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Krumbach

27.01.2021

Stiller Protest im Landkreis: Eine Friseurin aus Krumbach redet Klartext

„Wir lassen das Licht an“ – auch im Landkreis Günzburg, wie hier in Krumbach, protestieren viele Friseure und lassen jede Freitagnacht im Lockdown 24 Stunden lang in ihren geschlossenen Salons das Licht brennen.
Foto: Martina Unglert

Plus Die Krumbacher Friseurin Martina Unglert beteiligt sich an einem stillen Protest der Branche. Die Lage für sie und ihre Kollegen ist prekär.

Es regt sich weiter Widerstand im Lager der Friseure. Nach den lauten Demonstrationen in Memmingen (wir berichteten) setzen Bayerns Friseure nun auf leisen Protest: „Wir lassen das Licht an“ nennt sich die Aktion, mit der die Branche erneut auf ihre missliche Lage aufmerksam machen möchte. Auch im Landkreis Günzburg sind vorerst bis 14. Februar – so lange dauert der Lockdown nach aktuellem Stand – jeden Freitagabend ab 8 Uhr viele geschlossenen Friseursalons 24 Stunden lang hell erleuchtet. Zum Beispiel der von Martina Unglert aus Krumbach - und die spricht Klartext.

Die stellvertretende Obermeisterin der Friseurinnung Günzburg-Krumbach hatte in ihrem Geschäft schon vergangene Woche das Licht brennen lassen – um sichtbar zu bleiben. Seit 16. Dezember muss sie ihren Salon im zweiten Lockdown geschlossen lassen. „Die Lage für unsere Branche ist kritisch“, sagt Unglert. Ihr Ziel: Am 15. Februar wieder öffnen zu dürfen. „Es ist wichtig, gemeinsam gegen das Coronavirus zu kämpfen“, betont sie. Aber sie und die vielen anderen Friseure hätte so viel investiert und ein sehr gutes und durchdachtes Hygienekonzept ausgearbeitet. „Deshalb war und ist eine zweite Schließung unserer Branche nicht nachvollziehbar“, lauten ihre deutlichen Worte.

Die Krumbacher Friseurin muss auf ihre finanziellen Rücklagen zurückgreifen

Dass die Konzepte effektiv seien, zeige sich schon daran, dass bei über 80.000 Friseursalons in Deutschland nur eine Handvoll Friseure von Corona betroffen seien. „Dies wurde wissenschaftlich bewiesen und von der deutschen Politik in Person von Jens Spahn verkündet“, berichtet Unglert. Bis Ende Dezember seien demnach lediglich sechs Covid-19-Fälle bei Friseurbetrieben für das vergangene Jahr gemeldet gewesen. Eine Schließung sei auch deshalb nicht nachvollziehbar, so die stellvertretende Obermeisterin der Friseurinnung, weil ihre Branche durch jedes Raster der Hilfsprogramme der Regierung und Ausweichkonzepten wie „Click & Collect“ und „take away“ falle. Diese sieht Unglert kritisch, denn sie seien für sie als Friseurin nicht lukrativ.

Stattdessen müsse sie auf ihre eigenen Rücklagen zurückgreifen. „Eigentlich ist dieses Geld aber für das Rentenalter oder größere Reparaturen und Anschaffungen geplant“, sagt Unglert. Das bedeute im Umkehrschluss neue Kredite, Finanzierungen und Umschuldungen, sowie Stundungen von Krediten, der Miete und sonstigen Kosten und Ausgaben. Auch auf das Kurzarbeitergeld können viele ihrer Kollegen nicht zurückgreifen, dieses gelte nur für Voll- und Teilzeitkräfte. „Inhaber, Auszubildende und Mini-Jobber fallen aus dem Raster und Letztere müssen vom Geschäftsinhaber und dessen privaten Rücklagen finanziert werden“, berichtet sie. Auch deshalb sei schnelle finanzielle Unterstützung für viele Betriebe überlebenswichtig.

Schwarzarbeit ist für viele Friseure ein großes Thema

Aus der finanziellen und existenziellen Not heraus seien schon jetzt manche Dienstleister, durch die Auswirkungen der Pandemie, den gesetzlichen Bestimmungen von Bund und Ländern, sowie der nicht vorhandenen Hilfsprogramme, zu Schwarzarbeit gezwungen. „Das lehnen wir grundsätzlich ab“, sagt die stellvertretende Obermeisterin der Friseurinnung, „doch leider sieht die Realität anders aus.“ Auch sie selbst bekomme aktuell viele Anfragen – die lehne sie jedoch allesamt ab. „Es ist momentan einfach eine Straftat, da körpernahe Dienstleistungen per Verordnung der Bundesregierung untersagt sind“, lautet Unglerts Begründung. Zudem sieht sie das Thema generell sehr kritisch, denn Schwarzarbeit sei auch außerhalb der Corona-Pandemie ein großes Thema: „Das zerstört Arbeitsplätze und Preise. Die Qualität des Handwerks geht verloren, sowie die Wertschätzung und das Ansehen der Friseurbranche.“

Unabhängig von Schwarzarbeit und finanziellen Nöten sei das Problem – das nicht nur ihre Branche betreffe – derzeit auch, dass keiner so recht wisse, wie es denn weiter geht. Fest steht nur: „Sobald der Zeitpunkt für eine mögliche Öffnung der Betriebe feststeht, werden wir alle natürlich schnellstmöglich Termine mit unseren Kunden vereinbaren“, sagt die Krumbacherin. Doch selbst wenn das tatsächlich am 15. Februar wieder der Fall sein sollte, werde das nicht ganz problemlos über die Bühne gehen, macht die stellvertretende Obermeisterin der Innung deutlich: „Wir werden bereits wie im ersten Lockdown wieder im Schichtsystem arbeiten müssen, da ich viele Mütter beschäftige und unsere Branche leider nicht als systemrelevant in der Kinderbetreuung eingestuft ist.“ Und die vielen Kunden mit Überstunden abzuarbeiten sei auch keine Option: „Außer beim Inhaber sind keine längeren Arbeitszeiten möglich, da wir ja einem strengen Arbeitsschutz unterliegen.“

Trotz der schwierigen Lage will Unglert aber positiv bleiben. „Ich will nicht jammern, wir versuchen natürlich alle, das Beste daraus zu machen“, betont sie. Die viele Zeit nutze sie etwa für Arbeiten in ihrem Geschäft, für die normalerweise keine Zeit sei. Auch mit ihren Kunden versucht sie regelmäßig in Kontakt zu bleiben, berichtet die Friseurin: „Ich bin zum Beispiel sehr aktiv in den sozialen Netzwerken und meine Kunden suchen auch den Kontakt zu mir.“ Und das nicht nur auf virtuellem Wege: Erst kürzliche habe sie etwa eine von Hand geschriebene Postkarte in ihrem Briefkasten vorgefunden. „Das freut mich natürlich sehr“, sagt sie.

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