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10.06.2009

Salut für den höchsten Herrn

Krumbach Bei der Geburt eines königlichen Prinzen verkünden 21 Salutschüsse das freudige Ereignis. Auch eine neugeborene Prinzessin wird auf diese Weise begrüßt. Ihr stehen allerdings nur 18 Schüsse zu. Die Ankunft eines erlauchten Erdenbürgers benötigt mehr als eine Geburtsanzeige. Nicht einmal das Geläut der Glocken reicht dafür aus. Böller müssen gezündet werden, damit keiner sagen kann, er habe es nicht gehört.

Königliche Prinzen, auf die das ganze Land wartet, königliche Prinzessinnen, auf die alle stolz sind, gibt es nur noch in den Monarchien wie in England oder Belgien, in Schweden oder Spanien. Bei uns mussten die hohen Herrschaften 1918 abdanken und seitdem gibt es keinen Kaiser mehr, auch keinen König. Da vermelden keine Böllerschüsse, dass es bei den Habsburgern oder bei den Wittelsbachern, bei den Hohenzollern oder Welfen Nachwuchs gibt.

Königliche Namenstage waren in Bayern früher einen freien Tag wert und natürlich Böllerschüsse. Die Republik hat andere Höhepunkte im Jahresablauf, aber das Protokoll bei Staatsbesuchen greift immer noch auf das Zeremoniell der Monarchie zurück. Da gibt es Ehrenformationen, die abgeschritten werden. Da gibt es Nationalhymnen, die gespielt werden, und ab und zu gibt es auch Salutschüsse.

Ansonsten treten die Böllerschützen nur mehr selten in Aktion. Wenn sich die Fahnen der Vereine am Grab eines ehemaligen Kriegsteilnehmers senken und die Blasmusik das Lied vom "Guten Kameraden" spielt, dann krachen Böllerschüsse. Ein weiterer Anlass ist alljährlich das Fronleichnamsfest. Mancherorts krachen die Böller bereits in aller Frühe. Mit dem Gebetläuten am Morgen wird die erste Salve abgeschossen. Jeden soll es an einem solchen Tag aus dem Bett reißen.

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Das Böllerschießen ist ein Salut für Christus, den Herrn der Herren. Es hat seinen Ursprung in der Ehrung weltlicher Prominenz. Hier geht es nicht wie beim Silvesterfeuerwerk oder beim Neujahranschießen, bei der Knallerei auf dem Hochzeitszug um einen Brauch, der seine heidnischen Wurzeln kaum verbergen kann, denn man wollte damit die bösen Geister und alle Dämonen verscheuchen.

Man erweist dem in der Brotgestalt gegenwärtigen Herrn die Ehre. Sowohl bei der heiligen Wandlung, dem Höhepunkt des Festgottesdienstes, als auch beim Segen an jedem der vier Altäre krachen die Böller. Alle Welt soll dem höchsten Herrn ihre Reverenz erweisen. Die Teilnehmer an Gottesdienst und Prozession tun dies, indem sie sich niederknien.

Lautstarkes Glaubensbekenntnis

In der Vergangenheit kam es beim Abfeuern der Böller hin und wieder zu Unfällen, sodass dieser Brauch in immer mehr Gemeinden aufgegeben wurde. Da und dort wurde es auch als Lärmbelästigung empfunden. Kinder würden dadurch erschreckt. Warum sollen sie nicht erleben, dass Fronleichnam etwas Besonderes ist? Es ist ein Fest, das alle Sinne erfasst. Die Frömmigkeit will sich eben nicht nur in Blumen und festlicher Kleidung, in Musik und Gesang ausdrücken, sondern auch im Salut. Insofern sind Böllerschüsse ein lautstarkes Glaubensbekenntnis. Unüberhörbar fordern sie dazu auf, Christus im Sakrament anbetend zu verehren.

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