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14.06.2009

Sensationsfund bei Klostersanierung

Roggenburg Pater Gilbert Kraus, der Provisor des Klosters Roggenburg und Baustellenleiter für die 18,8 Millionen kostende Großbaustelle in Roggenburg, ist einer jener Menschen, deren Gottvertrauen gepaart ist mit der Einstellung aller mutigen Optimisten: "Wir haben keine Chance, aber wir nutzen sie."

Der Freistaat Bayern, das Bistum Augsburg, der Bezirk, der Kreis und die Gemeinde Roggenburg tragen mehr als zwei Drittel der Gesamtkosten. Bleiben für den Konvent (die zwölf eigentlich mittellosen Patres) noch 4,7 Millionen Euro. "800 000 hab' ich schon durch Spenden gesammelt, den Rest werde ich auch noch zusammenbekommen", lacht Pater Gilbert hoffnungsvoll. Die ersten Wochen der Restaurierungsarbeiten haben nicht nur zu sichtbaren Ergebnissen geführt, sie haben auch konservierte Kunst zutage gebracht, die der Weißenhorner Restaurator Johannes Amann, der die Arbeiten als Fachplaner begleitet, als "kulturhistorische Sensation" bezeichnet.

Unter einer abgenommenen Decke kam eine in den Originalfarben erhaltene Stuckdecke zutage. Da sie ohne Lichteinfluss jahrhundertelang im Dunkeln konserviert war, blieben die Farben unverändert. "Das ist ein unglaublich seltener und wertvoller Fund. Ich kann mich an keine ähnliche Entdeckung erinnern", freut sich Pater Gilbert. "Wir wissen jetzt, in welchen Farben wir die Gesamtrestaurierung der Stuckarbeiten halten müssen um alles in seinen Urzustand zu versetzen", sagt er beim Eintritt in den ehemaligen Gefängnistrakt, in dessen lichtlosen Zellen jeweils drei Häftlinge gefangen gehalten worden waren.

Noch sind dort in den massiven Eichenböden die dicken Eisenringe zu sehen, an denen die Gefangenen mit schweren Eisenkugeln an den Füßen fest gekettet waren. "So verändern sich die Dinge, in diesen Räumen wird bald Musik erklingen", sagt Pater Gilbert nachdenklich. Beim Durchschreiten eines Mittelganges zeigt er an der Decke ein von Johannes Amann entwickeltes Schutzsystem, das die wertvollen Stuckdecken und Fresken bei den Bauarbeiten vor Schäden bewahrt und im Kloster Roggenburg erstmalig zur Anwendung kommt."Wir müssen hier mit größter Vorsicht und innovativen Ideen arbeiten", sagt der Restaurator im großen Saal der Klosterbibliothek mit ihren unersetzlichen Kunst- und Bücherschätzen, über welcher die schweren Dachgeschoss- und Mauerarbeiten begonnen haben. Der gesamte Raum ist mit einem riesigen Spezialgerüst wie mit einem Spinnennetz ausgefüllt. Darauf sitzt während der gesamten Arbeiten ein Mitarbeiter, der überprüft, ob eines der wertvollen Deckengemälde durch die Erschütterungen Schaden nehmen könnte. Spürt er eine Erschütterung, lässt er sofort die Arbeiten stoppen. Das größte Problem bilden die tragenden Balkenköpfe in dem riesigen Dach, welche bei der ersten Sanierung in Beton gelegt wurden und unter Luftabschluss total verfaulten. Sie müssen unter größter Vorsicht und Mühe ausgewechselt werden.

Das war eine der negativen Überraschungen bei der Schadensbestimmung, die aber andererseits erbrachte, dass das gesamte Klostergebäude - was die Wärmedämmung betrifft - in hervorragendem Zustand ist. Aufnahmen mit der Wärmebildkamera zeigen die gesamte Gebäudehülle als bestens gedämmt. Das Kloster wird Raum für Raum saniert. In jedem hängt ein Bau- und Finanzierungsplan. "So bleiben wir im Kostenrahmen", sagt Pater Gilbert und setzt hinzu: "Mit Gottes Hilfe wird das Werk gelingen."

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