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20.06.2014

Rudolf Diesel statt Wernher von Braun

Wie viel Ethik braucht der Fortschritt? Um diese Frage geht es unter anderem bei der Person Wernher von Braun. 
Bild: dpa

 Memmingen kehrt anders als Thannhausen dem Raketenforscher den Rücken und benennt eine Straße um.

In Thannhausen lehnte die breite Mehrheit der Stadträte eine Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße im Westen der Stadt ab. Das Gegenteil war jetzt in Memmingen der Fall: Aus der Straße, die nach dem deutschen Raketenforscher mit umstrittener Vergangenheit benannt war, wird jetzt eine Rudolf-Diesel-Straße.

Mehrere Memminger Stadträte betonten von Brauns Verstrickung in das NS-Regime. „Er hat sich an verantwortlicher Stelle mitschuldig gemacht und kann deshalb nicht mehr Namensgeber in einem demokratischen Rechtsstaat sein“, sagte etwa SPD-Fraktionschef Dr. Hans-Martin Steiger. Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger berichtete zu Beginn der knapp halbstündigen Diskussion, dass der Gemeinderat des heutigen Stadtteils Amendingen im Jahr 1969 beschlossen habe, die Straße nach Wernher von Braun zu benennen. Dies sei unter dem Eindruck der Mondlandung geschehen, so der Rathauschef weiter. Von Braun ist ein Wegbereiter der Raumfahrt. Holzinger erwähnte auch, dass sich die Anlieger mit einer Ausnahme gegen eine Umbenennung ausgesprochen hätten: „Unter anderem wegen der Adressen-Änderungen.“ Es sei unbestritten, dass von Braun „in das NS-Unrechtssystem integriert war“, betonte Holzinger. Aufgrund seiner Verdienste um die Raumfahrt genieße er aber auch „hohes Ansehen in der westlichen Welt“. Holzingers Schlussfolgerung: „Ich würde beim jetzigen Namen bleiben.“ Für ihn sei aber denkbar, von Brauns Rolle in der NS-Zeit auf dem Straßenschild zu erwähnen. Doch diese Meinung war nicht mehrheitsfähig. Der Christliche Rathausblock sprach sich für eine Umbennung aus: Es sei „unstrittig, dass Wernher von Braun wissentlich und billigend den Tod Tausender Menschen in Kauf nahm, um seine wissenschaftlichen Ziele zu erreichen“.

Bei den gewonnenen Erkenntnissen über das Leben von Brauns „wäre es ein Unding, an diesem Straßennamen festzuhalten“, argumentierten die Grünen. Ähnlich äußerte sich die ÖDP-Fraktion: „Von Braun hat die Chance, Reue zu zeigen, nicht genutzt.“ Die Freien Wähler im Memminger Stadtrat stellten fest, dass „das Negative unstrittig ist“. Man könne es von Braun aber beispielsweise nicht anlasten, dass er sein Fachwissen nach dem Krieg den Amerikanern anbot.

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In Thannhausen hatte es einen regen Meinungsaustusch zum Thema Wernher von Braun gegeben. Mal kurz, meistens ausführlich und ambitioniert hatten Tannhauser Stellungnahmen abgegeben – am Ende waren es über 70 Seiten. Die Mehrheit hatte sich gegen eine Umbenennung ausgesprochen, auch fast alle Anwohner der Straße, die eine Unterschriftenaktion gestartet hatten.

Mehr zur Person Wernher von Braun gibt es bei einer neuen MDR-Verfilmung, die am Sonntag, 10. August, um 20.15 Uhr erstmals ausgestrahlt wird.

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