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Krumbach

10.12.2014

„Schreiendes Unrecht“

Schätzungsweise 200 Menschen waren am Mittwochabend mit Kerzen zur Mahnwache für den Verbleib von Gloria Yosores und ihres Sohnes Joseph Benedict gekommen.
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Schätzungsweise 200 Menschen waren am Mittwochabend mit Kerzen zur Mahnwache für den Verbleib von Gloria Yosores und ihres Sohnes Joseph Benedict gekommen.
Bild: Peter Bauer

Abschiebung: Bei der Mahnwache bringen viele ihre Solidarität für Gloria Yosores und ihren Sohn zum Ausdruck. Doch das Landratsamt bekräftigt seine Linie

Es waren vielleicht die für viele bewegendsten Augenblicke des Abends. Als Freunde des neunjährigen Joseph Benedict ans Mikrofon gingen und darüber sprachen, was ihren Freund nach einer Abschiebung auf die Philippinen erwartet: Armut und Elend. Wie sehr die drohende Abschiebung von Gloria Yosores (46) und ihres Sohnes Joseph Benedict die Menschen in der Region bewegt, wurde am Mittwochabend deutlich. Schätzungsweise rund 200 Personen quer durch alle Generationen kamen mit Kerzen zur Mahnwache auf den Krumbacher Marktplatz. Die Mahnwache wurde vom Elternbeirat des Kinderhorts St. Michael organisiert. Elternbeirat Michael Striegel kritisierte in seiner kurzen Ansprache die Vorgehensweise des Landratsamtes.

Das Landratsamt bleibt indessen bei seiner Linie: Die in Krumbach lebende Philippinin Gloria Yosores (46) und ihr Sohn Joseph Benedict sind „vollziehbar ausreisepflichtig“. Pressesprecher Karl-Heinz Thomann: „Wir gehen von einer freiwilligen Ausreise aus“. Bekanntlich hatte der Unterstützerkreis vorsorglich ein Rückflugticket auf die Philippinen für den 23. Dezember gekauft, um eine Zwangsabschiebung zu verhindern. Die Anwältin von Gloria Yosores hatte vor dem Verwaltungsgericht Augsburg Klage gegen die vom Landratsamt ausgesprochene Abschiebung eingereicht, in den nächsten Tagen wird das Gericht darüber zunächst in einem sogenannten Eilrechtsverfahren entscheiden. Man erwarte sich davon auch Anhaltspunkte dazu, ob Landrat Hafner bei seiner Entscheidung einen Ermessensspielraum hatte, erklärt Thomann.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüßlein hatte zuletzt erklärt, dass nicht damit zu rechnen sei, dass Gloria Yosores und ihr Sohn umgehend ausreisen müssten. Normalerweise verständige sich die (Ausländer-)behörde mit dem Petitionsausschuss auf informellem Wege, von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen abzusehen, solange die Petition nicht abgeschlossen sei.

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Dazu erklärt Thomann, dass sich eine solche Vorgehensweise auf die erste Petition, nicht aber auf die jetzt eingereichte zweite Petition beziehe. Thomann nimmt Bezug auf die Position des Innenministeriums: In einem Schreiben des Ministeriums heißt es nach Informationen unserer Zeitung, dass die erneute Eingabe an den bayerischen Landtag keine aufschiebende Wirkung entfaltet. Es seien weiterhin keine Gründe bekannt, die die Erteilung von Duldungen rechtfertigen könnten.

Bekanntlich war die Mutter mit ihrem Anliegen vor den Verwaltungsgerichten Augsburg und München gescheitert. Die Härtefallkommission beschäftigte sich dann mit einer Petition, sie entschied sich aber gegen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Inzwischen haben die Unterstützer von Gloria Yosores eine weitere Petition auf den Weg gebracht. Der Petitionsausschuss des bayerischen Landtages kommt Ende Januar 2015 zusammen. Unklar war zuletzt aber noch, ob der Fall Yosores dann auf der Tagesordnung steht. Das hängt offensichtlich auch von den Ermittlungen der Polizei mit Blick auf eine eventuelle häusliche Gewalt in der Familie ab. Erst wenn der Petitionsausschuss beschließt, den Fall dann erneut an die Härtefallkommission zu überweisen, kann diese wieder tätig werden.

Georg Nüßlein war am Mittwoch für eine Stellungnahme zur jüngsten Entwicklung nicht erreichbar. Der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Professor Karl Kling, der sich seit vielen Monaten für Gloria Yosores und ihren Sohn einsetzt, hofft, dass es doch noch eine positive Entscheidung gibt.

Am Mittwochabend nahm Kling an der Mahnwache auf dem Marktplatz teil. Gekommen war auch Pfarrer Josef Baur. Man werde die Hoffnung auf einen doch noch guten Ausgang nicht aufgeben, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Bekanntlich hatte sich der Ehemann von Gloria Yosores getrennt – rund zwei Monate, bevor ihr ein dauerhaftes Bleiberecht zugestanden wäre. Seit 2011 sehen die gesetzlichen Bestimmungen vor, dass eine Ehe für ein dauerhaftes Bleiberecht drei Jahre lang halten muss. Im Gespräch mit unserer Zeitung weist Gloria Yosores darauf hin, dass der Stichtag dafür der erste Tag in Deutschland sei. Sie habe nach der Heirat aber drei Monate auf ein Visum warten müssen.

Und nun? Die drohende Abschiebung mache vor allem ihrem neunjährigen Sohn schwer zu schaffen, berichtet sie. Gloria Yosores stammt aus einem kleinen Dorf auf der Philippinen-Insel Mindanao. Die Fischerei prägt dort die Menschen, aber es sei ein armes Leben „von der Hand in den Mund“. Ihre Eltern seien inzwischen gestorben, ihre fünf Brüder und deren 30 Kinder würden in Armut leben. Landen würde sie nach einem Rückflug in der Hauptstadt Manila. Eventuell gebe es eine vorübergehende Bleibe in der kleinen Wohnung einer Bekannten. Aber bekannt ist, dass Menschen in einem Millionen-Moloch wie Manila oft nur in Slums leben können, nicht selten in Wellblechhütten.

Die Unterstützer von Gloria Yosores möchten aber nicht locker lassen. Intensiv engagierten sich zuletzt der Elternbeirat des Kinderhorts, den Joseph Benedict besucht, oder auch der Verein „Kultur macht Schule“. Auch der DGB-Kreisvorstand setzt sich in einer Erklärung für ein Bleiberecht ein. Bei einer Online-Aktion („Online-Petition“) gab es rund 3500 Stimmen (etwa 1600 aus dem Landkreis) für den Verbleib. Helga Bachthaler vom Team des Kinderhorts formuliert es so: „Wir haben ein Grundgesetz mit Menschenrechten.“ Bei der Mahnwache, die Max Bögner mit seiner Panflöte umrahmte, wurde deutlich, dass viele die Linie des Landratsamtes als „schreiendes Unrecht“ empfinden, wie es auch Michael Striegel formulierte. Sie möchten nicht lockerlassen. Am kommenden Mittwoch, 17. Dezember, soll es auf dem Krumbacher Markplatz wieder eine Mahnwache geben.

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