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Niederraunau

23.05.2015

„Sauwohl“ fühlt er sich in Niederraunau

Die Traktormodelle von Jonas R. sind schon eingeräumt. Vater Bernhard kümmert sich währenddessen um den Fernseher.
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Die Traktormodelle von Jonas R. sind schon eingeräumt. Vater Bernhard kümmert sich währenddessen um den Fernseher.
Bild: Paul Steghöfer

Das Haus Nepomuk wird jetzt bewohnt. Einige Bewohner der Gruppe Maurus aus Ursberg sind schon umgezogen.

Jonas R. ist jetzt 21 Jahre alt. Langsam Zeit, von zu Hause auszuziehen, schließlich ist man in dem Alter ja erwachsen. Und obwohl er mit Martina und Bernhard, seinen Eltern, eine innige Beziehung hat, will er jetzt in ein neues Lebensstadium. Seine Eltern sehen das genauso und unterstützen Jonas nach Kräften. „Man muss das realistisch sehen“, sagt Martina. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Denn Jonas ist behindert mit leicht autistischen Zügen. Und gerade dann fällt es Eltern oft besonders schwer, loszulassen.

Vielleicht ist es bei Jonas ja auch ein bisschen leichter, den Jonas ist nicht aus der Welt. Sein neues Zuhause ist jetzt in Niederraunau, im neuen Haus Nepomuk des Dominikus-Ringeisen-Werks, nur zehn Kilometer von Jonas’ Heimatort entfernt. Wochenendbesuche im Elternhaus sind also kein Problem. Und da kann Jonas dann seinem liebsten Hobby nachgehen: Traktorfahren. Sein Faible dafür ist auch schon in seinem neuen Zimmer sichtbar, das gerade eingeräumt wird: Eine neiderregende Sammlung von Modellen historischer und aktueller Baujahre ist bereits akkurat im Regal aufgereiht, während Vater Bernhard am Fernsehanschluss bastelt.

Jonas ist eher schweigsam. Aber mithilfe der Eltern erfährt man doch so einiges, wie sein Alltag aussieht. Ein Fahrdienst stellt die Verbindung zwischen dem Wohnort Niederraunau und dem Arbeitsplatz Ursberg sicher. Dort arbeitet Jonas im „Hausdienst“ der Dominikus-Ringeisen-Werkstätten und der Förderstätte. Er übernimmt Vorbereitungen für die Arbeiten der Kollegen, Begleitdienste, ist Kurier für die Post und macht andere Botengänge, hilft beim Essenausteilen, mäht den Rasen. Eine vielfältige Beschäftigung, die ihm Spaß macht.

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Während man das erfährt, sind die Eltern mit dem Einräumen des Zimmers beschäftigt. Es ist hell und freundlich, mit einem direkt zugänglichen Sanitärbereich, den er sich mit einem Mitbewohner teilt. Und sein Einzelzimmer hat für Jonas ein ganz großes Plus: Man sieht von dort direkt auf das Feuerwehrhaus, vor dem jeden Montagabend Übungen stattfinden. Gibt es einen spannenderen Feierabend? Überhaupt ist die Umgebung ideal: direkt am weitläufigen Dorfplatz, verkehrsberuhigt, in nächster Nähe Kindertagesstätte und Grundschule, Bäcker und Metzger sind gut zu erreichen, schräg hinter dem Feuerwehrhaus ein Schloss mit Storchennest obendrauf, gleich dahinter die schmucke Pfarrkirche. Alles wirkt freundlich und aufgeräumt. Man möchte sofort einziehen.

Neben Jonas werden – wenn das Haus voll belegt ist – noch 23 andere Frauen und Männer im Haus Nepomuk wohnen. Einer von denen, die schon da sind, ist Gerhard A. Fast 60 Jahre hat er in Ursberg gewohnt. Auf die Frage, ob er nach Niederraunau umziehen wolle, hat er zuerst ablehnend reagiert: „Nö, i bin a Urschberger!“ Dann hat er sich’s doch noch überlegt, aber mit einer Bedingung: Wenn die Mitarbeiter auch mitgehen! Das war der Fall, und jetzt fühlt sich Gerhard A. bereits „sauwohl“ in Niederraunau. Und er teilt diese Meinung mit den zwölf anderen Bewohnern der früheren Gruppe Maurus in Ursberg, die mit umgezogen sind. Zwei wollten in Ursberg wohnen bleiben. Auch Gerhard A. nimmt weiter Angebote in Ursberg in Anspruch. Er besucht dort eine Seniorengruppe und nimmt an speziellen Freizeitangeboten teil.

Für die Mitarbeiter, Hauswirtschafter, Hausmeister und Handwerker war es eine große logistische Aufgabe, den Um- und Einzug zu organisieren. Bis jedes Unterhemd seinen richtigen Platz im Schrank gefunden hatte, bis jedes Bild am gewünschten Platz hing, all das und tausend andere Kleinigkeiten summierten sich zu einem Berg von Herausforderungen. Sie wurden souverän gelöst, und inzwischen gibt es ja auch schon reichlich Erfahrung mit solchen Umzügen, denn neue Wohnangebote des Dominikus-Ringeisen-Werks wie das Haus Nepomuk gibt es inzwischen viele. Helfen bei Ersteinzügen wie bei Jonas die Angehörigen mit, ist das eine große Hilfe. Oft auch für die Angehörigen selbst, weil sie damit eng in den Übergang in die neue Lebenssituation ihres Kindes einbezogen werden. Bei Bewohnern wie Gerhard A., bei denen ein Umzug nach jahrzehntelangem Wohnen an anderem Ort stattfindet, muss sich die Einrichtung um jedes Detail kümmern. Damit jeder Bewohner sich von Anfang an – wie Gerhard A. es formuliert – „sauwohl“ fühlt.

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