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Kultur

20.09.2018

Schätze aus alten Schriften

Akteure, die ihre Schätze an alten Schriften vorstellten (hinten von links) Maria Störk, Organisator der Literaten Wattenweiler Josef Kugler, Anni Böck, Irmtraud Schwarzkopf, Viktoria Spies, Christine Ibold, (vorne sitzende von links) Barbara Eifler, Charlotte Heubeck und Lothar Heubeck. <b>Foto: Anne-Marie Wiedemann</b>
Bild: Anne-Marie Wiedemann

Welche Akzente die Literaten Wattenweiler bei ihrer Zusammenkunft setzen

Wattenweiler/Höselhurst Die Literaten Wattenweiler stellten Schätze aus alten Schriften vor. Organisator der Literaten Wattenweiler, Josef Kugler, zeigte sich erfreut über das große Echo, das alte Schriften und damit Erinnerungen an Ahnen gefunden haben. Karin Schäfer, Vorsitzende der Literaten Günzburg trug als Gast und zur Vernetzung der Literaten bei.

Mit der Kurzfassung aus dem Buch „Die Deutsche Schreibschrift“ von Fritz Verdenhalven führte Irmtraud Schwarzkopf ins Thema ein. Sie entwickelte sich im 16. bis 18. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert beschrieben und mit Schriftmustern belegt. Mit der Erfindung der Stahlfeder, als Verbesserung zum Federkiel, bekam die Schriftform kalligrafische Züge, die sich mit den „individuellen“ Handschriften verlor.

Als die Lehrerschaft zwischen 1920 und 1930 wieder für die kalligrafisch einwandfreie Schreibweise focht, wurde man auf das vereinfachte deutsche Alphabet, steil und ohne Schnörkel des Grafikers Ludwig Sütterlin (1865 bis 1917), aufmerksam und als „Sütterlinschrift“ 1924 eingeführt und 1935 zur „Deutschen Schrift“. 1941 wurden Presse und Druckereien angewiesen, mit den lateinischen Typen der Antiqua-Schrift die gotische Form abzulösen. Seither ist die sogenannte Normalschrift aus lateinischen Buchstaben in Gebrauch.

Max Schindelbeck, Leiter des Sozialreferates im Bayerischen Lehrer und Lehrerinnenverband zählte mit seinem noch unveröffentlichten Buch „Das waren noch Zeiten“ heitere und nachdenkliche Lehrergeschichten von früher, in Sütterlin geschrieben, Quelle der Ausführungen. Er hat Interesse am Treffen der Literaten bekundet, um sein Buch vorzustellen.

Köstlich hörten sich die Rezepte aus einem Kochbuch des Jahres 1828 an, das Anni Böck vorstellte. In gewählter Sprache und alten Maßangaben machten sie damit Appetit auf Lebernockerln und Pfannkuchen. Anni Böck sorgt auch immer für einen ansprechenden Tischschmuck und bringt ihr umfangreiches Wissen um Pflanzen und Heilkräuter ein.

Aus dem Gedichtebuch ihrer Großmutter von 1892 las Barbara Eifler „Der Überfall in Wildbad“ von Ludwig Uhland vor. Mit Erzählungen für das deutsche Volk von 1855, Skizzen aus dem Alltagsleben von 1864 und der Verfassung des Deutschen Reiches von 1919 stellte sie weitere Schätze vor. Weil man nicht so viel Bücher hatte, waren sie wertvoll und die Genehmigung der Großmutter, etwas aus ihrem Bücherschrank nehmen zu dürfen, noch in guter Erinnerung.

Die alten Bücher von Christine Ibold stammen von einer Freundin der Familie, die einen verwitweten Akademiker geheiratet hatte. Ein bebildertes Kinderbuch aus den 1920er-Jahren mit Anleitung zum Schreiben lernen, das Bauernjahr in Mittelschwaben und über den Hoigarta mit alten Wörtern und Bezeichnungen ließ sie durch die Reihen gehen. Durch Briefe einer tragischen Liebesgeschichte oder Belegen für Schicksale in der Familie erkennen manchmal Nachfahren, dass sie genetisch gespeichert weitergetragen werden. „Sie können verstehen helfen, damit Frieden, und abschließen zu können“, so fasste eine Teilnehmerin ihre persönliche Sicht der Aufarbeitung zusammen.

Viktoria Spies las aus den Aufzeichnungen ihrer Familienchronik vor. Es ist eine Sammlung von Erzählungen, die ein Großonkel als Pfarrer aufgeschrieben hat. Spies wählte zum Thema Migration Beschreibungen aus, als im Ersten Weltkrieg Zwangsarbeiter aus Serbien auf den elterlichen Hof kamen, weil die Männer und Söhne im Krieg waren. Die Chronik beschreibt, wie sie mit ihnen Deutsch lernten, Geschichten, die sie in gebrochenem Deutsch erzählten und Lieder ihrer Heimat, die sie sangen. Einer von ihnen sagte einmal zu einem Förster, der sie schlecht behandelte: „Ich ohne Schule kann mehr als du, wo viel studiert.“

Lothar Neubeck gab mit einem Entlassungsschein aus der königlich bayerischen Armee vom 21. März 1844 mit der Beschreibung der Person, als es noch keine Fotos als Einblick in diese Zeit gab.

Mit dem Poesiealbum einer Seraphina aus Waldsee rundete Maria Störk den Abend ab. Es wurde 1871 begonnen und wie der erste Eintrag vom Vater wurden ihr viel gute Wünsche und Weisheiten mit auf den Lebensweg gegeben, auch in französischer Sprache. Ihre 104 Jahre alte Nachbarin hilft beim Lesen und Übersetzen der alten Schrift und Bezeichnungen. Durch die Literaten will sie die Texte mit der Übertragung zu neuem Leben erwecken, so ihr Ziel. (zg)

Das nächste Treffen am 13. November wird die Reihe der alten Schriften bei den Literaten Wattenweiler mit dem Thema „Frieden“ abschließen. Dazu sind Beiträge zur Frage „Was habe ich dazu zu sagen und welche Schlüsse ziehe ich daraus“ erwünscht.

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