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Memmingen/Landkreis Günzburg

24.03.2015

Schläge wegen eines klingelnden Handys

Handy, Telefonieren, Auto, Im Auto Telefonieren kann teuer werden, SMS schreiben
Bild: Martinan/Fotolia.com (Archiv)

Die Eifersucht eines jungen Mannes gipfelte in gewalttätigen Ausrastern. Warum sich seine Freundin nicht wehrte.

Nach der absichtlichen Fahrt gegen einen Baum vergangene Woche hat sich das Landgericht Memmingen gestern mit einem Stelldichein eines jungen Paares befasst, das in Gewalt endete. Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses kristallisierte sich immer mehr heraus, in was für eine verhängnisvolle Affäre beide hinein geschlittert waren.

„Die beiden Personen, die nie hätten zusammenkommen dürfen, sind hier zusammengekommen.“ So fasste Susanne Czudnochowski von der Jugendgerichtshilfe ihren Eindruck des 21 Jahre alten Angeklagten und seiner Ex-Freundin zusammen. Er zeigte sich extrem eifersüchtig, kontrollierte sie und machte sie mit Drohungen gefügig. Sie nahm alles hin und schien gefangen in der Vorstellung, dass schon noch alles gut werden würde. Aus einer Trennung wurde in kurzer Zeit wieder die große Liebe, sagte eine Freundin der Angeklagten: „An einem Tag hatte sie von ihm die Nase voll. Am nächsten hieß es wieder: Ich liebe ihn, ich liebe ihn.“ Warum sie sich nicht gewehrt oder andere um Hilfe gebeten oder die Polizei gerufen hätte, fragte der Verteidiger die junge Frau. „Ich konnte das in der Situation irgendwie nicht, wollte es selbst regeln“, gab sie zur Antwort.

Konkret ging es in der Verhandlung um ein Treffen am 14. Juli 2013. Die junge Frau hatte ihren Freund in Ichenhausen auf einem Parkplatz getroffen und zur Arbeit begleitet. Er reinigte Parkplätze in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen. Zunächst verbrachte man einen ruhigen Tag, dann entspann sich wieder ein Streit. Schließlich lenkte der Mann den Wagen auf einen Feldweg bei Möttingen (Landkreis Donau-Ries), wo man sich wieder näherkam und intim wurde.

Als während des Schäferstündchens das Handy der Frau klingelte, eskalierte der Streit. Der Mann sah, dass ein anderer Mann angerufen hatte. „Ich wollte, dass sie ihn zurückruft“, sagte der Angeklagte. Seine Freundin wollte das nicht. Da habe er ihr zunächst eine Ohrfeige verpasst und dann einen Hammer aus dem Laderaum des Transporters geholt und ihr mit Schlägen gedroht, sollte sie ihm das Handy nicht geben. Einen Schlag mit dem Hammerstiel räumte er ein. Das Opfer sagte, er habe mit dem Hammerkopf zugeschlagen. Außerdem berichtete sie von Faustschlägen gegen die Arme und ihren Rücken.

Im weiteren Verlauf würgte der Mann seine Freundin mehrfach. Als ein Landwirt und mehrere Helfer vorbeikamen, gelang ihr die Flucht. Doch statt sich an die Männer zu wenden, lief sie einfach weg. Der Angeklagte fuhr ihr nach und griff sie mehrfach an. Sogar angefahren habe er sie, sagte die junge Frau aus. Der Angeklagte bestritt diesen Punkt. Als er sich etwas beruhigt hatte, stieg die Frau schließlich doch zurück ins Auto und ließ sich nach Hause fahren. „Hätte sie mir gleich das Handy gegeben, wäre die ganze Aktion gar nicht passiert“, sagte der Angeklagte. Bis auf ein paar Prellungen und blaue Flecke trug die junge Frau körperlich keine Verletzungen davon. Nach dem Zusammentreffen trennte man sich für einige Monate. Eine Neuauflage der Beziehung Anfang 2014 endete damit, dass der Mann das Auto der Freundin bei einem weiteren Ausraster absichtlich gegen einen Baum steuerte.

Das Urteil wird Richterin Brigitte Grenzstein am kommenden Donnerstag fällen. Eine Jugendstrafe erscheint wahrscheinlich. Susanne Czudnochowski empfahl dies, und dass der Angeklagte in Haft eine Therapie machen sollte, um seine Emotionen in Konfliktsituationen in den Griff zu bekommen: „Auf mich macht es nicht den Eindruck, dass er im Moment zu einer normalen Beziehung fähig ist.“

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