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Landkreis Günzburg

20.02.2020

„Sabine“: Was der Sturm im Wald angerichtet hat

Hier hat Sturm Sabine einige große Fichten umgeworfen. Oft fielen auch nur einzelne Bäume um. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten appelliert an Waldbesitzer, das Sturmholz rasch aufzuarbeiten und aus der Fläche zu holen, damit diese Bäume keine Angriffsflächen für den Borkenkäfer liefern. Das Bild stammt aus dem Raum Krumbach.
Bild: Sebastian Meyerhofer, AELF Krumbach

Plus Eine „Schneise der Verwüstung“ gab es nicht. Einzelne Bäume hielten dem Sturm nicht stand. Warum diese „Einzelwürfe“ dennoch „fatal“ sind.

Nach dem Orkan „Sabine“ sind Förster damit beschäftigt, eine Bilanz über die Schäden im Wald zu ziehen und haben einen ersten Überblick.

Förster Kay Reiff, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Günzburg-Krumbach, berichtet, dass vor allem sogenannte Einzelwürfe in den Wäldern zu beklagen seien. Einzelne Bäume seien entweder umgefallen oder auch abgebrochen. Diese Einzelwürfe seien eigentlich überall in den Waldgebieten verteilt, stärker betroffen waren Gebiete um Gundremmingen und bei Jettingen-Scheppach, aber auch der Süden des Landkreises. Die Forstbetriebsgemeinschaft Günzburg-Krumbach betreut im Landkreis rund 840 Hektar Wälder. Reiff und sein Kollege Florian Fingerle hätten ab Mitte vergangener Woche die Betreuungsgebiete der FBG Günzburg-Krumbach abgefahren, um die Schäden einschätzen zu können. Reiff ist eher für den Landkreisnorden zuständig und Fingerle für den -süden.

Die umgestürzten Bäume seien „wie immer“ hauptsächlich Fichten. Bei dieser Baumart sei es rotfaules Holz gewesen. Teils seien die Fichten dann in einem Meter Höhe abgerissen, manches Mal aber auch in der Mitte oder gar einer Höhe von acht Metern. Rotfäule zersetze langsam das harte Holz im Stamm, sodass dieser nach und nach innen weich werde und die Standfestigkeit leide. Befallen von Rotfäule würden häufig vom Borkenkäfer vorgeschädigte Bäume. Ebenfalls vom Sturm umgerissen wurden Eschen, die Vorschädigungen durch das Eschentriebsterben oder den Eschenbastkäfer aufwiesen. Letzerer befalle als Sekundärschädling Bäume, die durch das Eschentriebsterben bereits angeschlagen seien. Von außen sei dann manchmal erkennbar, dass die Rinde wegfalle. Solche Bäume fielen dann in Gänze plötzlich um, weil die Wurzeln abgestorben seien. Die FBG Günzburg-Krumbach betreut rund 1300 Waldbesitzer. Nicht alle Waldbesitzer im Landkreis Günzburg seien aber Mitglieder. Das nach „Sabine“ angefallene Schadholz belaufe sich im FBG-Bereich auf rund 4000 Festmeter.

Bis 35000 Festmeter Sturmschadholz aus dem Landkreis Günzburg

Ralf Tischendorf, Abteilungsleiter und Förster am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Krumbach, hat bereits einen Überblick über den gesamten Landkreis Günzburg. Nach den Schätzungen seiner Fachleute summiert sich das vom Sturm Sabine geworfene Holz auf eine Menge zwischen 30 000 und 35 000 Festmetern. Im Schnitt entspreche dies ein bis anderthalb Festmetern Sturmschadholz pro Hektar Wald. Eingerechnet seien darin Privatwälder, Staatswald und Körperschaftswald. Im Landkreis Günzburg gibt es über alle diese Waldbesitzarten verteilt etwa 8300 Waldbesitzer, so Tischendorf. Interessant dabei sei, dass knapp zwei Drittel der Wälder sich in der Größenklasse null bis einem Hektar Waldbesitz befänden.

Schnelles Handeln ist angesagt

Dass die Sturmschäden sich hauptsächlich in Einzelwürfen zeigten, sieht Tischendorf als fatal an. Privatwaldbesitzer hätten oft nicht die Zeit oder die Möglichkeit, sofort in ihrem Forst die Schäden aufzuarbeiten. Liege so ein Baum dann aber ein/zwei Monate im Wald oder blieben Kronenbrüche unaufgearbeitet, biete dies ein riesiges Potenzial an Angriffsfläche für den Borkenkäfer. Klimatisch befänden wir uns derzeit in einem milden Spätwinter. Ab 16 Grad Celsius begänne der Borkenkäfer zu schwärmen, also spätestens Mitte April. Wenn das Sturmholz bis dahin nicht aufgearbeitet sei, „dann holen wir das im Sommer nie mehr auf“, so Tischendorf. „Das Zeug muss jetzt aus der Fläche raus“, sonst bekäme man ein massives Schädlingsproblem.

Das AELF appelliert daher dringend an alle Waldbesitzer, sich an die für sie zuständigen Revierförster zu wenden. Diese könnten sie mit Beratung unterstützen, wie die Schäden am besten aufzuarbeiten seien. Die Waldbesitzer sollten schauen, ob im eigenen Wald geworfenes oder gebrochenes Fichtenholz liege und – je nach eigenen Fertigkeiten und unter Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften (persönliche Schutzausrüstung) – sich um die rasche Aufarbeitung zu kümmern. Notfalls sollten die Waldbesitzer die Schadensaufarbeiten auch an eine Fachfirma vergeben. Die Revierförster könnten auch beraten zu finanziellen Fördermöglichkeiten bei der Sturmholzaufarbeitung.

Druck auf den Holzpreis

So ein Sturm drückt bei der Vermarktung auch auf den Holzpreis. Tischendorf meint zwar, dass der Holzmengenanfall im Grunde den Markt nicht stören müsste, doch Kay Reiff von der FBG berichtet bereits von Druck auf den Holzpreis. Der liege eigentlich gerade bei rund 70 Euro pro Festmeter Fichtenholz im Bereich Kurzholz (das sind vier beziehungsweise fünf Meter lange Stamm-Abschnitte).

Doch es gäbe bereits erste Vermarktungsverträge, in der Vermarktungsgenossenschaft der FBGen, bei denen der Preisdruck sichtbar sei. Er rechne mit einer sturmbedingten Reduktion um rund zehn Euro pro Festmeter.

Aufpassen bei Freizeitgestaltung im Wald

Für Spaziergänger und Freizeitsportler hat Tischendorf folgenden Tipp: Jedermann solle aufmerksam in den Wald schauen. Die Bereiche, wo noch umgefallene Bäume oder beschädigte Baumkronen mit losen Ästen zu sehen seien, solle man meiden. Ansonsten seien in der Regel jetzt Straßen und Wege im Wald nach dem Sturm „Sabine“ freigeschnitten und das Betreten sollte dort möglich sein.

In Bereichen, in denen die Esche vorherrsche, sei Vorsicht geboten, da dort das Gefahrenpotenzial hoch sei und Bäume ohne Vorwarnung umfallen könnten. Daher seien diese Bereiche auch zu meiden. „Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand dabei, so Tischendorf.

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