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Landkreis Günzburg

08.07.2019

So beschäftigt der Eichenprozessionsspinner den Landkreis

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Raupen des Eichenprozessionsspinners haben zahlreiche Bäume im Landkreis Günzburg befallen.
Bild: Lisa Ducret/dpa (Symbolbild)

Plus Der Eichenprozessionsspinner macht sich wieder bemerkbar. Im Kreis versucht man, die Verbreitung einzudämmen. Die flächendeckende Bekämpfung scheint unmöglich.

Der Eichenprozessionsspinner ist im Sommer ein unvermeidbares Thema – ebenso wie Hitze, Motorradfahrer und Freibäder. Die kleinen Raupen sind kein Grund, um in Panik zu verfallen – aber harmlos sind sie auch nicht. Anfang Juli wurden mehrere Kinder am Neu-Ulmer Muthenhölzle von den Tieren verletzt, das Areal war zwischenzeitlich gesperrt.

Auch das Staatliche Bauamt Krumbach weiß um die Gefahr der Raupen. Wie Klaus Burkart, Sachgebietsleiter Naturschutz und Landschaftspflege, sagt, wurden in diesem Jahr bereits zwei seiner Mitarbeiter ernsthafter verletzt und waren längere Zeit im Krankenstand. „Weniger gravierende Fälle, in denen Mitarbeiter einen Ausschlag davontragen, kommen jedoch wesentlich öfter vor“, sagt er. Das Staatliche Bauamt ist für die Pflege von Bäumen an Kreis-, Staats- und Bundesstraßen sowie daran entlangführenden Radwegen zuständig – in den Landkreisen Günzburg, Neu-Ulm und Dillingen.

Burkart zufolge haben die Tiere im Juli ein regelrechtes Hoch. Doch die Bekämpfung läuft bereits seit März. Mit dem biologischen Spritzmittel „Bacillus thuringiensis“ (Bt) werden Bäume besprüht. Raupen, die damit in Kontakt kommen, stellen das Fressen ein und sterben bald darauf.

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Eichenprozessionsspinner wurden am Oberrieder Weiher abgesaugt

Ein weiteres Mittel, um gegen die Raupen vorzugehen, ist das Absaugen von Ästen. Dies tat etwa das Landratamt Günzburg am Oberrieder Weiher bei Breitenthal – dort wurden Badegäste auch mit Schildern auf die Gefahr des Eichenprozessionsspinners hingewiesen. Das Absaugen kann, im Gegensatz zu anderen Methoden, in unmittelbarer Nähe zu Gewässern stattfinden. Laut der Gartenfachberaterin im Landratsamt, Tina Sailer, gibt es am Oberrieder Weiher inzwischen keine größeren Probleme mehr. „Allerdings ist es möglich, dass einzelne Raupen wieder auftauchen. Daher muss man die Bäume im Auge behalten“, sagt sie.

Am Oberrieder Weiher wird vor den Raupen gewarnt.
Bild: Annegret Döring

Auch an anderen Orten haben sich die Raupen in den vergangenen Jahren breitgemacht. Im Günzburger Kinderhort Don Bosco etwa wird seit Jahren regelmäßig eine Eiche befallen. Die Hortleiterin Petra Bochnitschek erzählt, dass auch dieses Jahr wieder Raupen aufgetaucht sind: „Die Stadt hat sie Ende Mai abgesaugt, seitdem haben wir keine Probleme.“

Krumbach hat seine Taktik beim Eichenprozessionsspinner geändert

Auch das Krumbacher Freibad hatte im vergangenen Jahr einen Eichenprozessionsspinner-Befall. Damals wurde dort versucht, den Eichenprozessionsspinner mit Teebaumöl zu bekämpfen. Das habe allerdings nicht funktioniert, erzählt Krumbachs Stadtförster Axel Dinger. In diesem Jahr wurde, wie auch vom Staatlichen Bauamt, Bt eingesetzt. „Die Erfolgsquote war damit um 80 Prozent höher als im vergangenen Jahr“, sagt Dinger.

Außerdem könnte es für die Stadt günstiger werden – während im vergangenen Jahr seiner Schätzung zufolge 16.000 bis 18.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aufgewandt wurden, könnte dieses Jahr womöglich die Hälfte der Kosten eingespart werden. Dinger kümmert sich aber nicht nur um das Krumbacher Freibad – auch im Stadtgarten oder auf Spielplätzen untersucht er Bäume auf das Vorkommen der Raupen. „Dabei fällt mir auf, dass sich die Tiere explosionsartig vermehrt haben“, sagt er.

Diese Beobachtung hat auch Klaus Burkart vom Staatlichen Bauamt gemacht. „Wir haben vor rund sieben bis acht Jahren mit der Bekämpfung der Raupen angefangen. Damals arbeiteten wir an rund 100 Bäumen. Inzwischen sind wir bei 1000.“ Dies sei allerdings nur ein kleiner Teil der befallenen Bäume – das Bauamt müsse sich auf Brennpunkte beschränken, an denen Personen mit den Tieren in Kontakt kommen könnten – etwa an Radwegen. Eine flächendeckende Bekämpfung ist Burkart zufolge nicht möglich: „Ich hoffe, dass die Population des Eichenprozessionsspinners auf natürliche Art und Weise zurückgeht. Derzeit ist das aber nicht absehbar.“

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