als Professorin für Kunsterziehung an der Universität Augsburg tätig, das Fastentuch der Pfarrkirche St. Vitus in Balzhausen geschaffen. Auch für diese künstlerische Arbeit veröffentlicht Ludwig Gschwind nun einen Kunstführer. Auch hier interpretiert er, nämlich die sieben dargestellten Szenen, welche die Werke der Barmherzigkeit behandeln.

Ludwig Gschwind: Sei gegrüßt, o Heiliges Kreuz. Das Fastentuch der Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz Mindelzell. Lindenberg (Kunstverlag Josef Fink) 2015

Ludwig Gschwind: Die geistigen Werke der Barmherzigkeit. Das Fastentuch der Pfarrkirche St. Vitus Balzhausen. Lindenberg (Kunstverlag Josef Fink 2015).

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