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Landkreis Günzburg

12.06.2019

Schlechte Note für Nahverkehr im Kreis Günzburg

Am Krumbacher Bahnhof laufen sowohl Bahn- als auch Busverbindungen zusammen. Doch in kleineren Kommunen fehlt oft der öffentliche Nahverkehr – das sagt zumindest eine Studie des Verkehrsbündnisses „Allianz pro Schiene“.
Bild: Christian Gall

Plus Eine Studie des Verkehrsbündnisses „Allianz pro Schiene“ attestiert dem Landkreis eine schlechte Erreichbarkeit von Haltestellen.

Der öffentliche Personennahverkehr im Landkreis Günzburg ist unterentwickelt. Das geht aus einer bundesweiten Studie hervor, die das gemeinnützige Verkehrsbündnis „Allianz pro Schiene“ veröffentlicht hat. Nur 72,16 Prozent der Menschen in der Region erreichen eine Haltestelle in ausreichender Nähe. Im bundesweiten Schnitt bedeutet das Platz 326.

Für das Prädikat „ausreichend“ gelten zwei vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) empfohlene Messwerte: höchstens 600 Meter Luftlinie zwischen dem Wohnort und einer Bus- oder Bahnhaltestelle beziehungsweise maximal 1,2 Kilometer bis zum nächsten Bahnhof. Dieser muss wenigstens 20 Abfahrten am Tag ermöglichen. „Klimaschutz geht nur mit einer Verkehrswende. Die Menschen in Schwaben wünschen sich Alternativen zum Auto. Deshalb brauchen wir ein flächendeckendes Angebot von Bus und Bahn“, kommentierte der Landtagsabgeordnete Maximilian Deisenhofer (Grüne) die Auswertung. Im Vergleich zu benachbarten Landkreisen steht der Kreis Günzburg tatsächlich schlecht da. Während er auf Platz 326 abgeschlagen ist, kommt der Kreis Augsburg immerhin auf Rang 306, Neu-Ulm sogar auf Platz 154. Weit dahinter liegt dagegen das Unterallgäu auf Rang 361.

Lesen Sie zur bayernweiten Auswertung: Die Bayern sind bei Bahn und Bus weit abgehängt

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Flexibus wird in Statistik nicht berücksichtigt

Soweit die schlechte Bewertung der Allianz pro Schiene. Doch ein genauer Blick auf die Methodik des Verkehrsbündnisses zeigt, dass ein Faktor des Nahverkehrs nicht berücksichtigt wird: der Flexibus. Wie der Sprecher der Allianz pro Schiene, Markus Sievers, erklärt, wurden Rufbus-Systeme in die Auswertung nicht eingerechnet: „Es gibt eine Vielzahl an Flexisbus-Systemen, die extrem unterschiedlich sind. Daher ist es kaum möglich, diese in der Statistik zu berücksichtigen.“

Lesen Sie zum Flexibus: Die App für den Flexibus kommt nächstes Jahr

Staatsminister Hans Reichhart (CSU) sieht genau darin die Schwäche der Auswertung der Allianz pro Schiene: „Dadurch, dass dieser Faktor vernachlässigt wird, ist die Statistik unsauber. Ein großer Blick über Deutschland wird den Gegebenheiten vor Ort nicht gerecht.“ Reichhart hält auch die Kritik des Landtagsabgeordneten Maximilian Deisenhofer für unangebracht. „Wir im Landkreis Günzburg haben eines der saubersten Flexibus-Systeme, mit dem inzwischen fast alle Orte erreicht werden.“ Durch die Flexibilität des Flexibusses verfüge der Landkreis über tausende Haltestellen, die in der Statistik der Allianz pro Schiene nicht berücksichtigt worden seien. Zudem betont Reichhard, dass der Landkreis Günzburg mit zwei Bahnlinien über eine gute Anbindung auf der Schiene verfüge.

Das Angebot des Flexibusses begrüßt auch Maximilian Deisenhofer – er bezeichnet es als einen Schritt in die richtige Richtung. Doch im Schienenverkehr sieht er Luft nach oben: „Die Anbindung zwischen Günzburg und Krumbach oder von Mindelheim nach München müssen definitiv noch verbessert werden.“

In nur vier Jahren zehn Prozent mehr Fahrzeuge

Trotz Ausbau des Nahverkehrs steigt die Anzahl der Autos im Landkreis – das zeigen Zahlen des Landratsamts. Während der Fahrzeugbestand im Jahr 2015 noch bei gut 117.000 lag, stieg er 2016 auf rund 120.000, ein Jahr darauf lag er bei knapp 123.000. Die neuesten Zahlen stammen von Ende April 2019 – zu diesem Zeitpunkt waren im Landkreis 128.653 Fahrzeuge angemeldet. In nur vier Jahren kamen rund 11.000 Fahrzeuge hinzu – das entspricht einer Steigerung von knapp zehn Prozent. (cgal/zg)

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