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Thannhausen

13.05.2015

Rocker mit Bodenhaftung

Peter Bader auf seiner Victory.
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Peter Bader auf seiner Victory.
Bild: Stefan Reinbold

Zusammen mit seinem Partner verwandelt Peter Bader Motorräder in richtige Feuerstühle. In dieser Welt aus knatternden Motoren, Tattoos und Pferdestärken hat der Familienvater nie den Kontakt zur Wirklichkeit verloren

Als Motorradtuner hat sich Bader zusammen mit seinem Partner Ludwig Hafner als H&B Motorcycle einen Namen in der Bike-Szene gemacht. Überall auf der Welt bestellen Kunden Teile. Aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz lassen Biker ihre Chopper von Bader zu sogenannten Powercruisern aufrüsten. Nach dem Chip-Tuning strotzen die Maschinen mit bis zu 140 PS vor Kraft und ermöglichen eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 200 Kilometer in der Stunde, sofern sich der Fahrer bei dem Tempo noch am Lenker festhalten kann. „Da ist ordentlich Bums dahinter“, sagt Bader und lächelt spitzbübisch.

Beide Unterarme voller Tattoos, raspelkurzes Haar, bullige Statur und ein kleiner goldener Schraubenschlüssel im linken Ohrläppchen – Bader wirkt auf den ersten Blick ziemlich verwegen, wäre da nicht dieses offenherzige, entwaffnende Lächeln. Bader ist zufrieden mit sich und der Welt. „Ich bin eher der gemütliche Typ“, beschreibt er sich knapp. Am liebsten kreuzt er ganz entspannt auf seiner weißen Victory mit 120 Sachen durch die Landschaft. Viel mehr Bodenhaftung als Bader kann man eigentlich nicht haben. Er ist verheiratet, Vater zweier Kinder, seit dem 14. Lebensjahr bei der Feuerwehr Thannhausen. Dort ist er einer der wenigen Maschinisten mit Lkw-Führerschein. „Das ist eine brutal gute Truppe“, schwärmt er. Daneben muss immer wieder Zeit für die Familie sein, das ist Bader wichtig.

Zum inneren Gleichgewicht Baders trägt auch die Tatsache bei, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. „Ich war der Erste in der Gegend, der so einen dicken Reifen hinten drauf hatte“, sagt er. Das Schrauben am Motorrad war schon immer ein Traum Baders. Anfang der 1990er-Jahre verschlang er die amerikanischen Motorradtuning-Zeitschriften und natürlich schwingt in seiner Seele eine satte Portion der großen Freiheit des Easy-Rider-Gefühls mit.

1998 begann Peter Bader mit seinem Partner Ludwig Hafner, Motorräder aufzumotzen. Zuerst neben dem Job. „Wir wollten nicht voll auf Risiko gehen, sondern es vernünftig aufbauen“, erinnert sich Bader. Vor sieben Jahren haben sich die beiden dann selbstständig gemacht. Der Erfolg gibt ihnen recht – der Laden brummt. Seit einem Jahr darf H&B offiziell den Kundendienst für den Harley-Davidson-Konkurrenten Victory anbieten und auch neue Motorräder dieser Marke verkaufen. Als „Zubrot“ sei das nicht schlecht. Regelmäßig sind die beiden Motorradfreunde auf den größten Custombike-Messen Europas vertreten. „Da musst du dabei sein“, sagt Bader. Aber seine größte Leidenschaft bleibt das Basteln. Oft tüftelt er auch abends noch an den Motorrädern herum. Etwa 30 bis 50 Maschinen baut Bader mit seinem Partner pro Jahr vom entspannten Cruiser zur regelrechten Höllenmaschine um. Die neuen Bikes holt er im Regelfall bei seinem Partnerhändler Ivan-Bikes in Pfaffenhofen an der Ilm. „Die kommen hier rein und werden gleich auseinandergerissen“, fasst er das Prozedere knapp zusammen.

Die meisten seiner Kunden seien gesetzte, ältere Herren mit Haus, festem Job und Familie, sagt Bader. Nachdem sie ihre Schäfchen im Trockenen haben, wollen sie „einfach ein bisschen Motorradfahren“. Das schlechte Rocker-Image passt nicht so recht zu dieser Klientel. Kuttenträger aus dem Milieu sind zwar auch dabei, aber eher selten. Bader hat es sich abgewöhnt, seine Kunden nach der Kleidung zu beurteilen.

Er selbst sei schon einmal mit den Arbeitsklamotten in ein Autohaus gegangen, um einen neuen Wagen zu kaufen. Keiner hat sich um ihn gekümmert. „Da werd ich grätig“, knurrt er. Ob jemand im Anzug kommt oder in der zerrissenen Jeans ist ihm egal. Die meisten kommen mit klaren Budgetvorgaben zu ihm. Bader erklärt ihnen dann, was sie dafür erwarten können. Er mag klare Ansagen und findet es gut, wenn man weiß, woran man ist.

Bader zeigt auf eines der aufgebockten Motorräder. Eine Suzuki Intruder. Schwarzer Lack und viel Chrom zum Basispreis von rund 15000 Euro – aber viel zu brav. Ein Schweizer hat sie sofort nach dem Kauf in Baders Hände gegeben. Für weitere 10000 Euro darf er sich nun an ihr austoben. Zunächst kommt der harmlose Original-Auspuff weg. Schließlich muss die Maschine hinterher richtig laut sein. Um allerdings auf deutschen Straßen legal unterwegs zu sein, braucht das neue „Donnerrohr“ einen manuellen Regler, mit dem die Lautstärke auf ein ziviles Maß gedrosselt werden kann. Ansonsten kommt die brüllende Röhre den Biker bei einem Treffen mit der Polizei teuer zu stehen. Auch das Original-Hinterrad muss einer richtig breiten Walze weichen. Viele der Teile haben Bader und sein Partner selbst entworfen. Regionale Handwerker und Unternehmer liefern die Werkstücke nach Maß.

Eine kleine Halle als Verkaufsraum

Seit Kurzem hat H&B nun im Gewerbegebiet in der Carl-Zeiss-Straße in Thannhausen eine kleine Halle als Verkaufsraum, wo die Kunden eine gewisse Auswahl an Motorrädern begutachten und auch einmal einen Proberitt wagen können. Am Samstag, 23. Mai, veranstalten die beiden Motorradschrauber dort ihr Frühjahrsfest. Was Bader besonders freut, ist, dass er Blues-Rocker Hank Davison für dieses Fest begeistern konnte. Nur zum Motorradfahren kommt er nur noch selten: „Ich darf es gar keinem sagen, aber im vergangenen Jahr bin ich, wenns hochkommt, hundert Kilometer gefahren.“

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