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Landkreis Günzburg

04.01.2019

So kommt die Feuerwehr in zehn Minuten zum Unglücksort

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Wer den Notruf wählt, kann sich darauf verlassen, dass innerhalb kürzester Zeit Hilfe anrückt. In den meisten Fällen braucht die Feuerwehr weniger als zehn Minuten, bis sie am Einsatzort ist.

Die jüngsten Großbrände haben anschaulich die Schlagkraft der Feuerwehr bewiesen. So funktioniert es, dass binnen kürzester Zeit Dutzende Helfer im Einsatz sind.

Vier Tastendrücke genügen, um Dutzende Feuerwehrleute in Bewegung zu versetzen – zweimal die Ziffer 1, einmal die 2 und abheben. In den vergangenen Wochen wurde die Nummer in besonders gefährlichen Situationen gewählt. Sowohl in Leipheim als auch in Edelstetten haben landwirtschaftliche Hallen gebrannt, in Thannhausen gingen Ende Dezember mehrere Lastwagen in Flammen auf. Jedes Mal war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Einsatz. Damit das funktioniert, kommt ein ausgeklügeltes System in Gang, sobald jemand die 112 wählt.

Wer in den Landkreisen Günzburg und den Nachbarlandkreisen Neu-Ulm, Unterallgäu oder der kreisfreien Stadt Memmingen diese Nummer wählt, landet bei der Integrierten Leitstelle für die Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung Donau-Iller in Krumbach. Tag und Nacht sitzen dort Mitarbeiter, die den Anruf annehmen und den Rettungseinsatz auf den Weg bringen. Wie Kreisbrandrat Robert Spiller erklärt, werden dort bereits erste wichtige Entscheidungen getroffen: „Die Disponenten legen die Art des Einsatzes fest und benachrichtigen die umliegenden Feuerwehren. Je größer der Vorfall ist, desto mehr Wehren werden alarmiert.“

Gleichzeitig gibt die Einstufung durch die Disponenten auch Informationen dazu, welche Geräte die Feuerwehren bereithalten müssen. Bei einem Autounfall mit eingeklemmten Personen etwa wissen die Wehren, dass sie unbedingt eine Rettungsschere und ähnliches Werkzeug brauchen.

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Das System weiß automatisch, welche Feuerwehren anrücken müssen

In der Leistelle arbeiten die Disponenten an fünf Computerbildschirmen gleichzeitig, um sämtliche Aspekte des Einsatzes im Auge zu behalten. Der Sprecher der Leistelle, Christian Schröder, spielt an den Bildschirmen einige Beispielfälle durch. In das System gibt er den Brand eines Müllcontainers in Balzhausen ein. Der Computer weiß darauf, welches Material für einen solchen Vorfall benötigt wird – in diesem Fall unter anderem 500 Liter Löschwasser und eine Atemschutz-Ausrüstung. „Das System geht immer von den benötigten Geräten aus und sucht dann bei den Feuerwehren der Umgebung, ob die Geräte vorhanden sind“, sagt Schröder. Beim fiktiven Containerbrand liegt alles bei der örtlichen Feuerwehr bereit – mit einem Tastendruck startet Schröder den Alarm.

Bei anderen Beispielfällen reicht die örtliche Feuerwehr nicht mehr. Der Disponent gibt als Beispiel einen Zimmerbrand in Aletshausen ein. Das System verlangt nun mehr Geräte, etwa acht Atemschutzausrüstungen und eine Drehleiter. Daher bindet der Computer neben der örtlichen Feuerwehr automatisch die Wehr von Niederraunau ein. Dazu kommt die Krumbacher Feuerwehr, da dort eine Drehleiter verfügbar ist. „Die Daten im System werden immer aktuell gehalten. Wenn ein Gerät gewartet wird und nicht verfügbar ist, wird das bei uns vermerkt“, sagt Schröder. Auch bei der Zahl der verfügbaren Helfer wird vorab geplant – wenn etwa eine große Feuerwehrübung stattfindet und in einer Region deshalb weniger Kräfte verfügbar sind, werden automatisch auch weiter entfernte Wehren einbezogen.

Mehr als 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Brand einer Maschinenhalle in Edelstetten zu löschen.
Bild: Foto-Weiss

Wie Schröder erklärt, handelt es sich bei der ersten Alarmierung nur um den „Erstschlag“ – je nachdem, wie der Einsatz verläuft, können immer weitere Einsatzkräfte angefordert werden.

Sirenen leiten den Einsatz der Feuerwehr ein

Von der Leitstelle aus geht dann der Alarm an die Feuerwehren. Die werden auf zwei unterschiedlichen Wegen erreicht. Entweder ganz klassisch über die Sirenen, von denen in jeder Ortschaft mindestens eine steht. Wenn die ihren Signalton gibt, machen sich die aktiven Feuerwehrleute zum Feuerwehrhaus auf. Dort erst erfahren sie, um welchen Einsatz es sich handelt – meist erreicht sie diese Information per Faxgerät. Der andere Weg zur Alarmierung erfolgt über einen Meldeempfänger, auch als Pager oder „Piepser“ bekannt. „Die größeren Feuerwehren versorgen ihre Helfer meist mit solchen Geräten. In kleineren Dörfern sind sie hingegen weniger verbreitet“, sagt Kreisbrandrat Spiller. Dort haben in der Regel nur die Kommandanten einen Meldeempfänger. Auf den Piepsern werden den Rettungskräften bereits erste Informationen zum Einsatz angezeigt, etwa der Ort oder um welche Art von Notfall es sich handelt.

In Leipheim brannte ein Stall nieder.
Bild: Mario Obeser

In Bayern ist die Feuerwehr per Gesetz an eine Hilfsfrist gebunden. Die Gemeinden müssen ihre Wehren so aufstellen, dass sie spätestens zehn Minuten nachdem ein Notruf abgesetzt wurde am Unglücksort ankommen – zumindest dann, wenn dieser an einer Straße liegt. Wie Spiller sagt, gibt es dabei im Landkreis Günzburg meist keine Probleme: „In 95 Prozent aller Fälle können wir diese Frist einhalten.“

Einen wichtigen Teil dabei spielt die Integrierte Leitstelle. Und die ist nicht nur für die Feuerwehr zuständig, sondern koordiniert auch Notärzte und Sanitäter. Auch hier bewirkt ein ausgeklügeltes System, dass die Hilfe an den richtigen Ort kommt – und das extrem schnell.

Lesen Sie dazu auch: Leitstellen-Tipps: So kommen Notrufe auch zu Silvester richtig an

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